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Krach auf Rezept: Die Melvins in ihrer Zweitheimatstadt Leipzig

UT Connewitz Krach auf Rezept: Die Melvins in ihrer Zweitheimatstadt Leipzig

Wo ein Song aufhört und der nächste beginnt, scheint live nicht ein mal geübten Hörern immer klar zu sein in dieser 75-minütigen, weitgehend ansagen- und pausenlosen Kaskade aus virtuos akzentuiertem Krach verschiedenster Tempi: Die Melvins haben am Dienstag mal wieder das UT Connewitz besucht.

Buzz Osborne mit seiner Tingeltangel-Bob-Frisur im UT Connewitz.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. In wohlige Tinnitus-Watte wird das Gehör die nächsten Tage nach diesem Konzert gepackt sein, als hätten es die Melvins angesichts des aktuellen Nachrichtengetönes höchstpersönlich so verordnet. Dass die Nachrichten überhaupt lieber draußen bleiben, ist in Leipzigs schönstem links-alternativen Club ohnehin eine Herzenssache: Verrät man am Einlass zwecks Reservierungsliste, von welcher Zeitung man kommt, erntet man im UT Connewitz noch standesgemäß einen kritischen Blick samt kleiner Verbalspitze.

Schwamm drüber, schon mit dem so pünktlich einsetzenden wie absichtlich überdrehten E-Gitarren-„Stars and Stripes“-Intro beginnt amtliches Freiblasen der Ohren. Zur Lärmtherapie gastiert das Trio um Frontmann Buzz Osborne nicht zum ersten Mal im UT, entsprechend stellt Schlagzeuger Coady Willis die eigentlich aus Montesano, Washingon, Stammenden als lokale Band vor und fragt, ob sie nicht herziehen sollten.

Obwohl man sich kennt und wohlfühlt im ausverkauften Saal, ziert sein Shirt der Glitzerschriftzug „Drums“, Bassist Jared Warren trägt selbiges mit der entsprechenden Aufschrift seines Instrumentes. Osborne erscheint in seiner viel fotografierten Guru-Kutte mit flammendem Auge, Diabolik und Albernheiten gehen bei den Melvins seit jeher Hand in Hand. In ihren Videos streichen sie für die korrekte Soundmischung schon mal den Kontrabass neben einer Schrottpresse, spielen mit dem Kopf in der Hand oder brennen gleich die ganze Welt ab, Hauptsache durchgeknallt.

Ein bis zwei Ventilatoren pro Musiker

Wo ein Song aufhört und der nächste beginnt, scheint live dann selbst geübten Melvins-Hörern nicht immer klar zu sein in dieser 75-minütigen, weitgehend ansagen- und pausenlosen Kaskade aus virtuos akzentuiertem Krach verschiedenster Tempi. Entsprechend wird kaum mitgesungen, vielmehr tanzend gestaunt. Jedes Bangen, jeder zarte Pogo und vereinzeltes Stagediven wirken jedoch Valium-gebremst angesichts der Energie der zum Teil Ü-50-Herren auf der Bühne. Um dieser selbst halbwegs standzuhalten, hat jeder seinen eigenen Ventilator, Osborne zur Sicherheit zwei.

Versucht man, das Gehörte annähernd in Worte zu fassen, findet sich die Bandbreite der Melvins am ehesten in ihrem optischen Markenzeichen, der Tingeltangel-Bob-Frisur Osbornes: Immer leicht psychotisch, immer stark unter Strom verwandelt sich dieser Steckdosen-Afro auf der Bühne von der Robert-Smith-Silhouette in einen wilden Mix aus Bad-Brains-Punk, Hippie-satanistischem Stoner Doom, lockigem Metal-Gebange und Chaos-Grunge. Selbst eine kurze A-cappella-Einlage gibt es zum Schluss, bevor sie zugabenlos abtreten, wenig später ihren vor der Tür geparkten Van besteigen und abfahren.

Zu späterer Stunde machen die Dresdner Tarantec dann noch aus der Not, dass viele Besucher nach dem Hauptact ihre angehende Taubheit lieber draußen betrinken, eine Tugend und bauen ihr Set mitten im Raum auf, auf dass sich die Dagebliebenen im Kreis darum gruppieren und in feinster Underground-Club-Atmosphäre einem sympathischen Retro- Gemisch aus Psychedelic Rock und Stoner lauschen.

Von Karsten Kriesel

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