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Körnerbrot mit Konfitüre: Geschlechterstück "Rosa/Blau" für Zehnjährige in der Schaubühne

Körnerbrot mit Konfitüre: Geschlechterstück "Rosa/Blau" für Zehnjährige in der Schaubühne

Es ist schwer, Strampler zu kaufen, die nicht rosa sind oder blau. Über die allgegenwärtige Einteilung in weiblich und männlich hat das Theater Kormoran nun ein Stück für Kinder ab zehn entwickelt, das am Sonntag erstmals in Leipzig zu sehen war.

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Frau Wolff vom Amt für Differenzverwaltung mit zwei ihrer Werkzeuge, rosa und blau.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Sie ist die Ordnung in Person: Frau Wolff, Sachbearbeiterin im Amt für Differenzverwaltung. Grauer Hosenanzug, strenge Brille, eine Frisur bei der, kurz und akkurat, jedes einzelne Haar ordentlich abgelegt scheint - so steht sie am Eingang zum kleinen Saal in der Schaubühne Lindenfels. Und sortiert, ganz ordentlich, das Publikum: Männliche Personen bitte links, weibliche bitte rechts Platz nehmen. Und wer dennoch Probleme haben sollte, sein Plätzchen zu finden, dem helfen die kleinen Zettelchen an den Stuhllehnen in die korrekten Sitzreihen: Links leuchtet es blau, rechts rosa.

"Rosa/Blau" ist eine Produktion des Theaters Kormoran, ein pfiffiger Monolog zum Geschlechterdialog. Zur ja wahrlich nicht neuen Frage, was ist das eigentlich: weiblich und männlich? Denn wo man sich rein biologisch noch halbwegs an klaren Fixpunkten orientieren kann (oder meint, das zu können), ist das Ganze bezüglich soziologischer und psychologischer Parameter schon schwieriger.

Wie man in kurzweiligen 50 Minuten erleben darf, in denen sich Svenja Wolff als Frau Wolff am Sortieren versucht und an der Erläuterung der bürokratischen Richtlinien, nach denen dieses Sortieren vonstatten zu gehen hat.

Die vermeintliche Selbstverständlichkeit der Geschlechterdefinitionen zu hinterfragen, ist dabei das unumwundene Anliegen dieser Inszenierung. Der pädagogische Impetus ist eindeutig, das Szenario richtet sich an Kinder ab zehn Jahre und führt gerade für Kids sehr hübsch die Absurditäten der in mitunter dümmlichen Klischees festgefügten Geschlechterwahrnehmung und Rezeption vor Augen: Mit einem projizierten Baby-Gesicht, das auf den schnellen Blick so gar nichts über sein Geschlecht verrät, was die Zuteilung des blauen oder eben rosa Strampelanzugs erheblich verkompliziert. Oder mit Körnerbrötchen (männlich-dunkel-kernig) und normaler Semmel (weiblich-weiß-weich), die entsprechend belegt werden: pfeffrige Salami aufs Kernige, süße Konfitüre aufs Weiche.

Aber was ist, wenn man Körnerbrötchen mit Konfitüre beschmiert? Ist das dann noch männlich oder schon weiblich? Und der Junge, der einfach keinen Bock auf Fußball, Autos und Raufen hat - ist der etwa schon ein Mädchen? Es sind die einfachen Beispiele, die für Frau Wolff zu echten Komplikationen führen, Welt- und Wertgefüge ins Schwanken bringen. Zum Vergnügen des Publikums.

Allerdings: Die eigentlich spannende Frage, stellt die Inszenierung nicht. Nämlich die, warum es diese Unterscheidungsstrukturen, diese Definitionen eines "sozialen Geschlechts" in ihren oft engen Grenzziehungen überhaupt gibt. Sind sie notwendig für das, was wir als Kultur verstehen? Oder sind sie, im Gegenteil, überflüssig? Ein patriarchalisches Machtinstrument? Eine Degeneration?

"Warum?" - ist die nervigste und schönste aller Kinderfragen. Und es ist just die, um die sich "Rosa/Blau" drückt. Warum eigentlich - möchte man fast schon wieder fragen.

Theater Kormoran: "Rosa/Blau", weitere Aufführung 10. und 11. Februar, jeweils 19 Uhr, Schaubühne Linenfels (Kark-Heine-Straße 50), Eintritt 6/5 Euro

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.02.2014
Steffen Georgi

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