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Kristjan Järvis südliche Licht-Bäche

MDR-Festival-of-Lights zum Bachfest Kristjan Järvis südliche Licht-Bäche

Bach-Bearbeitungen und -Reflexe von Stokowski und Villa-Lobos, Liszts erstes Klavierkonzert sowie die Uraufführung des Orchesterwerks „Vivacity“ aus der Feder des 18-jährigen Pianisten Tengku Ahmad Irfan standen auf dem Programm des von Kristjan Järvi dirigierten MDR-Zauber-der-Musik-Konzerts im Rahmen des MDR-Festivals-of-Lights zum Bachfest.

MDR-Chefdirigent Kristjan Järvi.

Quelle: Zeyen

Leipzig. Das Konzert ist überschrieben mit „Bach Goes South“, ist ein „Zauber der Musik“, der Teil des Järvi-Festival-of-Lights ist und zum Bachfest gehört. Folglich gehört es sich einfach, dass der 1998 in Malaysia geborene Komponist und Pianist Tengku Ahmad Irfan in sein Kristjan Järvi gewidmetes MDR-Auftragswerk „Vivacity“ Bach-Reflexe einmontiert. Da choralt es vernehmlich, und b-a-c-h darf natürlich auch nicht fehlen. Schwer wird es ihm nicht gefallen sein. Denn das ganze 15-minütige Werk, das entgegen den Angaben im Programmheft am Sonntagabend im anständig besuchten Gewandhaus vollkommen ohne Klavier auskommt, ist eine einzige schillernde Montage. Immer wieder dringen vertraute Floskeln durch – aber nur so weit, dass man sich gerade fragt, was das nun wieder sein könnte. Und schon tauchen sie wieder ab in den durchaus virtuos in Schwung gebrachten Strudel dieser orchestralen „Lebhaftigkeit“. Offensichtlich kennt man sich – und so weiß und bedient Irfan, was Järvi mag und kann: Rhythmus und Energie, Klang und Wirkung.

All das stellt er auch vor der Pause als Solist in Liszts Es-Dur-Klavierkonzert schon ins Zentrum seines musikalischen Wirkens. Keine Frage: Technisch ist der junge Man ein veritabler Könner. Mit staunenswerter Virtuosität rauscht er durch die vier ineinanderfließenden Sätze, lässt die Oktaven metallisch donnern und die Kaskaden rauschen. Eine pianistische Verbeugung vor dem Über-Virtuosen Liszt. Aber keine vor dem Großkomponisten, dafür bleibt strukturell zu viel auf der Strecke, dafür fehlt es Irfans Spiel – noch – an Farben, an Delikatesse, an Zartheit. Dennoch: So muss man das erst einmal spielen.

Was im Großen und Ganzen auch fürs begleitende MDR-Orchester gilt. Hin und wieder gerät die ganze Angelegenheit zwar gefährlich ins Schwimmen und am Übergang vom Quasi Adagio zum Allegretto vivace auch mal an den Rand des Schmisses. Aber davon abgesehen musiziert das Orchester genau so, wie der Pianist es vorgibt: Funken schlagend, energetisch, virtuos – sportlich eher als verinnerlicht.

Leopold Stokowski (1882–1977) kannte den Kollegen Järvi, der heute seinen 44. Geburtstag feierte, aus naheliegenden Gründen nicht. Dennoch ist auch seine Bearbeitung von Bachs c-moll-Passacaglia bestes Järvi-Futter: ein grandioses großorchestrales Showstück. Dunkel und farbsatt lässt Järvi es strömen, mit interessanten Tempowechseln rückhaltlos und mit erheblichem Erfolg auf Wirkung angelegt. Gleiches gilt für den ebenfalls von Stokowski für Orchester adaptierten Choral aus der Kantate „Christ lag in Todesbanden“, den Järvi am Ende des Konzerts bereitwillig zugibt, genauso übrigens, wie Stokowski selbst auf Platte ihn vorlegte.

Höhepunkt des Abends sind dagegen die vierten Bachianas Brasilianas von Heitor Villa-Lobos (1887–1950). Allein die Energie, die die Streicher um Konzertmeister Andreas Hartmann während der grandiosen Steigerung des Preludio in den Saal pumpen, lohnt den Besuch des Konzerts – oder das Nachhören unter www.mdr-kultur.de, wo es für den Rest der Woche eingestellt bleibt.

 

Von Peter Korfmacher

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