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Kleinkariert karikiert: Harmloses Werkstatt-Stück „Supramater“ im Lofft

Premiere Kleinkariert karikiert: Harmloses Werkstatt-Stück „Supramater“ im Lofft

„Supramater“ heißt die Performance der Gruppe Wilde Pferde, die am Montag auf der Werkstattbühne des Lofft Premiere hatte. Eine Gameshow um die optimale Mutterdaseinsoptimierung, die aber leider eher einem Malen nach Zahlen als einer Bilderstürmerei auf gängige Mutter-Klischees gleicht.

Gameshow auf der Suche nach der Übermutter: Miriam Welk, Nadja Hoppe und Juliane Meckert (von links) im Lofft.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Schuld sind immer die Mütter, sagt man ja. Und das nicht erst seit Norman Bates, der, wer die Geschichte kennt, weiß es, letztlich ja auch nur ein Opfer ist. Also ein Opfer seiner Mutter. So wie eben überhaupt die Mütter schuld sind. Ein Eindruck, den auch die neue Werkstattproduktion im Lofft nicht so recht zu zerstreuen vermag. „Supramater“ heißt die Performance, die dort am Montag auf der kleinen Bühne Premiere hatte.

Eine Gameshow um die optimale Mutterdaseinsoptimierung. Da ja in der Leistungsgesellschaft auch Geburt, Erziehung, Familie unters Leistungsprinzip fallen, gilt es also festzustellen, wer die Leistungsfähigere ist. Juliane und Miriam sind die Kandidatinnen, also die Mütter, die beim Ranking in intimen Fragerunden („Wie viele Schwangerschaftsstreifen hast du?“) und grotesken Spieleinlagen (Publikum mit Babynahrung füttern) zeigen müssen, wer die bessere Mutter ist. Eine Moderatorin (Nadja Hoppe) versteht es dazu recht gut, im Namen des Unterhaltungswerts die Charakterunterschiede zwischen der gern gemütlich strickenden Miriam und der stets auf Effizienz getrimmten Juliane zu Frontverläufen zu vertiefen, während das Publikum mit Schildchen gezeigt bekommt, wann es zu Klatschen hat.

Laues Lüftchen

So weit, so gut. „Supramater“ ist Recherche-Projekt, ist Lecture Performance und eine Gameshow-Trash-Travestie des Performancekollektivs Wilde Pferde. Und man mag auch ob dieses Namens auf eine gewisse Wildheit, ein Dampfablassen und Auskotzen darüber gehofft haben, was man „den Müttern“ nach wie vor gesellschaftlich ein- und zuschreibt. Auf eine Performance also, die eine Bilderstürmerei auf Mutterbilder versucht. Wobei es absolut nebensächlich ist, ob die Darstellerinnen Juliane Meckert und Miriam Welk ihre Rollen als Juliane und Miriam „nur“ spielen, oder ob sie auch „in Wirklichkeit“ Mütter sind. Nur dass genau da das Problem von „Supramater“ beginnt.

Dessen eines Symptom die Partizipation einer Soziologin ist, die während der Inszenierung soziologisch daherreden darf. Was gut für den Hörsaal ist, ist es nicht unbedingt für die Bühne. Wodurch dann allein schon etwaiges Dampfablassen zum lauen Lüftchen gerät, während jedwede Bilderstürmerei, noch bevor sie losgeht, im Ausmalen und Illustrieren von Gemeinplätzen endet.

Muss so gewollt sein. Denn wieder mal setzt man auch hier mehr auf Recherche als auf Erfahrung, kapriziert sich aufs gesellschaftlich Allgemeine, statt sich auf das nuancierende Persönliche zu fokussieren. Weshalb diese Mütter auf der Bühne einem dann auch bald nur noch wurscht sind in dieser Show der kleinkariert karikierten Familie-Karriere-Beckenbodengymnastik-Probleme. Dabei hätte man so gern Empathie für und Interesse an Juliane und Miriam entwickelt. Aber selbst beim Gedanken an deren Nachwuchs, der es mit so Muttis ja sicher auch nicht immer leicht hat, klappt das nicht wirklich. Wer daran schuld trägt, ist natürlich klar.

Weitere Aufführungen von „Supramater“ Dienstag und Mittwoch, jeweils 20 Uhr, Lofft (Lindenauer Markt 21), im Anschluss Publikumsgespräch, Eintritt 8/5 Euro

Von Steffen Georgi

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