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König des schlechten Geschmacks: Ingo Appelt im Haus Leipzig

Comedy König des schlechten Geschmacks: Ingo Appelt im Haus Leipzig

„Besser ist ... besser!“ Es ist schwer, der Erkenntnis zu widersprechen, mit der Ingo Appelt sein aktuelles Programm betitelt. Leider passt die Überschrift nicht so gut zum Auftritt des Comedians am Samstagabend im Haus Leipzig. Der wirkte eher wie die Resteverwertung aus zwei Jahrzehnten im Geschäft.

Reste aus zwei Jahrzehnten Comedy? Ingo Appelt, 48, im Haus Leipzig.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Ingo Appelt gehört – seit etwas mehr als zwei Jahrzehnten über die Bühnen des Landes fegend – zum Urgestein deutscher Comedy. Seine kruden Witze haben ihn bekannt gemacht, inmitten all seiner Komiker-Kollegen gilt er als Bösewicht. Doch selbst ein solcher will mal guten Willen beweisen. Sein aktuelles Programm „Besser ist ... besser!“, das er am Samstag im Haus Leipzig in vollem Saal präsentierte, sollte daher Wegweiser für ein harmonischeres Miteinander zwischen Frauen und Männern sein. Mit vielen flachen Witzen gespickt, war es jedoch eher ein Zeugnis dafür, dass von Appelt auf seine alten Tage nicht mehr viel Neues zu erwarten ist.

Das liegt unter anderem daran, dass Appelt sich und seinem Show-Konzept mehr als treu bleibt. Für freche Schnauze und offene Worte bekannt, rattert der Entertainer von der ersten Sekunde an in einem rasanten Tempo seine Witze herunter und wirft Kalauer um Kalauer in die Menge. Der Themen gibt es für Appelt da genug: Ob Flüchtlingspolitik, Missbrauch in der Kirche oder Suizid; Ingo Appelt scheint in allem die Pointe ausmachen zu können. Dass die aber in den meisten Fällen gegenüber Betroffenen eher pietätlos ausfällt, scheint ihn wenig zu stören. Der König des schlechten Geschmacks macht unbeirrt weiter und testet dabei wie ein dreijähriges Kind die Grenzen des gesellschaftlichen Niveaus aus, das gerade das Wort „ficken“ gelernt hat. Das sagt Appelt an diesem Abend oft und gern, während er so tut, als wäre lediglich sein großer Zeh sexistisch. Hässlicher als er erscheint in diesen Momenten nur noch sein von ihm getragenes Shirt.

Ein Dreijähriger, der gerade das Wort „ficken“ gelernt hat

Das viel größere Problem allerdings ist, dass der Auftritt Appelts wie eine Resteverwertung der vergangenen Jahre seines Künstler-Daseins wirkt. Seine cool vorgetragenen Sprüche sind altbekannte, jedes Augenzwinkern ein so schon mal gesehenes und das Programm ein frisiertes, kein gänzlich neues. Das ist für einen Mann seines Bekanntheitsgrades dann schon recht enttäuschend, erwartet man von ihm, an der Spitze des Erfolgs stehend, grundlegend mehr. Und das in jeglicher Hinsicht.

Der Papst ist also immer noch eine Fummeltrine im Kleid? Aha. Appelt klaubt nach wie vor Spermareste aus dem Flokati? Aha aha. Der einzige Lichtstreif am Himmel der steten Wiederholung sind da wohl nur seine Imitationen von Politikern oder Stars, denn die greifen beständig nach den Lachmuskeln. Merkel, Grönemeyer oder Schweiger – keiner ist vor ihm sicher. Das versöhnt zwar nicht mit Appelt, schmerzt hingegen weniger als seine anderen Scherze und kann somit sogar von einem Schmunzeln bis hin zu einem raren Lacher verführen.

Stehen geblieben ist er, der einstige Bösewicht, bei einer Show ohne Überraschungen und ohne Charme. Einfache Witze, das sind sein Metier; schroffer Humor sein Markenzeichen. Und so verweilt Ingo Appelt also auch nach diesem Abend weiterhin dort, wo er sich all die Jahre über offensichtlich stets am wohlsten gefühlt hat: unter der Gürtellinie.

Von Anne-Sophie Kretschmer

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