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Kunsthalle zeigt Fotos aus Leipzig

Ausstellung Kunsthalle zeigt Fotos aus Leipzig

Der Berliner Kurator Christoph Tannert, der sich selbst als Fotografie-Junkie bezeichnet, hat 16 gegenwärtige fotografische Positionen aus Leipzig zusammengestellt. Unter dem Titel „counterpoint“ sind sie jetzt in der Kunsthalle der Sparkasse zu sehen.

Ausstellung „counterpoint.fotografische Positionen“ in der Kunsthalle der Sparkasse. Mit Arbeiten von Erasmus Schröter (re.), Hans-Christian Schink (li.)

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Ein Titel wie „Fotografische Positionen“ klingt trocken und abgestanden. Darum wurde „Counterpoint“ als Hauptüberschrift gewählt. Im Katalogtext erfährt man, dass es sich dabei nicht um ein neues Ballerspiel handelt, sondern eine Form des mehrstimmigen Gesangs. Trotzdem: Der Berliner Kurator Christoph Tannert, der sich selbst als Fotografie-Junkie bezeichnet, hat 16 gegenwärtige fotografische Positionen aus Leipzig zusammengestellt. Die behauptete Mehrstimmigkeit ist nicht zu übersehen. Dennoch kann so eine Kompilation je nach subjektiven Vorlieben ganz verschieden ausfallen.

2011 gab es am gleichen Ort eine ähnliche Ausstellung, ausgewählt von Meinhard Michael. Standen dort konzeptionelle Herangehensweisen im Mittelpunkt, so ist es bei Tannert häufiger ein klassisches Verständnis des Mediums. Das liegt nicht allein am Abstand von vier Jahren. Wurden damals viele Nachwuchskünstler einbezogen, so sind diesmal weitestgehend Arbeiten aus dem Bestand der Kunsthalle zu sehen. Es ist also schon eine Auswahl aus einem Kreis bekannter Namen vorausgegangen.

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Eine subjektive Auswahl von Fotografie aus Leipzig ist derzeit in der Kunsthalle der Sparkasse zu sehen .

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Eine Strategie heutiger Künstler, sich aus der Bilderinflation abzuheben, ist der Drang zur Perfektion. Tannert zeigt mehrere solcher Herangehensweisen. So ist beispielsweise Steffen Junghans vertreten, der aus dem simplen Lesebändchen eines liegenden Buches ein besonderes optisches Ereignis zu machen versteht. Oder Erasmus Schröter. Für farbig ausgeleuchtete Weltkriegsbunker betreibt er den gleichen Aufwand wie für Porträts von Models eines Friseurwettbewerbes. Und Matthias Hoch setzt Architektur älteren Datums effektvoll in Szene, ohne der modisch gewordenen Lost-Places-Welle zu huldigen. Selbst die Beschäftigung mit dem Banalen bei Florian Ebner oder Viktoria Binschtok kann zu Highend-Resultaten führen. So zeigt Binschtok die Wand eines Behördenkorridors, an welcher sich die Spuren Wartender dezent abzeichnen. Ohne den Titel „Die Abwesenheit der Antragsteller“ könnte man die scheinbar abstrakte Struktur gar nicht deuten.

Von Hans-Christian Schink ist man präzise dargestellte Stadt- und Landschaften gewohnt. Bei dem hier zu sehenden „Glendora Canyon“ aber ist die scheinbar idyllische Herbstlandschaft das Resultat eines verheerenden Waldbrandes in Kalifornien.

Doch auch Gegenpositionen zur intensiven Beschäftigung mit dem Detail fehlen nicht ganz, Counterpoint eben. Da ist auf jeden Fall Astrid Klein zu nennen. Ihre Collagen sind eher Arbeiten mit Scanner und Software als mit der Kamera. Mit der Gegenüberstellung eines Filmstills einer leicht bekleideten Frau und einem Zitat von Malcolm X bringt sie einen weiteren gesellschaftlichen Akzent in die Ausstellung.

Die Kombination von Text und Bild sowie die Verarbeitung von Vorgefundenem ist auch kennzeichnend für Claudia Angelmaier. Bei ihr sind es Postkarten von Kunstwerken und Sehenswürdigkeiten, deren Klischeehaftigkeit sie verdeutlicht.

Sven Johne hat politische Hintergründe. „Der Weg nach Eldorado (die letzten sieben Kilometer)“ - das klingt nach großem Abenteuer und nach Reichtum. Die kleinen Sofortbildaufnahmen zeigen eher Tristesse. Das Eldorado liegt in diesem Fall in Griechenland und ist eine große Goldmine, die vom Staat an eine kanadische Firma verkauft wurde. Johne wurde nicht in das Gelände vorgelassen.

Die einzigen Reportagefotos im gewohnten Sinne scheinen von Helfried Strauß zu stammen, der auch ältester Beteiligter der Ausstellung ist. In kontrastreichem Schwarzweiß hat er die Ruinen des antiken Palmyra abgelichtet. Diese Fotos sind nicht wiederholbar. Die Nachrichten von der Zerstörung des Erbes durch den IS gingen um die Welt.

Die gesellschaftliche Dimension der Arbeiten in dieser Ausstellung, welche auf den ersten Blick der reinen Ästhetik huldigt, muss häufig aus den Kontexten herausgelesen werden. Sonst bleibt es nur eine schöne Harmonie mehrerer Stimmen.

Counterpoint. Fotografische Positionen: bis 3. Januar 2015, Di, Do–So 10–18 Uhr, Mi 12–20 Uhr; Kunsthalle der Sparkasse, Otto-Schill-Straße 4a

Von Jens Kassner

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