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Kunst in den Leipziger Höfen: Gentrifizierung auf den Kopf gestellt

Galerie im Shoppingcenter Kunst in den Leipziger Höfen: Gentrifizierung auf den Kopf gestellt

Kultur an einem der kommerziellsten Orte Leipzigs: Martin Hermeling und Michael Schreckenberger haben eine Produzentengalerie in den Höfen am Brühl eröffnet. Sie wollen dort arbeiten, ausstellen – und den rund 300 Quadratmeter großen Raum für Kulturveranstaltungen zur Verfügung stellen.

300 Quadratmeter in den Höfen am Brühl: Viel Platz für Kunst und Kultur.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Ein Gespenst geht um, es heißt Gentrifizierung, und der klassische Lauf der Geschichte geht so: Künstler ziehen in leerstehende Räume, organisieren Ausstellungen. Das zieht junge Leute an, neue Kneipen eröffnen, Läden entstehen, Projekte kommen und gehen, Häuser werden saniert, Mieten steigen. Das Ende vom Lied: Die Künstler und andere Pioniere müssen das Viertel verlassen, weil sie sich die Mieten nicht mehr leisten können.

Martin Hermeling aus Halle und Michael Schreckenberger aus Leipzig haben diesen klassischen Verdrängungs-Zyklus gewissermaßen auf den Kopf gestellt beziehungsweise sind am anderen Ende eingestiegen: An Leipzigs vielleicht kommerziellstem Ort, in den Höfen am Brühl, haben sie eine Produzentengalerie eröffnet. Auf 300 Quadratmetern wollen sie dort als Künstler arbeiten, sich dabei zusehen lassen und ihre Bilder ausstellen. Außerdem haben sie vor, den Raum anderen Initiativen kostenlos zur Verfügung stellen – für Lesungen, Kabarett oder Theater zum Beispiel. „Wichtig ist, dass wir damit ein gutes Gefühl haben, dass es passt“, sagen sie.

Modenschau bei den Designer’s Open geplant

Fest stehe bereits eine Modenschau, die während der Designer’s Open stattfinden soll. Auch eine Kooperation mit Kunstprojekten aus Halle sei angedacht. Die Galerie ist seit Donnerstag in Betrieb, eine große Eröffnungsfeier soll am 21. Oktober steigen. Zu sehen sind schon jetzt Hermelings Popart und Fotorealismus verbindende, ihre Botschaften nicht unbedingt verhüllende Arbeiten. Auch Schreckenberger arbeitet mit unterschiedlichen Techniken, spart nicht an visuellen Ausrufezeichen und surrealem Spiel. Sein wiederkehrendes Symbol ist das Streichholz, das in Malerei und Skulptur zünden soll.

Der Weg an den Brühl und die Zusammenarbeit mit Unibail Rodamco, einem der größten börsennotierten Immobilienkonzerne Europas, der auch die Höfe betreibt, erwies sich für die beiden Künstler als überraschend unkompliziert. Nachdem Hermeling seine Räume in der Nikolaistraße nicht mehr nutzen konnte, war er auf der Suche nach einem neuen Quartier. „Wir haben einfach mal bei den Höfen nachgefragt, allerdings ohne uns ernsthafte Chancen auszurechnen“, erzählt Hermeling, der seit zehn Jahren unter anderem als freier Künstler in Spanien und Deutschland arbeitet.

Doch es klappte: Im Februar konnten sie den Raum besichtigen und zunächst bis Januar zu günstigen Konditionen mieten. Im Gegenzug haben sie in den Innenausbau investiert, ohne den rauen Charme mit Beton am Boden und Rohren an der Decke wegzusanieren. „Wir sehen das als ersten Schritt, wollen erstmal sehen, wie das angenommen wird“, meint Michael Schreckenberger, der in der Eutritzscher Straße das Atelier Nord betreibt.

Off-Space in schöner neuer Shoppingwelt

So existiert nun also eine Art nicht-kommerzieller Off-Space in dieser schönen neuen Shoppingwelt – hier im Erdgeschoss, gegenüber vom Restaurant Emil & Moritz und neben dem Superdry Store. „Räumungsverkauf wegen Umzug“ ruft ein Plakat schräg gegenüber. Leerstände gibt es nicht nur im Leipziger Osten.

Die Höfe sehen in dem Projekt eine Win-Win-Situation: „In Leipzig ist das Thema Kunst sehr groß und bedeutend. Wir freuen uns, uns durch Mieter wie die Leipziger Kunstgalerie noch mehr in die Stadt zu integrieren und mit der Leipziger Kultur zu verbinden. Zudem bieten wir unseren Gästen eine noch höhere Vielfalt an Shops“, sagt Centermanagerin Andrea Eggers. Und die Kunstgalerie soll nicht das einzige Kulturprojekt in den Höfen bleiben. „Wir sind in Gesprächen mit einem weiteren Leipziger Künstler“, so Eggers.

Kunst als Deko oder als kreative Subversion in einem Einkaufszentrum? „Blinder Glaube“, heißt ein Gemälde von Michael Schreckenberger, das am Eingang platziert ist. Dargestellt ist Jesus, seine Augen sind mit Absperrband zugewickelt. Mal sehen ...

Leipziger Kunstgalerie in den Höfen am Brühl: geöffnet Mo-Di 10-15, Do 10-20, Fr, Sa 15-18 Uhr

Von Jürgen Kleindienst

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