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Kristjan Järvis MDR-Festival

Konzertsommer Kristjan Järvis MDR-Festival

Wenn Kristjan Järvi für den 2. bis 18. Juni zum letzten MDR-Festival der Spielzeit in Leipzig, Dresden und Dresden-Hellerau lädt, nennt er diesen Zyklus „Practical Spirituality“.

Dirigent Kristjan Järvi lädt zum MDR-Festival.

Quelle: dpa

Leipzig. Wenn Kristjan Järvi für den 2. bis 18. Juni zum letzten Festival der Spielzeit in Leipzig, Dresden und Dresden-Hellerau lädt, nennt er diesen Zyklus „Practical Spirituality“. Das lässt sich eher wie ein Kosmos von Fragen denn als Thema verstehen. Ist das ein nachgereichtes Sinnstiftungsangebot zum „Kirchentag auf dem Weg“, der sich auch einer konzentrierten Sicht auf Religion und Natur widmet … Beschreibt das Festival eine Spiritualität für atomisierte Individuen, die nach elitären Glaubensinhalten suchen? Eine Bündelung von „Patchwork Spirituality“ für die arrivierten „Patchwork Familys“? Die musikalischen Inhalte sind mindestens ebenso spannend wie das Festival-Schlagwort: Garantiert ist musikalische Vielfalt pur, selbst wenn das Konzert „Prophecy“ mit der Akkordeonistin Ksenija Sidorowa am 7. Juni entfällt.

Musik von John Adams bis Sven Hilbig verspricht Kristijan Järvi, der 2017/18 seine letzte Spielzeit an der Spitze des MDR-Sinfonieorchesters gestalten wird. Er verheißt schillernde Gedankenfülle und vieles andere, nur nicht mentale Anbiederung. Gerade wurde beim Label Orange Mountain Music mit dem MDR Sinfonieorchester „Aguas da Amazonia“ von Philip Glass veröffentlicht.

Natürlich „Luther“

Auch dieser Altmeister versteht Reisen als spirituelle Transformation und kommt beim Festival in gleich zwei Bezugspunkte zur europäischen Kunstmusik. So reflektiert „Practical Spirituality“ dynamische Diskurse zwischen verschiedenen Sparten und Genres, reicht von Richard Strauss‘ genialer Selbstbeweihräucherung „Ein Heldenleben“ bis zur Uraufführung der Suite zum Stummfilm „Luther“ (1927) von Sven Hilbig, kosmisch ambitioniert vom Barock bis Minimal Music. Ein Höhepunkt führt am 15. Juni folgerichtig in das Festspiel Dresden-Hellerau: Da gibt es anlässlich eines Programms mit Werken von Hauschka und Max Richter, beide Artists-in-Residence des MDR, erstmals Visualisierungen in der Zusammenarbeit mit Burg Giebichenstein.

Am 2. Juni stehen als Beginn mit Charles Ives‘ „The Unanswered Question“ und Henryk Mikołaj Góreckis „Sinfonie der Klagelieder“ gleich zwei Meilensteine profaner Sinnsuche des 20. Jahrhunderts auf dem Plan. Sven Hilbig hat aus seiner Partitur zur neuen Fassung des Stummfilms „Luther“ (1927) eine Suite für den Konzertsaal gezogen, die in Leipzig erstmals zu hören ist. Der komplette Film folgt am Tag darauf mit dem MDR Sinfonieorchester unter Kristjan Järvi im Kulturpalast Dresden.

Nachtgesang mit „Curlew River“

Eines der am meisten beklemmenden Werke Benjamin Brittens bringt der MDR Rundfunkchor unter Risto Joost im letzten Nachtgesang der Spielzeit am 9. Juni in der Peterskirche zur Aufführung: In „Curlew River“ sucht eine Mutter nach ihrem entführten Kind und findet dessen Grab, nachdem sie selbst wahnsinnig geworden ist.

Am 11. Juni steht das neue Werk „Exiles“ des Komponisten, Pop- und Elektronikkünstlers Max Richter im Zentrum des Festivalkonzerts im Gewandhaus. Anlässlich des Bachfestes erklingt Bachs berühmte „Chaconne d-moll“ in einer neuen Orchestrierung von Arman Tigranyan. Rachmaninows zweite Sinfonie lockt mit spätromantischen Reizen.

Die Spuren führen am 13. Juni ins UT Connewitz und zeigen dort Kontinuitäten der Programmierung der letzten Jahre: Daniel Schnyder, Terry Riley und das „Company“-Quartett von Philip Glass greifen Schwerpunkte der letzten Jahre auf. Mozart ist der Quoten-Klassiker für musikalische Gedanken über Geburt und Tod, in auf Streichquintett konzentrierter Form.

Brücke zwischen Bach und Glass

Am 16. Juni geht es im MDR Würfel nochmals um Philip Glass, diesmal im künstlerischen und spirituellen Spannungsfeld zu Bach. Der 32-jährige isländische Pianist Víkingur Ólafsson schlägt die Brücke, denn tatsächlich gibt es musikalische und ästhetische Bezugspunkte zwischen Bach und Glass. Auch exegetische? Die Frage bleibt bis auf weiteres offen.

Praktische oder pragmatische Spiritualität? Richard Strauss‘ tönende Selbstbiografie „Ein Heldenleben“ ist am 18. Juni neben Charles Colemans Orchesterwerk „Branded“ und dem Klavierkonzert „Processions“ von Daníel Bjarnasons mit Víkingur Ólafsson als Solist zu erleben. Das wird ein toller Diskussionsanlass zum Thema des Festivals. Wie steht die dienende Religiosität von Bach in Kontrast zum entmystifizierten Schaffensprozess um 2000 und dem Komponistenkult der Spätromantik?

Aus dem Programm:

Sinfonie der Klagelieder mit MDR Sinfonieorchester, MDR Rundfunkchor, Sven Helbig (Elektronik), Ann-Helen Moen (Sopran) und Kristjan Järvi: 2. Juni, 20 Uhr, der Peterskirche;

Nachtgesang – Mysterienspiel: 9. Juni, 22 Uhr, Peterskirche;

Karten gibt es im MDR-Ticketcenter, unter Tel.: 0341 94676699 und auf www.mdr-tickets.de

Von Roland H Dippel

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