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„Komödie wider Willen“ im Theater Fact: Humorvolles Spiel, aber dünne Geschichte

Premiere „Komödie wider Willen“ im Theater Fact: Humorvolles Spiel, aber dünne Geschichte

Das Theater Fact hat am Sonnabend im ausverkauften Haus die Premiere von Jonathan D. Howfields „Komödie wider Willen“ gefeiert. Regisseurin Ev Schreiber hat ein Stück inszeniert, in der sich die Zuschauer vielfach wiedererkennen. Jedoch fehlt es der Handlung an Überraschungen.

Die eine hat, was der anderen fehlt – und andersherum: Irene (Nele Hamann) und Emilia (Mona Schubert).

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Die Seele baumeln lassen, dem Alltag entfliehen, 25 Jahre Ehe feiern und eine Kreuzfahrt durch die Karibik: All das liegt vor Irene und Wolfgang, und die beiden könnten sich nichts Schöneres vorstellen – eigentlich. Denn Irene hat Angst vor einem Schiffsunglück, liest nachts mit der Taschenlampe Szenen über das Schicksal der Titanic und geht mit Schwimmweste bekleidet ins Bett. Wolfgang wäre lieber nach Bayern gefahren, wo er Eier mit Speck zum Frühstück bekommt. Sowieso hat das alteingesessene Ehepaar Fesser unterschiedliche Vorstellungen von Urlaub: Wolfgang will ausschlafen statt Frühsport, Irene Händchenhalten statt Möwen beobachten.

In Jonathan D. Howfields „Komödie wider Willen“, die am Sonnabend im ausverkauften Theater Fact Premiere gefeiert hat, treffen Charaktere aufeinander, so klischeehaft, dass sich jeder darin wiederfindet. Die kleinliche Kritik an der Kleidung des Partners, das Gebrumme am frühen Morgen, das „Könntest-du-nicht-mehr-sein-wie-der-oder-der?“ – es lässt den Zuschauer schmunzeln. Und das, obwohl an der verfahrenen Beziehung von Irene (Nele Hamann) und Wolfgang (Uwe Kraus) absolut nichts zum Lachen ist. Beide sind gefangen in ihrem Alltag, reden nicht miteinander, sondern klagen an, blicken zurück statt nach vorne.

Tanz zwischen Tragik und Komik

Erst als die Fessers ein privilegiertes Geschwisterpaar kennenlernen, kommt nach all den Jahren Schwung in ihr Leben. Emilia (Mona Schubert) ist Sängerin, berühmt und reich, aber unglücklich. Irene sieht in ihr dennoch den Inbegriff des kultivierten Lebens, das sie selbst gerne führen würde. Ben (Andre Ryll) hat in Oxford Wirtschaft studiert, sucht noch nach dem großen Geschäft. Das wittert er in Wolfgangs Hobby; er baut Stühle. Doch Irene ist wenig begeistert, dass ihr Ehemann noch einmal von vorn anfangen will. Schließlich drängt der Frust der vergangenen Jahre an die Oberfläche.

So vertraut wie die Figuren bei ihrem Tanz zwischen Tragik und Komik scheinen, so gängig, fast eintönig ist die Geschichte auf der Bühne. Nachdem das Ensemble um Regisseurin Ev Schreiber die stereotypen Charaktere solide und mit liebenswerten Details etabliert hat, verpasst die Inszenierung, mit ihnen zu brechen. Der als Verwechslungskomödie ausgeschriebenen Geschichte fehlt nicht nur Spannung, sondern auch die Verwechslung. Zwar gibt es komische Momente und massig Missverständnisse zwischen den Eheleuten Fesser. Doch rühren diese nicht von – an Shakespeare angelehnt und für diese Art von Komödien typisch – optischen Verwechslungen oder dem Tausch von Identitäten.

So beschert die „Komödie wider Willen“ dem Publikum Lacher – vor allem Dank Uwe Kraus’ überzeugender Darstellung des brummigen Klischee-Touristen, der mit Socken in Sandalen über das Deck stapft. Doch auch das charmant imitierte Möwengeschrei, das zum Running Gag mutiert, kann nur schwer über die Schwächen der Geschichte hinwegtrösten.

„Komödie wider Willen“, weitere Termine Sonntag, 16 Uhr, Montag, 20.30 Uhr, 6. März, 16 Uhr, 7. März, 20.30 Uhr, und ab 24. März, Theater Fact (Hainstraße 1); Karten für 10 bis 17 Euro: 0341 9614080; www.theater-fact.de

Von Josephine Heinze

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