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Kraftvolle Glanzlichter: Ausstellung der Kunst-Absolventen startet in HGB und Spinnerei

Kraftvolle Glanzlichter: Ausstellung der Kunst-Absolventen startet in HGB und Spinnerei

Sehr bescheiden trete sie auf, die Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB), hatte deren neue Rektorin Ana Dimke bei ihrer Amtseinführung Mitte Juni gesagt.

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Kraftvolle Glanzlichter: Die Abschlussarbeiten der diesjährigen HGB-Absolventen.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Bescheidenheit, die nicht Not tut, wenn man die ausdrucksstarke Diplomausstellung der diesjährigen Absolventen auf sich wirken lässt. Erstmals zweigeteilt, sind die Werke sowohl in der HGB selbst, als auch in der Werkschau-Halle auf dem Spinnereigelände zu sehen.

Eingezwängt in Metall-Maschen drängen sie dicht aneinander – die Schachfiguren im mannshohen Gitter-Rollwagen, die Fotografie-Dimplomand Arne Schmitt mit der Kamera irgendwo in Deutschland eingefangen hat. Auf zwei Metern Papier prangt die Momentaufnahme an der Wand der HGB-Galerie; als eines von knapp 300 Bildern aus Schmitts Diplomarbeit "Wenn Gesinnung Form wird" – einem Querschnitt durch deutsche Nachkriegsarchitektur. Formverhalten, Raumkonzepte, Gebäude-Stilistik, gebannt in einem schwarz-weißen Buch mit glänzenden Seiten.

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Leipzig. Sehr bescheiden trete sie auf, die Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB), hatte deren neue Rektorin Ana Dimke bei ihrer Amtseinführung gesagt. Bescheidenheit, die nicht Not tut, wenn man die ausdrucksstarke Diplomausstellung der diesjährigen Absolventen auf sich wirken lässt. Erstmals zweigeteilt, sind die Werke sowohl in der HGB als auch auf dem Spinnereigelände zu sehen.

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Frei von Grenzen sind die Spielfiguren der Videoinstallation direkt nebenan: In selbst entworfene, bunte Patchwork-Anzüge hat Beatrice Barth ihre Mitstudenten gesteckt und gibt als Spielleiterin die Regeln für deren tänzerisches Zusammenspiel vor. Partizipation ist das Thema, im positiven Sinn: "In der Politik heißt das ja eher, dass es einen Streit gibt und jemanden, der eingreift. In der Kunst gibt es hingegen einen Initiator, der Situationen schafft und so Teilnahme ermöglicht." Unterlegt mit Popmusik schafft Barth eine quietschbunte, spielerische Interaktion, die gefallen und Spaß machen darf. "Ich wollte mit Menschen arbeiten, selbst mitspielen und eben diesen Kontakt auch darstellen", sagt die Absolventin.

Wo die Werke der jungen Künstler durch Inhalt und Ausdruck überzeugen, lässt die Inszenierung der "Glanzlichter" genannten Ausstellung jedoch Fragen offen. Warum liegt Schmitts Foto-Arbeit nahezu lieblos auf einer Spanplatte, warum stört neben der Installation im Lichthof ein Gewirr aus DVD-Player, Steckdosen und Kabeln die Optik, warum wird der riesige Festsaal mit gerademal zwei Exponaten quasi zum Unbehagen gezwungen? Vielleicht nur kleine Aspekte, aber die Darbietung – keinesfalls das Dargebotene – in der Kunsthochschule lässt zu Wünschen übrig.

Weg in die Spinnerei lohnt sich

Da lohnt es sich, den Weg ins Refugium der Künstler-Szene auf sich zu nehmen: Zum ersten Mal ist ein großer Teil der Ausstellung ausgelagert, in die Werkschau-Halle der Spinnerei. "Auf Wunsch der Studenten" haben man diesen Schritt gewagt, damit jeder Künstler genügend Platz für die Ausstellung seiner Exponate hat, sagt HGB-Sprecherin Marion Herzberg.

Auch Absolventin Molima Ghosh unterstützt die Zweiteilung: "Die Halle in der Spinnerei ist ein wunderschöner Raum. Weil es so viele Exponate gibt, hätten in der HGB einige in die Gänge gestellt werden müssen, es hätte ein heilloses Platzproblem gegeben. Jeder von uns sollte einen Galerieraum haben." Mitstreiterin Inga Kerber fügt hinzu: "Außerdem gibt es in der Spinnerei die ganz normalen Besucherströme. Und die haben dann auch die Möglichkeit, die Arbeiten von Leipzigs HGB-Stundenten zu sehen."

Gelungener Kontrast in Spinnerei-Halle

Tatsächlich schafft die Halle im Leipziger Westen einen gelungenen Kontrast zwischen zeitgenössischem Schaffen und dem altindustriellen Charme des Kaputten. Bröckelnde Wände, rostende Stahlträger – aber offene, weite Räume in denen das durchsichtige Dach die Ausstellung mit Licht flutet. Hier stehen die großen Installationen, "Made in Germany" von Andreas Miller zum Beispiel, das sich aus hunderten Zollstöcken zusammensetzt. Eine ganze Wand ist mit Anna Lopez' sättigungsfreien Laserdrucken geziert, an denen selbst der in tiefsatter Lebensmittelfarbe getränkte Zuckerguß herunterläuft.

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Drastisch, aber auflockernd: Anna Haifisch vor ihrem Trash-Comic "Beatsy Buddies".

Quelle: Jakob Richter

Beeindruckend auch die Öl-Malerei von Nils Franke, die unglaublich detailgetreu Ausschnitte der Wirklichkeit abbildet, ohne die weiche Textur des dickflüssigen Anstrichs in den Hintergrund zu drängen. Und Anna Haifischs Trash-Comic, der von zwei Antihelden in einer heruntergekommenen Welt handelt, lockert das elitäre Klischee einer abgehobenen Kunstszene durch drastisch-punkige Zeichnungen in fetten schwarzen Strichen auf. Zwei Videoclips laufen auf einem Monitor, acht bis zehn Folgen der "Beasty Buddies", die zuweilen an Beavis und Butt-Head oder Ren und Stimpy erinnern, möchte die junge Künstlerin produzieren.

"Es beißt sich nicht, Geld damit verdienen zu wollen"

"Ich möchte die dann schon irgendwo anbieten, als Kinovorspann oder im Fernsehen", sagt sie. Künstlerischer Anspruch und ein wirtschaftliches Interesse würden sich dabei nicht ausschließen. "Als Künstler braucht man Jahre Vorlauf, in denen man nichts verdient. Da beißt es sich nicht unbedingt, auch Geld damit verdienen zu wollen. Alles muss sich ein Publikum suchen."

Lebendig, vielfältig, kraftvoll sind die Objekte, Bilder, Installationen und Filme der Glanzlicht-Ausstellung. Zu sehen sind die Werke noch bis zum 13. August, bis dahin darf die "große Kunsthochschule", wie Rektorin Ana Dimke sie ebenfalls nannte, ihre Bescheidenheit mal eben nach hinten stellen.

Tobias Ossyra

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