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Kürzlich in Pjöngjang, jetzt in Leipzig: Umstrittene slowenische Band Laibach

Haus Auensee Kürzlich in Pjöngjang, jetzt in Leipzig: Umstrittene slowenische Band Laibach

Sloweniens bekanntestes und umstrittenstes Künstlerkollektiv im Haus Auensee: Laibach haben wegen ihres artifiziellem Spiels mit dem Totalitarismus des Alltags vor langer Zeit viel Aufsehen erregt. Ihr provokatives Konzept ist spätestens seit Rammstein hierzulande massenkompatibel. Doch sie haben ihren Weg fortgesetzt und sich jenseits des Mainstreams ihren Kosmos geschaffen.

Gewolltes Charisma einer BDM-Führerin: Mina Špiler am Freitagabend im Haus Auensee.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Das Konzert beginnt mit einigen langen, gewöhnungsbedürftigen Nummern. Ambient-Industrial könnte man das nennen. Harsche Klangcollagen werden episch zelebriert, in düsterer Atmosphäre türmen sich kakophone Klangcluster. Das Ganze wird wie gewohnt visuell auf Breitbildleinwand begleitet, hier findet die eigentliche Bühnenshow statt. Ein wenig plakativ avantgardistisch, dieses erste Drittel, ein wenig ermüdend. Nach einer halben Stunde beginnt das Ganze, Fahrt aufzunehmen, die Laibach-typische zwingende Rhythmik setzt ein.

Überraschend hat Milan Fras, der Sänger mit der unvergleichlichen Grabesstimme und personelle Konstante im Personalkreisel, den zentralen Platz Mina Špiler überlassen, die mit voluminösem Organ und dem gewollten Charisma einer BDM-Führerin als Frontfrau agiert. Die Dynamik kulminiert vorläufig in zwei Songs, die offenbar die Flüchtlingsdramatik thematisieren: „Oceans of People, Oceans of Souls“. In düsterster Grundstimmung ertönt hymnisch das sinistere Menetekel: „Europe will fall apart“. Finsteres Pathos, gewaltig im Klang, in der Aussage ungreifbar mystisch. Jetzt haben sie die Menge, es mögen um die 400 sein, auf ihrer Seite.

Doch sie lassen den Spannungsbogen abreißen, es folgt eine Pause. Danach Stücke, die Video-Wand verrät es, die für ihre beiden Pjöngjang-Konzerte inszeniert wurden. Laibach haben als erste westliche Band im letzten Jahr dort zwei Konzerte geben dürfen. Ihr martialischer Ansatz, das Kokettieren mit den totalitären Sehnsüchten in unser aller Unterbewusstem braucht in Nordkorea keine der allzu oft bemühten Brücken in die deutsche Geschichte. Erklärt wird bei Laibach jedoch nichts, es gibt keinerlei Kontaktaufnahme zum Publikum. Gegen Ende werden zwar Ansagen eingespielt, doch sie persiflieren damit nur gängige Konzert-Anmachen.

Eine sehr spezielle Version von „Live Is Life“

Ein paar jubeln trotzdem. Die Performance wird gleichwohl dynamischer, gefälliger, gelegentlich sogar richtig elektro-poppig. Das Publikum indes bleibt interessiert, doch irgendwie unerreicht. Überdies machen es etliche junge Männer, die mit dem Anspruch des Konzerts und dem eigenen Alkoholgenuss hörbar nicht klar kommen, den Zuhörwilligen zunehmend schwerer.

Nach dem Auftritt ohne bekannte Nummer erklatscht die Menge energisch eine Zugabe. Die beginnt mit einem Ausschnitt aus ihrem Soundtrack zum Kult-Streifen „Iron Sky“. Es folgt der Hit schlechthin, die sehr spezielle Version des 80er-Schlagers „Live Is Life“ in einer Version, die sich bedrohlich einem Lärm­orkan nähert und diesen auch erreicht. Das kennen alle. Doch es kommt keine Euphorie auf. Sie stehen gebannt und lauschen, nur wenige heben trotz Animation von der Bühne die Hände.

Überwältigt von diesem brachialen Musik-Kunst-Theater? Jedenfalls fordern sie eine weitere Zugabe. Schließlich werden der zwar nicht feiernden, doch ebenso wenig weichenden Menge Film­sequenzen der Nordkorea-Auftritte gezeigt: Verständnislos schauende Funktionäre in dicken Theatersesseln, die sich die Ohren zuhalten. Sehr interessant und Schlusspunkt. Einigermaßen verwirrt stolpern die Besucher danach in die Nacht. Laibach eben.

Von Lars Schmidt

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