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Kunst auf der Barrikade: Die Ausstellung „Pro oder Kontra“ in Halle

Burg-Galerie im Volkspark Kunst auf der Barrikade: Die Ausstellung „Pro oder Kontra“ in Halle

Kunst, die Position bezieht: Die Ausstellung „Pro oder Kontra“ in der Galerie der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle zeigt, ob und wie sich junge Künstler mit der Welt und ihren Widersprüchen auseinandersetzen. Zu sehen sind 17 künstlerische und meist auch politische Positionen von Studierenden aus sieben deutschen Kunsthochschulen.

„Genehmigt“: Die Arbeit des Leipzigers Paul Altmann (das Foto zeigt einen Ausschnitt) verdeutlicht die Dimension des Panzerdeals mit Katar.

Quelle: jkl

Halle. Es war mal einfacher, nicht nur in der DDR. „Zurück oder vorwärts?“, „bei uns“ oder „bei ihnen“, sang einst der Oktoberclub in seinem Agitations-Hit „Sag mir, wo du stehst“. Das Thema formuliert sich gerade im Zeitalter vermeintlicher Alternativlosigkeit neu, komplexer – und keinesfalls weniger dringlich. Die Ausstellung „Pro oder Kontra“ in der Galerie der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle zeigt, ob und wie sich junge Künstler mit der Welt und ihren Widersprüchen auseinandersetzen. Zu sehen sind 17 künstlerische und meist auch politische Positionen von Studierenden aus sieben deutschen Kunsthochschulen, die nach einem Aufruf ausgewählt wurden. Vertiefend flankiert werden sie von fünf Gastbeiträgen international arbeitender Künstler.

Schon im Flur vor der Burg-Galerie im Volkspark wartet eine Urform künstlerischer Agitation: Acht Farbposter des in Berlin und London lebenden Wolfgang Tillmans auf einer Litfaßsäule dokumentieren ein Scheitern. Mit einer Posterkampagne hatte er für den Verbleib Großbritanniens in der EU geworben. Sein Statement danach: „Die Festen unserer freien Weltordnung zu verteidigen, ist jetzt unsere Aufgabe. Wir sind noch die Mehrheit.“ Sich rauszuhalten, wenn draußen die Lichter auszugehen drohen, das scheint auch in der Sphäre der Kunst schwieriger geworden zu sein.

Menschenrechte und Waffenhandel

Paul Altmann, Meisterschüler an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, dreht den Spieß auf Deutschland und seine Außenpolitik, die von Menschenrechten redet und Waffen verkauft. „Genehmigt“, heißt seine Arbeit, die 62 Mal das Foto eines Spielzeugmodells des Leopard 2 zeigt. 62 – so viele Kampfpanzer hat Katar 2013 in Deutschland gekauft. Allein die schiere Masse der Fotos macht die Dimension des Deals deutlich.

Klar aber keineswegs platt spricht auch die „Translation Machine“ des Berliners Bruno Siegrist von der Wand. Er hat Sichttafeln so angebracht, dass auf ihnen – während sie lautstark von einem Kompressor hin und her geworfen werden – jeweils ein Satz lesbar wird: „We call it Technical Solution“ und „We call it Slavery“. Die schöne neue digitale Welt und die Versklavung der Arbeiter, die die Rohstoffe dafür fördern – zwei Welten, die untrennbar miteinander verbunden sind. Eine Installation wie eine Ohrfeige, die auch Fragen zu den in der Ausstellung verwendeten Materialien stellen soll.

Klaustrophobisch geht es in der Box zu, in der ein Video der in Braunschweig lebenden Brasilianerin Jaqueline Lisboa Silva gezeigt wird. Sie spricht Sätze und Fragmente, die sich um den Kern ihrer eigenen Situation drehen „Ich darf nur bleiben, wenn ich arbeite.“ Wer wir sind und welchen Wert wir haben, das erscheint hier plötzlich sehr relativ.

Vielsagende Verbindung

Von Thomas Kilpper sind auf Stoffbahnen gedruckte Linolschnitte zu sehen – etwa Porträts des 1945 ermordeten Hitler-Attentäters Georg Elser und von Oury Jalloh, der 2005 in einer Polizeizelle in Dessau verbrannte. Zwischen den Bahnen geht der Blick nach Dresden beziehungsweise auf eine Foto-Arbeit von Studenten der Hochschule für Bildende Künste, die künstlerische Proteste gegen Pegida dokumentiert. Eine vielsagende Verbindung.

Ganz fein hängt ein Zaun von der an der Burg Giebichenstein studierenden Lisa Kottkamp im Raum, teilt ihn in ein Drinnen und Draußen, ein Wir und Ihr. Zum Glück ist er zerbrechlich, er besteht aus Porzellan. Es gibt Hoffnung.

„Pro oder Kontra“ in der Burg-Galerie im Volkspark (Schleifweg 8a, Halle); bis 12. Januar, geöffnet tägl. 14–19 Uhr, Eintritt frei; am 1.12. findet zu der Ausstellung ab 14.30 Uhr ein Symposium unter dem Titel „Ist das Medium die Message?“ statt

Von Jürgen Kleindienst

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