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Kopf ohne Körper und andere Kuriositäten – „Sachsens tourdersinne“ lädt zum Staunen ein

Kopf ohne Körper und andere Kuriositäten – „Sachsens tourdersinne“ lädt zum Staunen ein

Auf einem Bein stehend, starre ich konzentriert auf die schwarz-weiß gestreifte Wand vor mir. Langsam bewegen sich die Streifen nach rechts, mein Kopf folgt, gegen meinen Willen.

Leipzig. Ich komme ins Schwanken, rudere mit den Armen und falle um. Mein Gehirn hat mir einen Streich gespielt. Bewegt sich die visuelle Umwelt, verliert man schnell das Gleichgewicht.

Die Wand ist Teil der Wanderausstellung „Sachsens tourdersinne“, die vom 21. September bis 3. Oktober im Mediengarten der Mediacity zu sehen ist. Es ist eine Schau zum Anfassen und Ausprobieren, die der Dresdner Kommunikationstrainer René Gränz nach Leipzig geholt hat. Wahrnehmungsforscher, Psychologen, Optiker und Künstler aus aller Welt haben die Exponate entwickelt, teilweise schon vor vielen Jahrzehnten. Das Erlebnismuseum „turmdersinne“ in Nürnberg sicherte sich die Rechte daran und baute die Stücke nach.

Vor einem Jahr war die Wanderausstellung auf Initiative von Gränz erstmals in Sachsen zu sehen. In diesem Jahr geht sie erneut auf Tour durch den Freistaat und macht dabei zum ersten Mal auch in Leipzig Halt. An 25 Stationen können die Besucher ihre Wahrnehmung testen und feststellen, wie leicht sich die menschlichen Empfindungen täuschen lassen. „Die Ausstellung dreht sich um sechs Sinne: Sehen, Hören, Schmecken, Fühlen, Riechen und den Gleichgewichtssinn“, erklärt Gränz.

Gränz führt uns zum Exponat „Körperlos“, das zuvor als „kuriose Erfahrung“ angekündigt wurde. Und tatsächlich – es fühlt sich seltsam an, den Besuchern der Ausstellung auf dem Silbertablett serviert zu werden. Scheinbar körperlos liegt mein Kopf auf einem Tisch, liebevoll dekoriert mit Äpfeln und Kürbissen. Hinter der Sinnestäuschung steckt ein einfacher Spiegeltrick. Bereitwillig erklärt Gränz die einzelnen Phänomene. Spannend bleibt die Ausstellung dennoch. „Das Schöne an den Exponaten ist, dass die Täuschung auch dann eintritt, wenn man genau weiß, wie es funktioniert“, lächelt er.

Ein paar Meter weiter verwandeln sich Besucher im „Ames“-Raum wahlweise in Zwerge oder Riesen. Es ist ein seltsam schräg gestalteter Raum, entwickelt 1946 vom amerikanischen Augenarzt Adelbert Ames. Von einem bestimmten Punkt aus ist die Verzerrung des Raumes nicht mehr wahrnehmbar und zwei Personen gleicher Größe wirken plötzlich überraschend unterschiedlich.

Zum Schluss führt Gränz ein Experiment vor, das ohne jegliches Zubehör auskommt: „Das können Sie auf jeder Party machen.“ Er streckt mir seine Handfläche entgegen, ich lege meine Hand dagegen. Er fordert mich auf, seinen Bewegungen zu folgen. Blitzschnell fährt er nach links, recht, oben, unten. Meine Hand kommt nicht nach. „Jetzt schließen Sie die Augen und versuchen Sie es noch einmal“, sagt Gränz. Verblüfft stelle ich fest, wie meine Hand mühelos seine Bewegungen mitmacht. „Wir verlassen uns auf unseren Sehsinn“, erklärt der Dresdner, „Allerdings dauert alles länger, wenn von den Augen zunächst der Befehl an das Gehirn gehen muss, die Hand zu bewegen. Schließen wir die Augen und verlassen uns allein auf den Tastsinn, fällt dieser Weg weg und wir bewegen uns schneller.“ Mal sehen, ob ich damit demnächst der Mittelpunkt jeder Party bin.

Die Ausstellung ist von 9 bis 20 Uhr geöffnet, Freitags bis 24 Uhr. Der Eintritt kostet 7 Euro, ermäßigt 6 Euro und für Kinder 4 Euro. Am 24. September werden im Rahmen der „Langen Nacht der Wissenschaft“ zwischen 19 und 23 Uhr stündlich kostenlose Führungen angeboten.

Nora Ernst

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