Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Kopf oder Zahlen: die neue Spielzeit am Leipziger TdJW

Kinder- und Jugendtheater Kopf oder Zahlen: die neue Spielzeit am Leipziger TdJW

„Steht Kopf!“ lautet das Motto der Spielzeit 2017/18 am Theater der Jungen Welt. In zehn neuen Produktionen geht es ums Denken, Fühlen und manchmal Verrücktwerden, um Hirnforschung und Unerklärliches. Worum es Intendant Jürgen Zielinski nicht geht, sind Zahlen.

Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke (vorn) bei der Vorstellung der neuen Spielzeit am Theater der Jungen Welt mit Veronique Nivelle, Jörn Kalbitz (verdeckt), Lydia Schubert, Jürgen Zielinski, Winnie Karnofka und Torben Ibs (v.l.)

Quelle: Sebastian Schimmel

Leipzig. Der Intendant spricht nicht über Zahlen und Geld. Das überlässt er den Kulturverwaltern. Jürgen Zielinski möchte über Kunst reden, über Kooperationen, Gastspiele, Strahlkraft, Möglichkeiten. Über Erfolge natürlich auch. Dass die wiederum in Geld und Zahlen gemessen werden, wurmt ihn. Auch wenn es Teil des Rückhalts in der Kommunalpolitik ist. Am Mittwoch haben Zielinski und sein Leitungsteam im Theater der Jungen Welt die Spielzeit 2017/18 vorgestellt. Kopf oder Zahlen.

„Steht Kopf!“ lautet das Motto. Assoziationen dazu gibt es viele. Die Runde lässt ihnen freien Lauf: Verwaltungsdirektorin Lydia Schubert denkt an verrücktes Theater und das Verrückte am Theater. Jörn Kalbitz, Geschäftsführender Dramaturg, sagt, dass Theater mit Perspektivwechseln und neuen Sichtweisen die Welt auf den Kopf stellen kann – oder sollte. Eigene Denkweisen zu hinterfragen, sie „durch den Fleisch- oder Tofuwolf zu drehen“ und dann zu schauen, wie das Gemisch schmeckt, bringt Theaterpädagogin Veronique Nivelle ins Spiel, bevor Pressereferent und Dramaturg Torben Ibs auf Hoffnung und Utopie verweist, darauf, Dinge zu probieren, die im Alltag nicht möglich sind. Dramaturgin Winnie Karnofka spricht von der Neugier und zitiert die Grabinschrift des Mathematikers Jakob Bernoulli: „Verwandelt kehr’ ich als dieselbe wieder“.

Weihnachtsmärchen, aber anders

Schließlich nimmt Intendant Zielinski das neue maritim gestaltete Plakat in den Blick, in dessen Zentrum ein Kopffüßler schwebt. Wir werden mit dem Kopf voran geboren, sagt er, „vorher sind wir Kiemenatmer. Erst wenn wir geboren sind, atmen wir.“ Die „Profanität, dass die Welt auf dem Kopf steht, die ersparen wir uns“. Aus der Sprachkiste ließen sich noch Kopfkino oder Kopfsache oder Kopf und Kragen kramen.

Zwei Inszenierungen stehen laut Zielinski „signifikant für das Spielzeitthema“: „Die Verwandlung“ und „Alice im Wunderland“. Den Kafka zum Auftakt am 16. September wird Ania Michaelis inszenieren und dabei – mit Körper- und Stimmarbeit – Wert auf das legen, was nicht offensichtlich im Text zu finden ist. Auch Live-Musik „leisten wir uns“ (Zielinski) – wie in insgesamt sechs der zehn neuen Inszenierungen. Basierend auf Lewis Carolls „Alice im Wunderland“ und „Alice hinter den Spiegeln“ kommt die Weihnachtsproduktion auf die Bühne – und zwar als Bewegungstheater statt als konventionelles Weihnachtsmärchen. Premiere ist am 18. November.

Konventionell scheint so gut wie nichts zu sein in der kommenden Spielzeit. Da macht Kay Link in einer zweiten Weihnachtsproduktion ab 2. Dezember mit Sängerin Laura Hempel das Märchen „Vom Fischer und seiner Frau“ zu „Gold“. Zielinski selbst inszeniert als Klassenzimmerstück „Regarding the Bird“, die Geschichte von Mikey, einem Jungen mit Asperger-Syndrom. Die israelische Uraufführung des Stücks von Nitzan Cohen war im Januar bereits als Gastspiel in Leipzig zu sehen. „Wir wollen damit auch einen Beitrag leisten, psychische Krankheiten zu entstigmatisieren“, sagt Zielinski. (Premiere: 28. April)

Für Hong Nguyen Thais Regiedebüt, das Borderline-Tanzprojekt „Dolores (Schmerz)“, wird Peter Grampp beratend zur Seite stehen. Er ist Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Fachkrankenhaus Hubertusburg in Wermsdorf. (Uraufführung: 12. April)

Den Eltern zeigen, wo es langgeht

Vielleicht, sagt Winnie Karnofka, ist das der große Trumpf, dass Theater jenseits von Logik Dinge nacherlebbar machen kann. Ums Denken, Fühlen und manchmal Verrücktwerden, um Hirnforschung wie um Unerklärliches geht es also in den neuen Produktionen, die das Repertoire erweitern. Darum geht es in Klassiker-Inszenierungen wie „Kabale und Liebe“ oder der Diskussionsreihe „Amor & Psyche“, im Theater für Zweijährige, Schulkinder oder Jugendliche. Deren Eltern oder Lehrer übrigens schon mal von den Jüngeren gezeigt bekommen, wo es langgeht, wo es die Eintrittskarten gibt und wo sich der Eingang befindet, wie zu erleben war, bevor am Mittwoch parallel zur Pressekonferenz ein Stockwerk höher „Hans im Glück“ gespielt wurde.

Neu ist das Theaterzelt im Sommer 2018, dessen Ort noch nicht feststeht, dafür aber, dass nationale wie internationale Gastspiele und alle elf hauseigenen Clubs dort auftreten. Neu ist der „TheaterSpielplatz“ für Kinder ab sechs Jahren, sind die „ExPÄDitionen“ für Pädagogen. Neu ist die Zusammenarbeit mit Architektur-Studenten der Hochschule RheinMain Wiesbaden, fortgesetzt wird jene mit der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“.

Ein Stück Welt erleben

Neu ist auch, dass mit Skadi Jennicke eine Kulturbürgermeisterin bei der Spielplanvorstellung vorbeischaut. Auch sie spricht nicht über Geld und Zahlen, sondern über die Einschränkungen des Spielbetriebs: Ein Nebengebäude des Theaters ist von der Stadt verkauft worden und wird nun saniert, der Umzug des Lofft in die Spinnerei könnte sich eventuell verzögern. „Wie wir das lösen ...“, sagt Zielinski, und Jennicke vervollständigt: „... finden wir“. Denn es ist dies ja ein „wunderbares Theater, das agil ist und raus ins Feld geht“. Beispielhaft nennt sie, wie das Theater Kooperationen sucht, so „dass man auch in einem kleinen Haus ein Stück Welt erleben kann“.

2016, im 70. Jahr seines Bestehens, hat das TdJW rund 56 000 „echte Zuschauer“ gezählt, sagt der Intendant auf Nachfrage. Echt heißt: „ohne Einmietungen, ohne Sonderveranstaltungen, ohne theaterpädagogische Aktionen. Sonst wären es über 80 000. „Wenn, was wir tun, Strahlkraft entwickelt, dann leuchtet auch ein kleiner Stern in Sachsen auf“.

Von Janina Fleischer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Lachmesse Leipzig 2017

    Vom 15. bis 20. Oktober 2017 werden in Leipzig wieder massiv die Lachmuskeln gereizt. Über 180 Künstler kommen zur Lachmesse. mehr

  • LVZ-Sommerkino im Scheibenholz
    LVZ Sommerkino im Scheibenholz: Alle Infos zu Filmen, Ticketverkauf und dem Rahmenprogramm.

    Das LVZ-Sommerkino lud wieder zu unterhaltsamen Filmabenden ins Scheibenholz ein. Sehen Sie hier einen Rückblick in Fotos und Geschichten. mehr

  • Schauspiel Leipzig
    Mikrologo Schauspiel Leipzig

    Theater in Leipzig: Höhepunkte, Premieren, Spielplan und Angebote der Spielzeit 2016/2017 im Schauspiel Leipzig mehr

  • Farbspiele
    Die Sparkasse Leipzig sucht für Ihren Kalender 2018 farbenfrohe Fotos

    Beim Fotowettbewerb der Sparkasse Leipzig kann nun über die zwölf Kalendermotive abgestimmt werden. Das Voting endet am 31. August 2017. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

Die deutsche Kleingärtnerbewegung hat eine über 200-jährige wechselvolle Geschichte, die im Deutschen Kleingärtnermuseum weltweit einzigartig dokumentiert ist. Zur Schau des Monats! mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr