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Kristjan Järvi mit Werken von Strauss, Milhaud und Strawinsky

MDR-Matinee Kristjan Järvi mit Werken von Strauss, Milhaud und Strawinsky

MDR-Matinee im Gewandhaus: Im Rahmen seines Masken-Festivals dirigiert Kristjan Järvi Werke von Richard Strauss, Darius Milhaud und Igor Strawinski

MDR-Chefdirigent Kristjan Järvi

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Der Commedia dell’arte ist nichts heilig. Die Liebe nicht und auch nicht der Tod. Folgerichtig lässt Martin Lattke im melancholischen Hirten-Idyll der Pulcinella-Serenade sanft den Spott durch seinen glasklaren Tenor hindurchschimmern. Ja, so muss es klingen, wenn nichts ist, wie es scheint. Schon stilistisch nicht. Denn Strawinskys „Pulcinella“-Ballett benutzt die Sätze, von denen er glaubte, sie seien von Pergolesi, um daraus sehr eigene Musik zu machen. Diese scheinklassizistische Uneigentlichkeit ist bei Kristjan Järvi in guten Händen. Denn anders als viele Kollegen rückt er dieser Musik zwischen allen Stühlen nicht mit dem feinen Alte-Musik-Besteck zu Leibe, sondern mit der spätromantischen Schaufel.

Der daraus resultierende Spielwitz, die pralle Sinnlichkeit bekommen „Pulcinella“, von Järvi dankenswerterweise einmal komplett angesetzt und nicht als Orchestersuite, erstaunlich gut. Weil Strawinskys sparsam eingesetzte giftige Effekte sich so geschmeidig einfügen in die federnde Tändelei der alten Sätze, die die MDR-Sinfoniker um Konzertmeisterin Waltraud Wächter mit beherztem Elan angehen. Zwar fehlt dem Zusammenspiel bisweilen die letzte Präzision. Aber dafür entschädigen die satten Farben der virtuosen Bläser und der Glanz der Streicher allemal. Und da auch an der Gesangsfront dem wunderbar fein und leicht geführten Tenor Martin Lattkes mit Katharina Magieras sinnlich-warmem Mezzo und Tareq Nazmis eine Spur zu leichten Bass zwei ebenbürtige Stimmen zur Seite treten, lässt diese zweite Konzerthälfte im gut besuchten großen Gewandhaus-Saal nur wenige Wünsche unerfüllt.

Was ebenfalls für Richard Strauss’ „Till Eulenspiegels lustige Streiche“ gilt, mit der dieses „Masks off!“, Masken runter! überschriebene Konzert im Rahmen des MDR-Masken-Festivals beginnt. Auch vor der Spottlust dieses Schalks ist nichts sicher – das eigene Ableben inbegriffen. Und leuchtet durch den doppelten Boden dieser sinfonischen Dichtung fortwährend die Ironie hindurch, mal fein, mal derb, mal liebevoll, mal bösartig. Und die fabelhaft aufgelegten Funk-Musiker bleiben auch dieser prachtvollen Partitur nichts schuldig, die Järvi überraschend filigran ausbalanciert, .

Das ist um so bemerkenswerter, als die Stärken dieses Dirigenten eigentlich woanders liegen. Beim lasziven Hüftschwung von Darius Milhauds „Scaramouche“ beispielsweise, der in der Fassung für Saxophon und Orchester im Zentrum des Konzertes steht. Aber ausgerechnet hier geht diesmal die Rechnung nicht auf, weil vor allem die Streicher ihre Klapperneigung nicht in den Griff bekommen, die südamerikanischen Rhythmen dieser hinreißenden Suite nicht in Gang kommen, viele betörende Details der herrlichen Partitur im Ungefähr untergehen.

Das macht den Klang vor allem in den Außensätzen unangemessen kompakt und grob, was doppelt schade ist, weil er auf weiten Strecken den präzisen und geschmeidigen Ton überdeckt, den Aya Fateyava ihrem Saxophon entlockt. So bleibt ihr nur das kammermusikalische Gespinst des Mittelsatzes, um mit der geschmackssicheren Eleganz ihres Spiels zu prunken, dem weichen und der sanglichen Kraft Glanz ihrer Bögen. Und es bleibt ihr die Zugabe, ein selbstbewusster Ausflug ins Cello-Schaffen Bachs, das sich erstaunlich bruchlos aufs Alt-Saxophon übertragen lässt.

Auch Järvi und sein Orchester haben noch eine Zugabe im Gepäck: Ravels Orchestrierung von Debussys Sarabande aus Pour le piano. Schön klingt sie, wenngleich ein wenig handfest. Ausführlicher Applaus.

Das Konzert ist eine Woche lang nachzuhören auf mdr.figaro.de

Von Peter Korfmacher

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