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Künstler Andree Korpys im Interview: "Es handelt sich wohl um Butter"

Künstler Andree Korpys im Interview: "Es handelt sich wohl um Butter"

Die Verarbeitung einer der berühmten Fettecken von Joseph Beuys zu hochprozentigem Alkohol hat zu einem Streit mit der Witwe des Künstlers geführt. Eva Beuys verurteilte die Aktion dreier Künstler in Düsseldorf als "unglaubliche Unverschämtheit".

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Destillat aus einer "staatlich zerstörten Fettecke".

Quelle: Stiftung Museum Kunstpalast

Einer von ihnen, Andree Korpys, erläutert die Schnapsidee.

Was haben Sie gegen Beuys' Fettecke?

Nichts. Im Gegenteil, die Destillation ist ein Verfahren, das ganz im Sinne der Fettecke und der damit einhergehenden Idee von Energie und Wärmeübertragung ist. Es handelte sich dabei nicht um eine intakte Fettecke, sondern um die Reste einer zerstörten Fettecke, die wir wieder in einen Kreislauf überführt haben, nachdem sie 30 Jahre bei dem Beuys-Schüler Johannes Stüttgen lagerten.

Sie machten die Aktion gemeinsam mit Dieter Schmal und Markus Löffler. Letzterer fand den Geschmack 30 Jahre alter Margarine käsig. Wie bekam Ihnen das hochprozentige Destillat?

Es handelt sich wohl um Butter, und der Geschmack ist sehr speziell, aber im Wesentlichen geht es um einen Handlung, die mit der Erfahrung und dem Wissen über die Fettecke und deren Bedeutung für die Kunstgeschichte einhergeht. Insofern war es uns auch wichtig, dass alle Besucher das Destillat trinken konnten. Die Stadt Düsseldorf, die Kunstakademie, verbindet ja sehr viel mit Beuys, auch und gerade über diese Fettecke aus Raum 3 der Kunstakademie.

Nach Beuys' Tod war in diesem Raum die Fettecke abgekratzt und entsorgt worden, was einen Skandal verursachte. Beuys' Fettecke war in der Vergangenheit Gegenstand vielfältiger, auch juristischer Auseinandersetzungen. Welchen Geist wollten Sie bei aller Ironie mit Ihrer Aktion wiederbeleben?

Uns geht es um den transformatorischen Charakter durch öffentliche Degustation des geschichtsträchtigen Objektes.

Ist Beuys für Sie eine künstlerische Vaterfigur?

Nein, Beuys ist für uns keine Vaterfigur, aber wir haben auch keine Abneigungen gegen ihn. Ich denke, dass wir in dieser Arbeit ein gewisse Nähe zu Beuys entwickelt haben. Wir haben zuvor bereits von anderen Künstlern, die ebenfalls stark mit einem transformatorischen Ansatz gearbeitet haben, Werke destilliert, zum Beispiel von einer Schokoladenbüste Dieter Roths, dem "Selbstportrait als alter Mann".

Die Beuys-Witwe zeigt sich durch die Schnapsbrennerei gekränkt.Beuys hätte die Aktion vielleicht gefallen ...

... das ist gut möglich

Welche anderen Kunstikonen möchten Sie in Ihre Hausbar als Destillate aufnehmen?

Wir haben neben künstlerischen Werken auch schon Transpiration und Gerüche von Ausstellungsbesuchern konserviert. Denkbar ist, dass wir uns stärker in die Destillation und Konservierung von Alltagsgegenständen bewegen: Destillate, die ähnlich wie industrielle Geruchs- und Geschmackstoffe produziert werden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.07.2014

Johanna Di Blasi

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