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Lachmesse-Finale: Fulminante Rede von Georg Schramm

Kabarettfestival Lachmesse-Finale: Fulminante Rede von Georg Schramm

Die 25. Lachmesse 2015 ist seit der Nacht zu Montag, in der noch kräftig gefeiert wurde, beendet. Chef Arnulf Eichhorn zieht eine positive Bilanz. Große Beachtung fand Georg Schramm mit seinem deutlichen Statement zur kippenden Stimmung im Land wegen der Flüchtlingsströme. Die Rede gefiel nicht allen.

Klare Worte: Georg Schramm bei der Lachmesse-Gala.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Die ganz Großen haben erst das Haus gerockt, dann den Keller: Die 25. Lachmesse endete am Sonntagabend mit der zweiten Gala-Vorstellung im Haus Leipzig und mit dem Solo von Bruno Jonas bei den Academixern, wo noch bis in den frühen Morgen auf die Jubiläums-Ausgabe angestoßen wurde. Festivalleiter Arnulf Eichhorn ist zufrieden: „Ein würdiger Abschluss mit viel Glanz“, konstatiert er. Für Aufsehen sorgt dabei Georg Schramm mit einer deutlichen Ansage.

Trotz anderer großer Namen wie Matthias Deutschmann, Jürgen Becker und Verwandlungskünstler Ennio Marchetto – das Augenmerk bei den Gala-Terminen am Sonntag gilt dem Star-Kabarettisten, der Eichhorn und Leipzig zuliebe eine Ausnahme von seinem Bühnenabschied macht. In seiner Dombrowski-Figur pflegt er wieder den „Zorn im Dienste der Vernunft“, kritisiert die Verlogenheit von Regierungen und Großkonzernen, die mit schmutzigen Geschäften Länder überlebensunfähig machen, Kriege und Not wachsen lassen. Flüchtlingsströme sind die logische Konsequenz. „Wir müssen uns diesem Problem stellen“, fordert er, „mit Hass wird es nicht gehen.“

Bruno Jonas am Sonntag bei den Academixern

Bruno Jonas am Sonntag bei den Academixern.

Quelle: Kempner

Schramm, nicht Dombrowski, macht das Erstarken der Rechtsextremen zu schaffen. Wie gefährlich die Lage ist, zeigt unter anderem, dass Unterstützer von Flüchtlingen Angst haben, namentlich in der Zeitung aufzutauchen, wie er anmerkt. Am Ende der gut 15 Minuten donnert der Applaus. Dass auf ein paar wenigen Plätzen Leute murren und grummeln, wirkt zunächst verstörend. Und doch gut, dass sie vor Schramm sitzen. Gerade sie sind es, die mit solchen Haltungen konfrontiert werden müssen.

Bruno Jonas, der zeitgleich bei den Mixern im Programm „So samma mia“ die deutschen und insbesondere die bayerischen Deppen vorführt, serviert auf satirischer Ebene Lösungsvorschläge: „Wenn Albanien, Montenegro und der Kosovo deutsche Bundesländer werden, brauchen die Leute nicht mehr zu flüchten.“

Klare Worte, unkabarettistische Statements gegen Intoleranz und Fremdenfeindlicheit haben Tage zuvor Löwenzahn-Preisträger Alfred Dorfer und Christoph Sieber gefunden. Sie und viele ihrer Kollegen sind zudem darauf bedacht, neben dem alles überspannenden Thema an Schauplätze zu erinnern, die durch den groben Nachrichtenrost fallen. Griechenland zum Beispiel. Auch für diese Misere tragen die Gläubiger-Staaten eine Mitverantwortung, so wird betont.

Es gab noch zahlreiche andere herausragende Gastspiele: von Gerhard Polt und den Wellbrüdern, die Benefiz-Veranstaltung von Eckhart von Hirschhausen für Leipzigs Klinikclowns und Horst Schroths fulminante Rückkehr als Lehrer Laux.

Lachmesse-Statistik

Die bisher 25 Lachmessen haben für insgesamt 275 Veranstaltungstagen und 2311 Veranstaltungen gesorgt

Die erste Lachmesse begann mit 38 Veranstaltungen
Rekordzahlen lieferte die 16. Lachmesse 2006 mit 131 Veranstaltungen, 674 Gäste beziehungsweise Gast-Ensembles in den Leipziger Häusern

Größte Festivalpräsenz bewiesen:
Lose Skiffle Gemeinschaft – 24 mal
Tom Pauls – 19 mal
Magdeburger Zwickmühle, Uwe Steimle, Clemens-Peter Wachenschwanz und Herkuleskeule – 17 mal
Bernd-Lutz Lange, Schwarze Grütze – 15 mal
Martin Buchholz, Distel, MTS, Fips Asmussen - 13 x
Katrin Weber - 8 x

Ein Festival mit vielen hochkarätigen Produktionen und wenigen schwachen. Erstmals war die Lachmesse von elf Tagen auf acht eingedampft worden – eben vor allem, um die Qualität zu verdichten. Quantitativ bleibt trotzdem viel Luft nach unten: 150 Künstler aus sieben Ländern bestritten über 90 Veranstaltungen, in Relation gestellt kaum weniger als im Vorjahr (149/113). Die meisten Programme waren ausverkauft oder sehr gut besucht, doch Kabarett in Überdosis ist auch für das größte europäische Humor- und Satire-Festival zu viel. Am Sonntag musste das gleich mit zwei Sälen gesegnete Central-Kabarett drei von vier Gastspielen wegen mangelnden Zuschauerzuspruchs absagen. „An der Zahl der Veranstaltungen muss noch mal geschraubt werden“, so Eichhorn. Insgesamt besuchten im laufenden Jahrgang 21 000 Kabarett- und Kleinkunstfreunde alle Lachmesse- sowie die Extra-Veranstaltungen außerhalb des Festivals, 2014 waren es 23 000.

Der Gründer selbst hat sich nach 25 Jahren den schleichenden Rückzug verordnet. Wenn sich im November die Mitglieder des Lachmesse-Vereins zusammensetzen, wird Eichhorns Nachfolger als Chef bestimmt. Der 65-jährige spiritus rector wird allerdings nicht komplett abtreten, sondern beratend und organisierend weitermachen.

Bei dem Treffen steht außerdem die Entscheidung über den neuen Träger des „Leipziger Löwenzahn“ auf der Tagesordnung. Hier fließen das Votum des Vereins, der journalistischen Berichterstatter und der LVZ-Jury zusammen. Die bestand in diesem Jahr wegen des Jubiläums aus Leipziger Kulturschaffenden. Sängerin Carolin Masur, Moderatorin Diana Schell, Choreografin Heike Hennig, Grafiker Werner David, Veranstalter Peter Zimmer und Sänger Hans-Jürgen Beyer besuchten zahlreiche Gastspiele und werden sich dieser Tage auf einen Favoriten einigen.

Keine leichte Entscheidung – die meisten Höhepunkte setzten diesmal jene, bei denen schon ein Löwenzahn im Regal steht. Ein Comedian jedenfalls dürfte heuer kaum den mit 3500 Euro dotierten Preis zugesprochen bekommen – in einem innen- wie außenpolitisch bedeutsamen Jahr wie diesem kann auch die Löwenzahn-Vergabe als Statement gelten.

Lachmesse-Zitate

Jeder, der schon mal Halbmarathon gelaufen ist, weiß: Der Weg ist nicht das Ziel! (Alfred Dorfer)

Nicht das Erreichte zählt, sondern das Erzählte reicht (Alfred Dorfer)

Ideologie ist nichts anderes als eine Sonderform von Geschäft (Alfred Dorfer)

Ihr könnt die Handys anlassen, aber bitte geht nicht dran (Alain Frei)

Was habt Ihr zwei zu tuscheln? Das hier ist kein Fernsehen, ich kann Euch hören! (Alain Frei)

Unsere Republik befindet sich im Hausmeister-Modus: „Machen wir nicht, brauchen wir nicht, fangen nicht mit an.“ (Christoph Sieber)

Durch Algorithmen werden wir die Welt nicht besser verstehen, wir werden uns nur genauer irren. (Christoph Sieber)

Die CSU – der politische Arm von Pegida. (Christoph Sieber)

Ein 72-Stunden-Deo gibt es. Ein Deo für 72 Stunden! Früher hieß das Duschen. (Christoph Sieber)

Wir befinden uns auf dem Rückweg in die Steinzeit – aber mit W-Lan (Christoph Sieber)

1989 kamen ja viele Flüchtlinge in den deutschen Westen. Die Ossisierung des Abendlandes. (Timo Wopp)

Edward Snowden wird überbewertet - alles was er weiß, hat er aus dem Internet. (Timo Wopp)

„Alle elf Sekunden verliebt sich einer auf parship.de. Ich glaube, es ist immer derselbe.“ (Martin Zingsheim)

Durch Wuppertal laufen Islamisten und wollen das Nachtleben kontrollieren. - Echt? - Als ich das gehört hatte, konnte ich auch nicht glauben, dass es so was gibt. - Islamisten in Deutschland? - Ne, Nachtleben in Wuppertal. (Kommödchen)

Cem Özdemir – diese mentale Energiesparlampe (Horst Schroth)

Zu welchem Arzt geht Pinocchio? Zum Holz-Nasen-Ohrenarzt! (Horst Schroth)

Wenn die Emanzipation wirklich was gebracht hat – warum gibt es dann eine Heidi Klum? (Christine Prayon)

In Leipzig kann man ja jetzt auch U-Bahn fahren. Ich hab den Test gemacht: Zu Fuß ist man schneller. (Bruno Jonas)

Es gibt depperte Deppen und gescheite deppen. Der gescheite Depp glaubt, er sei klug. Das ist die eigentliche Tragik. (Bruno Jonas)

Sperren Sie mal 500 Oberfranken und 500 Niederbayern weg, ohne Arbeit und ohne Ausgang. Die bringen sich nach spätestens zwei Tagen gegenseitig um. (Georg Schramm zum Thema „Schlägerei in Flüchtlingsunterkünften“

 

Von Mark Daniel

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