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Kunst als Aktie: Die Telekom verkauf ein Gursky-Bild und verärgert die Kunstwelt

Kunst als Aktie: Die Telekom verkauf ein Gursky-Bild und verärgert die Kunstwelt

Der Hammer fiel bereits am 17. Oktober: Bei einer Auktion im Londoner Auktionshaus Sotheby's wurde eine Ikone der modernen Fotografie versteigert, ging für 1,74 Millionen Euro an einen anonymen Bieter.

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Meisterwerk der Fotografie aus dem Jahr 1993: "Paris, Montparnasse" von Andreas Gursky wurde in diesem Sommer in Japan gezeigt. Es war mehrere Jahre in Leipzig.

Quelle: dpa

Das Bild "Paris Montparnasse" von Andreas Gursky hing mal in Leipzig. Kulturbürgermeister Michael Faber findet die Umstände des Verkaufs skandalös, die Telekom nicht.

 Die Deutsche Telekom und das Geld - nach dem Börsengang 1996 mit der damals allgegenwärtigen Kampagne für die T-Aktie ist die Verbindung zum Symbol für Aufstieg und Fall am Aktienmarkt geworden. Ausgegeben für knapp 15, später 28,50 und 66,50 Euro, notierte das Papier im Jahr 2000 bei über 104 Euro, um kurze Zeit später in den Keller zu gehen und dort zu bleiben. Heute steht die Aktie bei rund 11,50 Euro. Ein gigantischer Kapitalverlust.

 Bei der Kunst scheint die Telekom ein besseres Händchen zu haben. 1996, im Jahr des Börsengangs, erwarb das Unternehmen für seine Kunstsammlung ein Monumentalwerk des Fotografen Andreas Gursky. Über den Ankaufspreis lässt sich nur spekulieren: Dem Vernehmen nach könnten rund 50 000 Mark für das zwei mal vier Meter große Werk "Paris. Montparnasse" geflossen sein. Die Arbeit, eines der ersten digital manipulierten Bilder, die der Künstler gefertigt hat, zeigt einen riesigen, lang gestreckten Wohnkomplex. Gursky hat es aus mehreren Aufnahmen zusammengesetzt und konstruiert damit eine Perspektive, die real nicht möglich wäre. Zusätzlich sind die Fenster belebt, geradezu lesbar; unzählige Szenen spielen sich dort ab. Eine Art magischer Hyper-Realismus, der die Wahrheit als nur eine von vielen Möglichkeiten erscheinen lässt.

 Etwa bis zur Jahrtausendwende hing das Meisterwerk in der Leipziger Telekom-Niederlassung. In jener Stadt also, in der Gursky 1955 geboren wurde. Noch im selben Jahr floh die alteingesessene Leipziger Fotografenfamilie aus der DDR und ließ sich in Düsseldorf nieder.

 Nun ist die Fotografie-Ikone in London für 1,74 Millionen Euro versteigert worden. Ein Gewinnfaktor, von dem Telekom-Aktionäre nur träumen können. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", die über den Deal berichtete, fand den Vorgang "ziemlich unglaublich", Leipzigs Kulturbürgermeister Michael Faber nennt ihn "skandalös". Das Bild, argumentiert er, sei in einer Zeit erworben worden, als die Telekom mit dem Bund als alleinigem Aktionär noch quasi öffentlich gewesen sei. Da bestehe eine Sorgfaltspflicht. "Die kann man nicht ablegen, wenn man seine Gesellschaftsform ändert", sagte Faber der LVZ. "Wir hätten das Bild gerne genommen, wissend, dass wir natürlich nicht im Ansatz preislich hätten mitbieten können."

 Für die Telekom ist der Verkauf des Meisterwerks "ein ganz normaler Vorgang", wie Sprecher Stephan Althoff sagte. Man habe die eigene Sammlung neu ausgerichtet auf zeitgenössische Kunst aus Süd-Ost-Europa und der Türkei. Hier würden Hauptgeschäftsfelder des Konzerns liegen. "Da für den Aufbau dieser jungen Sammlung kein separates Budget zur Verfügung steht, finanziert sich die Art Collection Telekom aus dem Verkauf von Kunstwerken, die nicht in den Fokus der neuen Sammlung passen", erklärte Althoff. Die Deutsche Telekom sei seit dem 1. Januar 1995 eine Aktiengesellschaft. "Zu diesem Zeitpunkt sind nicht nur die Vermögensgegenstände vom Bund auf die AG übergegangen, sondern auch die Finanz-Verbindlichkeiten in Höhe von damals mehr als 110 Milliarden D-Mark."

 In der Kunstwelt überwiegt dennoch die Verwunderung: "Hat die Telekom das nötig?", fragt Hans-Werner Schmidt, Direktor des  Museums der bildenden Künste in Leipzig. Das Bild sei damals mit Steuermitteln gekauft worden. "Natürlich hätten wir uns wahnsinnig gefreut über so eine Ikone."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.10.2013
Jürgen Kleindienst

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