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Künstler Balkenhol will mit Leipziger Wagner-Denkmal irritieren

Künstler Balkenhol will mit Leipziger Wagner-Denkmal irritieren

Vor zwei Jahren hat der Karlsruher Bildhauer Stephan Balkenhol die Leipziger Ausschreibung für das Denkmal des Komponisten Richard Wagner gewonnen. Sein Vorschlag, eine lebensgroße Figur des jungen Wagner vor einem vier Meter hohen schwarzen Schatten des übermächtigen Künstlers zu stellen, überzeugte die Jury.

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Der Künstler Stephan Balkenhol mit seinem Wagner-Denkmal.

Quelle: Volkmar Heinz

Karlsruhe/Leipzig. Jetzt bekommt das Denkmal in Balkenhols Karlsruher Atelier den letzten Anstrich. Zum 200. Geburtstag Wagners am 22. Mai soll es enthüllt werden.

Herr Balkenhol, sind Sie ein Wagnerianer?

Stephan Balkenhol: „Teilweise. Seine Musik ist ja nichts für alle Tage, keine einfache Unterhaltung. Sie erinnert mich immer ein wenig an Filmmusik. Wenn Gesang dabei ist, kann ich mir das auch nicht auf CD anhören, sondern nur im Konzertsaal. Bei den Salzburger Festspielen habe ich die Generalprobe von „Parsifal“ besucht, die mich allerdings nicht überzeugt hat. Da waren einige Längen drin mit dramaturgischem Einschlafpotenzial. Aber nach Bayreuth würde ich schon mal gern gehen. Ich hoffe da jetzt auf eine Freikarte (lacht).“

Ist Wagner für Sie ein großer Künstler?

Balkenhol: „Wagner ist ja schon zu Lebzeiten sehr kontrovers aufgenommen worden, und sein Werk spaltet auch heute. Dieses Für und Wider ist ja meist ein Zeichen für Qualität. Zudem wird seine Musik bis heute gespielt. Sie hat überlebt und ist immer noch aktuell.“ Ihre Figur mit blauem Rock und rotem Tuch, eine Hand an der Hüfte, sieht entspannt aus. Balkenhol: „Ich habe eine wenig eindeutige Geste gewählt, eine indifferente Haltung, in die viele Gemütszustände hineingedeutet werden können. Seinen Gesichtsausdruck finde ich tatkräftig und verhalten optimistisch. Zugleich sieht er aber auch ein wenig skeptisch in die Zukunft.“ Auf Denkmälern sind die Gewürdigten normalerweise überlebensgroß.

Warum nicht bei Ihnen?

Balkenhol: „Die Figur ist ungefähr 1,80 Meter und damit etwas größer als Wagner war. Aber auf dem Podest wird sie optisch kleiner. Es ist kein heroischer, pathetischer Wagner. Die Normalgröße soll eine Vertrautheit mit dem Betrachter erzeugen. Zugleich steht der Mann auf einem Sockel und hinter ihm ein mehr als vier Meter großer Schatten. Dieser Kontrast ist mir wichtig. Er soll für Irritationen sorgen, zum Nachdenken einladen.“

Ist ein Denkmal heute überhaupt noch zeitgemäß?

Balkenhol: „Die Zeit der Denkmäler ist eigentlich vorbei. Aber das Wagner-Denkmal ist ja eine Vervollständigung des 1913 von Max Klinger begonnenen und nicht fertiggestellten Werks. Das war der Balance-Akt für mich: Dem alten Entwurf gerecht zu werden - die Größe des Schatten entspricht etwa den Dimensionen des ursprünglich geplanten Denkmals - und mein eigenes Konzept umzusetzen. Zudem hat ein Denkmal ja eine klare Funktion: Es würdigt einen wichtigen Menschen. Das hat erstmal mit Kunst nichts zu tun. Auch dabei gilt es, den Balance-Akt zu halten, damit sowohl das Andenken als auch die Kunst zur Geltung kommen.“ Früher war der Bau von Denkmälern lukrativ, heute gibt es dafür wenig Geld. Sie finanzieren das Denkmal quasi selbst.

Warum?

Balkenhol: „So eine Aufgabe bekommt man nur einmal im Leben. Sie hat mich gereizt, und deshalb engagiere ich mich, damit sie umgesetzt wird. Das Denkmal kostet den Steuerzahler nichts. Es wird weitgehend vom Verkauf von 25 Bronze-Modellen des Denkmals bezahlt, die für 24 000 Euro pro Stück verkauft werden. Die Finanzierung ist gesichert.“

Ingo Senft-Werner, dpa

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