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„Kreuzworträtselmord": Drohungen gegen Autorin Apel – keine Lesung in Leipzig

„Kreuzworträtselmord": Drohungen gegen Autorin Apel – keine Lesung in Leipzig

Nach Drohungen gegen seine Autorin Kerstin Apel hat der Erfurter Sutton Verlag bis auf Weiteres alle Lesungen der 49-Jährigen abgesagt. Neben Terminen in Berlin und Halle-Neustadt ist darunter auch ihr Auftritt am 16. März auf der Leipziger Buchmesse.

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Kerstin Apel, Autorin des Romans "Der Kreuzworträtselmord – die wahre Geschichte".

Quelle: Sutton Verlag

Leipzig/Erfurt. Apels Roman „Der Kreuzworträtselmord – die wahre Geschichte“ über einen der bekanntesten Fälle der DDR-Justizgeschichte erregt seit Veröffentlichung Anfang des Jahres die Gemüter – vor allem, weil die Autorin während der Tat 1981 mit dem Mörder liiert war.

„Wir haben mehrere E-Mails und Anrufe erhalten, in der Frau Apel, Mitarbeiter unseres Hauses und die Veranstalter der Lesungen bedroht wurden. Es hieß, man werde einen gebührenden Empfang bereiten“, erklärte Andreas Ströbel, Sprecher des Verlages, am Dienstag gegenüber LVZ-Online. Teilweise seien die Drohungen eher vorsichtig, oftmals aber auch verbal sehr ausfallend formuliert gewesen. „Eine Begründung wurde nicht genannt, aber in den Reaktionen im Internet kann man ja erkennen, dass die Menschen glauben, sie hätten sich damals vielleicht anders verhalten, als Frau Apel“, so Ströbel. Um nicht weiter Öl ins Feuer zu gießen, habe der Verlag auf Strafanzeigen bei der Polizei bisher verzichtet.

Verlag von Reaktionen überrascht – Staatsanwalt ermittelt gegen Autorin

Trotz der vorher zu erahnenden brisanten Begleitumstände zeigte sich der Verlagssprecher von den nun heftigen Reaktionen überrascht. „So massiv und mit einem so hohen Grad an Emotionen haben wir das tatsächlich nicht erwartet“, so Ströbel. Auch die jüngst begonnenen Ermittlungen der Hallenser Staatsanwaltschaft gegen die Autorin seien nicht vorhersehbar gewesen, sagte der Verlagssprecher und fügte an: „Ja, es gibt Ermittlungen, aber bisher auch nur die. Die Staatsanwaltschaft prüft einen Anfangsverdacht.“

Wie Klaus Wiechmann, Sprecher der Hallenser Behörde erklärte, seien die Kriminalisten aufgrund vorab veröffentlichter Textpassagen aus Apels Buch hellhörig geworden. „Wir haben darin Widersprüche zu den einstigen Zeugenaussagen gefunden und deshalb die Ermittlungen gegen die Autorin aufgenommen“, sagte Wiechmann am Dienstag. Im Buch ist die Freundin des Mörders während der Tat anwesend und indirekt beteiligt. Auch Hinweise des Verlages, der Roman enthalte offenkundig große Teile Fiktion, konnten die Staatsanwaltschaft nicht abhalten. „Allein die Unterzeile des Buches ‚Die wahre Geschichte’ spricht ja dagegen, dass es sich nur um einen Roman handelt. Man muss sich aber auch fragen, warum Frau Apel ohne Not nun eine andere Geschichte erzählt, als bekannt“, so Wiechmann gegenüber LVZ-Online.

Erste Auflage des Buches bereits vergriffen - Mörder starb Anfang 2013 in Magdeburg

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In diesem Koffer wurde der Siebenjährige 1981 gefunden. (Archivfoto)

Quelle: dpa

Eine Antwort auf Wiechmanns Frage lässt sich vielleicht auch in den Buchhandlungen finden. Seit Tagen ist die erste, 3000 Exemplare umfassende Auflage von Apels Romans vergriffen. In der kommenden Woche soll mit einem zweiten Druck Abhilfe geschaffen werden, heißt es aus dem Erfurter Verlagshaus.

In ihrem Roman „Der Kreuzworträtselmord – die wahre Geschichte“ erzählt die 1963 in Halle/Saale geborene Kerstin Apel von einer Journalistin, die einen der spektakulärsten Fälle der DDR-Justiz noch einmal aufrollen will. Nachdem im Januar 1981 der siebenjährige Lars aus Halle-Neustadt verschwunden und später tot in einem Koffer an der Bahnstrecke nach Leipzig gefunden wurde, veranlasste die Polizei eine nie dagewesen Auswertung von Schriftproben. Mehr als 500.000 Proben aus der Saalestadt wurden damals mit einem im Koffer gefundenen Kreuzworträtsel verglichen.

Letztendlich konnte die Mutter von Kerstin Apel als Urheberin der Schrift im Kreuzworträtsel ermittelt werden. Nach Verhören von Mutter und Tochter kamen die Ermittler Apels damaligem 18-jährigen Freund auf die Spur. Wie sich herausstellte, hatte jener den Siebenjährigen in die Wohnung der Mutter gelockt, dort missbraucht und erschlagen. Später warf er ihn in besagtem Koffer aus dem Regionalzug zwischen Halle und Leipzig.

Kerstin Apels damaliger Freund wurde 1982 wegen Mordes und sexuellen Missbrauchs zu lebenslanger Haft mit Aberkennung der Bürgerrechte verurteilt. Er wurde 1996 aus dem Maßregelvollzug entlassen und lebte die folgenden drei Jahre in betreutem Wohnen. Wie die Magdeburger Volksstimme berichtet, starb er am 15. Januar 2013 nach langer Krankheit und wurde am 2. Februar auf dem Magdeburger Westfriedhof beigesetzt.

Internet: www.suttonverlag.de

Matthias Puppe

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