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Komplettes Werk II - Nach zehn Jahren Zwangspause öffnet die sanierte Halle D

Komplettes Werk II - Nach zehn Jahren Zwangspause öffnet die sanierte Halle D

"Natürlich, die Nervosität wächst", gesteht Angela Seidel. Die Geschäftsführerin des Werk 2 feiert morgen im Kreis geladener Gäste die Bezugsfähigkeit eines wichtigen Bestandteils der Kulturfabrik.

Leipzig. Zehn Jahre nach der letzten Veranstaltung wird die frisch sanierte Halle D dann am Freitag offiziell mit einer großen Party und James Yuill als Gast wiedereröffnet.

Es gab Abschnitte, da mochte keiner mehr daran glauben, dass der kleine Bruder der großen Halle A nochmal eine Rolle in Leipzigs Off-Kulturlandschaft spielen könnte. Schon vor der nur mit Sondergenehmigung ermöglichten Nutzung des maroden Trakts zum Wave-Gotik-Treffen im Jahr 2000 lag dieser Werk-Abschnitt brach. Das Bauordnungsamt hatte wegen des schadhaften Daches Veranstaltungen untersagt. Schon seit Jahren kämpften Geschäftsführung und Vorstand des Werks um Mittel für die Sanierung, da andernfalls irgendwann die Abrissbirne weit ausgeholt hätte.

Seidel, Chefin seit April 2005, erinnert sich gut an die Überzeugungsarbeit, die sie leisten musste – natürlich vor allem bei der Stadt als Eigentümer des Areals am Connewitzer Kreuz. Bei Gesprächen mit der Kulturverwaltung, mit dem Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung (ASW), bei Terminen in Gremien wie dem Kulturausschuss registrierte Seidel "viele offene Ohren", wie sie sagt.

Letzte Arbeiten laufen auf Hochtouren

Trotz anhaltend angespannter Haushaltslage beschloss der Stadtrat vor knapp drei Jahren die ersten Gelder für die insgesamt rund 720.000 Euro teure Sanierung der Halle D. Die Hülle des Gebäudeteils wurde gerettet, und nach Aufhebung der Haushaltssperren ein Jahr später war der Weg zum Innenaus- und -umbau frei. Ein Drittel steuerte die Kommune bei, zwei Drittel stammen aus über das ASW realisierten Investitions-Programmen sowie aus Landes- und Bundestöpfen – für die Innenverschalung des Daches, Lüftung, neue Heizung, Sanitärbereich, Backstage-Räume, Fußboden und anderes.

Noch gestern wurde an der Bar gewerkelt, für die feierliche Eröffnung müssen PA-Anlage und weiteres technisches Equipment vorerst zwischen Halle A und D pendeln, denn für eine zweite Ausstattung reicht das Geld nicht.

Die Wiedergeburt der "D", zugelassen für bis zu 450 Gäste, füllt zum einen eine Lücke für Veranstaltungen in dieser Größenordnung. Zum anderen komplettiert sie den Nutzungsbereich auf dem 7.000 Quadratmeter großen Gelände der ehemaligen Gasmesser- und Werkstoffprüfmaschinen-Fabrik, errichtet in den 1870er Jahren.

Ein Kulturzentrum, das Historie verströmt, das ein Beispiel für den Wandel schlechthin ist und in dem trotz diverser Sanierungsschritte noch immer der Charme des Unvollkommenen nistet. Das birgt – abgesehen von Widrigkeiten wie dem rutschig-holprigen Kopfsteinpflaster im Hof – mehr Segen als Fluch. Natürlich hat sich an manchen Mauern der Mörtel längst aus den Fugen zwischen den Backsteinen verabschiedet, natürlich steckt in entlegenen Räumen wie dem Ballettstudio so etwas wie DDR-Geruch im jahrzehntealten Linoleum-Boden. Es ist gerade dieser inhomogene Zustand jenseits stylischer Sterilität, dieser spezielle Hauch des Romantisch-Unkonventionellen, die Authentizität in den Brüchen, die das Werk 2 so reizvoll machen. Hier sammelt sich die freie Kultur in ihren unterschiedlichsten Erscheinungsformen, manifestiert in Vereinen, Initiativen und Projekten. Hier residieren die Gesellschaft für Völkerverständigung, ein Tattoo-Laden, ein Computerclub, der Halle 5 e.V., die Frauenkultur, die Agentur von Zeichner Schwarwel, ein Kampfsport-Verein, eine Kegelsport-Gruppe, hier gibt‘s Ballett-, Tanz- und Trommelkurse, eine Glasbläserei, im Hinterhof eine kleine "Wall Of Fame" für Graffiti-Künstler. Und nicht zuletzt wird Anfang Oktober das neue Theater-Domizil der Cammerspiele eröffnet.

Die große Eröffnung steht an

Gastronomischer Treffpunkt mittendrin: die Connstanze-Kneipe. Die Halle D ist ein weiterer bedeutender Punkt, der den Standort aufwertet, der mehr Eigenmittel einspielen kann und Kooperationen fördert, beispielsweise mit dem Kulturzentrum Nato. "Die Verständigung ist gut, wir freuen uns auf gemeinsame Projekte", so Angela Seidel. Schon jetzt ist die Halle bestens gebucht. "Bis Ende Februar 2011 ist jedes Wochenende verplant", summiert Werk-Booker Roland Bergner zufrieden. Als Gegenentwurf zur mainstreamig-konservativen Disco in Halle A plant er für die kleinere Location Popkultur unterschiedlichster Couleur, einmal im Monat soll es einen Clubabend geben. Über die Musik hinaus wird es Theater und Lesungen geben, die Halle dürfte fester Bestandteil für Festivals von Wave Gotik Treffen über Pop Up bis Buchmesse werden.

So etwas gehört gefeiert. Zur Eröffnungsparty am Freitag (bei freiem Eintritt) kommt als Headliner der britische Folktronica-Sänger James Yuill, außerdem rockt eine Leipziger Allstar-Combo aus Mitgliedern von Bands wie den Shandy Mandies, Elsterclub, Mjuix, The Sonic Boom Foundation oder Me And The White Tiger. Moderieren wird Weng Holster. Und allerspätestens, wenn das DJ-Team der Pop Up auflegt, dürfte sich die Aufregung von Angela Seidel in jene optimistische Entspanntheit verwandelt haben, mit der sie dafür geworben hat, die Halle D zu retten.

Grand-Opening-Party von Halle D im Werk 2, am 3. September um 21.30 Uhr, Eintritt frei.

Mark Daniel

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