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Konzentriert vor sich hindämmern: Lambchop im ausverkauften Leipziger Felsenkeller

Konzert Konzentriert vor sich hindämmern: Lambchop im ausverkauften Leipziger Felsenkeller

Älterer Herr entdeckt neues Spielzeug. Und fabriziert damit Faszinierendes. Am Dienstag stellten bei einem Konzert im ausverkauften Felsenkeller Lambchop ihre neue Platte vor.

Lambchop in Minimalbesetzung: Kurt Wagner (Dritter von links) mit Kollegen im Felsenkeller.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Älterer Herr entdeckt neues Spielzeug. Und fabriziert damit Faszinierendes. Am Dienstag stellten bei einem Konzert im ausverkauften Felsenkeller Lambchop ihre neue Platte vor. „FLOTUS“ heißt die und ist ein Werk, auf dem Bandleader Kurt Wagner (Jahrgang 1958) erstmals seine Songs wie auch seine markante Stimme mit der stillen Konzentration eines begeisterten Kindes durch allerlei Autotune-Vocoder-Effekte jagt.

Was dabei nun musikalisch passiert, ist eine gänzlich unprätentiöse Verfremdung des Traditionellen. Ins akustisch warme Country-Song-Design à la Lambchop fügen sich entspannt jene Vokalverzerrungen einer roboterhaft kühlen Sound-Künstlichkeit, die man sonst eher im Synthie-Pop oder Hip Hop verortet. Und nichts daran ist Attitüde. Es geht dabei nicht um Neuerfindung und schon gar nicht um Negation – aber um eine neue Klangfarbe geht es schon.

Eine Klangfarbe, die etwas von diesem Horizontstreifen ersten Lichts im Morgengrauen hat. Von dieser Stille auch. Es sind Schattensongs, Zwielicht-Lieder mit Texten, die nicht selten kryptisch wie aus Halbschlafträumen verfügt sind, die sich auf „FLOTUS“ versammeln. Songs, die jetzt in ihrer Abfolge zum Konzert einer – um im Bild zu bleiben – Dramaturgie zunehmenden Lichts zu entsprechen scheinen.

Denn wo die CD mit dem relativ beschwingten, farbigen „In Care of 8675309“ beginnt, platziert man live derlei im Mittelteil und geht es dafür zu Beginn erst einmal geradezu schlafwandlerisch an. Und ähnlich wie das Auge im Dämmerlicht Zeit braucht, Konturen wahrzunehmen, brauchen hier die Ohren Zeit, bis sie die langsamen, wie kreisenden Bewegungen der Musik als die Melodienlinien von „The Hustle“ „Directions to the Can“ oder „NIV“ erkennen. Das ist hypnotisch.

Soundspiele, aber keine Effekthascherei

Wozu passt, dass Wagners Stimme, seit je eher Instrument sonor vibrierenden Brummens und Summens als eins deutlicher Artikulation, sich jetzt ob einschlägiger Autotune-Effekte noch mehr in die Sphären reinen Klangs auflöst. Als ginge es auch bewusst um ein Entziehen – und sei es nur, um gelegentlich Textzeilen wie „there’s a lack of breeze/ behind the huckleberry trees“ umso schöner und klarer aufleuchten zu lassen. Dass Wagner wiederum die Lust am Soundeffekt nicht zur Effekthascherei verkommen lässt, also dezent, klug und genau gesetzt handhabt, tut auch dazu sein übriges.

Behind the huckleberry trees. Es müssen Bäume sein, die wohl irgendwo im weiten Umland von Nashville/Tennessee wachsen, von wo Wagner auch für diese Tournee wieder seine vorzüglichen Musiker mitbrachte. Und auch wenn sich die Besetzung für Lambchop-Gepflogenheiten in vergleichsweise kleiner Konstellation (Keyboard, Bass, Schlagzeug) formiert, reicht das zusammen mit Wagners Gitarrenspiel allemal für das Erwecken optimaler Atmosphäre.

Die braucht dann auch kein großes Spreizen und Posen. Ein paar trocken witzige Ansagen, ein paar wenige, amüsant kauzige Tänzel-Schritte Wagners, eine angemessen unaufgeregte, dabei stimmungsvolle Lichtshow. Nichts, was einem aus diesem angenehmen Paradox eines hochkonzentrierten Dämmerzustands reißt, in welchen einen dieses (gottlob bestuhlte und soundtechnisch sauber gehandhabte) Konzert für gut 90 Minuten zu hüllen vermag.

Von Steffen Georgi

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