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Kürzungen zwingen Oper Leipzig zu Stellenabbau – 16 Premieren angekündigt

Kürzungen zwingen Oper Leipzig zu Stellenabbau – 16 Premieren angekündigt

Ein großes gelbes Plakat prangt derzeit über dem Eingang der Oper Leipzig. Es drückt das große Ziel aus, das sich der neue Intendant Ulf Schirmer für die neue Spielzeit gesetzt hat: die Oper wieder stärker ins Bewusstsein der Leipziger zu rücken und mehr Besucher anzulocken, während gleichzeitig ein harter Sparkurs bevorsteht.

Leipzig. Schirmer will, dass die Bürger das Haus am Augustusplatz – so wie es das Transparent verkündet – als „Ihre Oper Leipzig“ wahrnehmen. Wie das funktionieren soll, erklärte der 52-Jährige am Montag bei der Vorstellung des neuen Spielplans für 2011/2012.

Unter großem Medieninteresse kündigte Schirmer, der bereits seit zwei Jahren Generalmusikmusikdirektor ist und im März vom Stadtrat zum künftigen Opern-Chef gewählt wurde, eine Neuausrichtung des Programms mit einer Mischung aus klassischem Repertoire und Neuentdeckungen an. Statt auf eine große Zahl an Koproduktionen - dem bisherigen Stagione-System - will die Oper mit dem Start der neuen Spielzeit im September stärker auf langfristig angelegte eigene Inszenierungen mit festem Ensemble setzen.

2011 erstmals Kooperation mit Oper in Tokyo

„Mir war von Anfang an klar, dass wir einen Stagione-Betreib nicht bewerkstelligen können, weil es die Besucherzahlen nicht hergeben“, erklärte der Intendant. Die kommenden zwei Jahre seien deshalb eine Art Übergangsspielzeit, um das neue System zu etablieren und dadurch Kosten zu sparen. „Wir müssen Erzählformen finden, die möglichst viele Menschen ansprechen und zehn, zwölf oder auch 15 Jahre lang gespielt werden können“, kündigte Schirmer an.

Insgesamt stehen 2011/2012 bei der Oper, die auch das Leipziger Ballett und die Musikalische Komödie (MuKo) umfasst, 49 verschiedene Produktionen auf dem Programm, davon 16 Neuaufführungen. Unter den sieben Opern-Premieren ist neben Puccinis „Tosca“ oder Richard Wagners „Siegfried“ auch eine Koproduktion mit der Nikikai-Oper im japanischen Tokyo. Chefregisseur Peter Konwitschny war zur Ankündigung der Zusammenarbeit zu Verdis „Macbeth“ extra von Probenterminen in Wien nach Leipzig gereist. „Für mich ist das eine neue Tür, die in meinem Leben aufgeht“, freute er sich auf das Projekt. Eineinhalb Jahre nach der Leipziger Premiere im Dezember 2011 soll das Werk in der japanischen Hauptstadt aufgeführt werden. „Eine Option, die für uns auch finanziell interessant ist“, betonte Operndirektorin Franziska Severin.

Oper muss knapp 20 Stellen kürzen

Beim Etat für die kommenden zwei Jahre legte Heike Brönnimann, die neue Geschäftsführende Direktorin der Oper, den Finger in die Wunde. Aufgrund gekürzter Zuschüsse vom Freistaat Sachsen durch das neue Kulturraumgesetz sowie gestiegener Personalkosten muss das Haus in diesem Jahr eine Etatlücke von rund 900.000 Euro füllen. Die Förderung sinkt 2011 auf 40,8 Millionen Euro. Im kommenden Jahr fallen weitere 450.000 Euro weg.

Die Folge sind neben einem verkleinerten Programm auch Personalkürzungen. So sollen 18 der derzeit 654 Stellen gestrichen werden. „Auch im künstlerischen Bereich, sonst hätten wir es nicht geschafft“, wie Brönnimann erklärte. Schirmer sprach in diesem Zusammenhang von „großen strukturellen Herausforderungen“ und will künftig eine stärkere Zusammenarbeit mit dem Theater der Jungen Welt oder der MuKo forcieren. „Es ist in einer Stadt mit 500.000 Einwohnern nicht denkbar, dass mehrere Institutionen nebeneinander arbeiten. Dafür ist diese Stadt zu klein“, meinte der Intendant.

Forderung nach Preissenkungen zurückgewiesen

Insgesamt waren 2010 rund 71.000 Besucher in die Leipziger Oper gekommen. Während die Auslastung bei MuKo (52.000 Besucher) und Ballett (39.000 Besucher) rund 80 Prozent betrug, lag sie in der Oper nur bei rund 60 Prozent. „Das stellte uns ganz und gar nicht zufrieden“, betonte Heike Brönnimann. „Wir haben geglaubt, wenn wir das künstlerische Angebot ausweiten, kommen auch mehr Besucher. Das hat sich nicht bewahrheitet“, erklärte die Direktorin.

Stattdessen soll nun an neuen Strategien gearbeitet werden, um wieder mehr Bürger anzuziehen. Dabei würden auch die Ergebnisse der Kommunalen Bürgerumfrage ausgewertet, bei der etwa ein Viertel der Leipziger, die die Oper 2010 nicht besucht hatten, als Grund dafür zu hohe Preise angegeben hatten. Rund 26 Euro kostet eine Karte derzeit im Durchschnitt. Eine Tarifsenkung schloss Brönnimann jedoch aus und verwies auf die in der Studie ebenfalls festgestellte, verbreitete Unkenntnis über die Angebotsstruktur der Oper. „Hier müssen wir mehr Öffentlichkeitsarbeit betreiben“, meinte Brönnimann und betonte: „Wir haben nun mal ein Produkt, das sehr teuer ist. Wenn die Menschen nicht in die Oper gehen, bekommen wir sie auch nicht mit niedrigeren Preisen dazu.“

Intendant Ulf Schirmer meint das Problem indes an anderer Stelle ausgemacht zu haben: „Ich stelle gegenüber der Oper immer noch eine Schwellenangst fest in dieser Stadt.“ Wichtig sei deshalb, das Haus künftig weiter zu öffnen, auch zu ungewöhnlichen Zeiten zu beleben und so sinnbildlich mehr Licht hinein zu bringen. Das große gelbe Plakat sei dafür zumindest ein guter Anfang.

Robert Nößler

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