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Kraftvoll und komisch, anmutig und derb

„Smile“ die neue Wintershow im Leipziger Krystallpalast, feiert Premiere Kraftvoll und komisch, anmutig und derb

Elf Künstler aus acht Ländern, und sie alle haben nur ein Ziel: „Smile!“ Um Lächeln geht es also in der neuen Show des Leipziger Krystallpalast-Varietés. Am Donnerstagabend feierte sie vor ausverkauftem Haus Premiere

Wunderbar schräg: TriOle kümmert sich live um die Musik zu „Smile!“

Quelle: Stefan Hoyer

Leipzig. „Es wird noch schlimmer“, verspricht Barto schon ziemlich zu Beginn von „Smile!“, der aktuellen Show im Leipziger Krystallpalast-Varieté, derweil der belgische „Mann ohne Knochen“ sich da unter abenteuerlichen Verrenkungen durch einen Kleiderbügel windet. In gewisser Weise hat er Recht: Denn dieser von Urs Jäckle dramaturgisch geschickt, mit Sinn fürs richtige Timing, aber von vornherein ohne jedes Handlungs-Feigenblatt gestrickte Nummern-Reigen ist nicht die Show für den feingeistigen Freund poetischer Eleganz im Varieté.

Bei „Smile!“ geht es derb zu, gern auch albern. Und die Empfehlung, die der sporadisch moderierende Meister-Taschendieb Pierre Ginet aus Frankreich mit seinem hinreißenden Akzent dem Publikum im ausverkauften Haus auf den Weg gibt, sollte vor allem auf der zweiten Hälfte betont werden: „Staunen Sie! Werden Sie wieder Kind!“ Wer sich darauf einlässt, erlebt einen rundum wunderbaren Abend, bei dem nicht internationale Spitzen-Artistik im Mittelpunkt steht, sondern ein entwaffnend selbstironischer Witz, der sich nicht scheut, die Grenze zum Klamauk beherzt zu überschreiten.

Vor diesem Hintergrund kann Barto hemmungslos drauflos grimassieren, und selbst vielfach gesehene Albernheiten sind für ausgelassene Lacher gut: Da wird der Gummihandschuh auf seinem Kopf erst zum Hahnenkamm und dann zum Hai, da ist beim Durchsteigen des Kleiderbügels das Gemächt im Weg, geht die Verrenkung fortwährend mit der deftiger Clownerie Hand in Hand – ein Höhepunkt des zweistündigen Abends.

Für den zweiten steht Daniel Sullivan, der grandios komische Luftakrobat aus den Staaten, 2014 im Krystallpalast bei der Newcomershow der Abräumer, und auch bei DSDS flogen ihm die Herzen zu. Bei „Smile!“ nun ist er (neben dem selbstfahrenden Requisiten-Koffer) für den Running Gag des Abends zuständig und läuft immer wieder im Rock als verirrter Riverdancer durchs Bild. Was sich zum Finale zur hinreißenden Parodie aller Beteiligten auswächst. Im Zentrum seiner Leipziger Verpflichtung aber steht seine atemberaubende Akrobatik am Ring in der Luft: Kraftvoll ist das und komisch, anmutig und anarchisch.

Der Rest der Show-Nummern geht als gut durch. Wie die verblüffenden Tricksereien Ginets, der seinen Probanden aus dem Publikum dergestalt die Taschen leerräumt, dass jeder es mitbekommt – außer den jeweiligen Freiwilligen. Oder die so virtuose wie witzige Orangen-Jonglage von Eugenius Nil alias Philipp Begelsbacher. Eher in die Abteilung gediegen gehört das Duo HandtoViolin, bei dem er Handstandakrobatik zeigt, derweil sie recht kundig die Geige bedient. Oder die bisweilen nervig übertourten Albereien des argentinischen Clowns Mariano Carneiro. Oder die Hula-Hoop-Kreiseleien der Natalya Nebrat, bei denen sie sich Unterstützung bei Sullivan holt.

Überhaupt tendiert diese Nummern- auf weiten Stecken zur Ensemble-Show: Jeder macht bei jedem mit, reicht an, hilft aus, sorgt dafür, dass aus „Smile!“ weit mehr wird als die Summe seiner Teile. Was auch und vor allem an der Musik gilt, die live vom polnisch-russischen TriOle kommt: Adam an den Perkussions-Instrumenten, Sergej am Kontrabass und Luka am russischen Knopfakkordeon namens Bajan, gern und oft unterstützt von Danielle Vítová vom Duo HandtoViolin an ihrer Geige.

Die drei bis vier pumpen eine ausgelassene Balkan-Polka nach der anderen in den Saal, hochvirtuos, sinnlich, bei Tango-Ausflügen hin und wieder auch ein wenig sentimental verschattet ,und bringen sich mit ihrer übeschäumenden Spielwut als bis zum Äußersten reduzierte Typenkomödie immer wieder auch selbst ins Spiel. Da lässt sich Sergej aus dem Saal tragen und fährt doch unbeirrt fort, den Kontrabass zu zupfen. Da drischt Adam unbeirrt auf sein Marimbaphon ein, derweil die Artistenkollegen es kreuz und quer über die Bühne schieben. Da schaut Luka mit konsternierter Würde über seine Quetschkommode hinweg, derweil Carneiro auf seinem unbehaarten Charakterkopf die Kreisel munter sich drehen lässt.

Kleinigkeiten, Details Mini-Gags – sie durchziehen diese Show in solcher Dichte, dass man kaum anders kann, als in einem fort zu lächeln. Viel mehr kann eine Varietéshow nicht erreichen, die auf den Namen „Smile!“ hört.

bis 5.März, Karten und Infos unter: 0341 140660 www.krystallpalastvariete.de

 

Von Peter Korfmacher

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