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Lachnummer Acht: die Leipziger Karicartoon

Lachnummer Acht: die Leipziger Karicartoon

Nach dem Ausfall 2011 ist dies die achte Ausgabe der Karicartoon neuer Zählweise. Die Wurzeln reichen aber genau vierzig Jahre zurück. 1973 wurde "Mit spitzer Feder" die Vorläuferschau begründet.

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"Angela Merkel" von Frank Hoppmann.

Quelle: André Kempner

Leipzig sei somit die heimliche Hauptstadt der Karikatur in Deutschland, meint Kurator Andreas J. Mueller.

Napoleon hat außer dem obligatorischen Dreispitz nur lange Unterhosen an, also schiebt er seine Rechte statt in die Jacke eben durch deren Schlitz. Ausgerechnet dieser Eingriff des kleinen Korsen steht symbolisch für die diesjährige Karicartoon, während rundum die Vorbereitungen zur Feier des großen Jubiläums seiner Niederlage kulminieren. "Alle8ung" scheint der Kaiser zu sagen. Nicht wegen dieses historischen Datums, sondern in Anspielung auf die Nummerierung der Ausstellung.

Die Zeichnung von Werner Rollow ist älteren Datums. Wie viele in der Ausstellung, denn es soll ein "Best of" sein. Warum wartet man damit nicht bis zur symbolträchtigeren Zehnten? Andreas J. Mueller kann es nicht ganz überzeugend erklären. Gründe für Witzeleien oder heftigere Angriffe auf die Lachmuskeln bietet jedenfalls auch die Gegenwart. Der Berliner Exilschwabe Klaus Stuttmann greift tagtäglich welche auf, zu sehen auf Seite 2 der LVZ. Stuttmann ist bei dieser Karicartoon vertreten. Ebenso der Österreicher Gerhard Haderer, neben dem auch präsenten Tetsche eine Konstante des Hamburger Magazins "Stern". Doch auch frühere und jetzige Abonnenten des "Eulenspiegel" finden ihre Lieblinge wie Barbara Henniger, Klaus Vonderwerth oder Lothar Otto wieder. Mit Rainer Schade, Hans Jürgen Starke, Ulrich Forchner und weiteren sind natürlich auch prominente Leipziger vertreten.

Die Ost-West-Mischung sei annähernd ausgewogen, so Mueller. Bedauernd fügt er hinzu, dass Waechter, Poth und einige andere wichtige Wessis weggestorben seien. Und nur Leute, die noch selbst ihre Zeichnungen in den Briefkasten stecken können, sind zugelassen. Für Harald Kretzschmar trifft das zu. Auch der Titel Altmeister hat bei ihm zweifache Berechtigung. Dem 82-Jährigen ist die Studioschau im Keller vorbehalten. Dort werden 80 Leipziger Köpfe gezeigt - durchweg Porträts von Personen, die eine Beziehung zur Stadt haben. Der virtuose Pinsel- oder Federstrich Kretzschmars ist der Ausdruckskraft mancher "richtiger" Künstler überlegen.

Das kann man so aber auch für viele Jüngere stehen lassen. Daneben ist die Vielfalt der Arbeitsweisen auffällig. Schnelle Kritzeleien zu tagesaktuellen Ereignissen sind eher selten. Rudi Hurzlmeier malt gar in Öl auf Leinwand. Bei seiner "Ankunft der Schlammcatcherinnen" sind drei Damen im Rubens-Format vor einem überraschten Jungen im Ruderboot gelandet. Kaffee und Kuchen haben sie mitgebracht, doch auch für ihre nackte Scham schämen sie sich nicht.

Ein würdiger Nachfolger Kretzschmars ist Frank Hoppmann mit seinen Politikerköpfen - aufwendiger über-zeichnet, aber auch bissiger. Andere Beteiligte collagieren, aquarellieren, sprühen, sogar Kurzfilme flimmern über einen Monitor. Nicht immer wird der satirische Unernst sichtbar, manches Blatt könnte auch in einer Galerie hängen. Ein anderer Fall sind die Grafiken des Münchners Dieter O. Klama. Eine Araberin hat sich eine Burka aus der US-Flagge nähen lassen, während die Schalom-Taube gefleckte Tarnfarben trägt. Da bleibt das Lachen kurz und staubtrocken.

Dem Charakter der Retrospektive geschuldet finden sich einige Klassiker. So etwa Montagen Klaus Staecks wie seine "Shell Werbewochen" von 1978, bei denen die Küstenbewohner ihre Ölheizung direkt ans Meer anschließen können. Oder Peter Bauers Marx-Persiflage "War halt nur so 'ne Idee von mir", veröffentlicht 1990. Es ist manchmal ein Prüfung auf den Bestand der Themen. Obwohl Satire eigentlich zu Veränderung beitragen soll, bleiben manche Anlässe beängstigend aktuell. Doch es finden sich auch Stichworte des 21. Jahrhunderts von NSU bis Feinstaub, von Bankenrettung bis Energiewende.

Man kann die Karicartoon auf unterschiedliche Weise genießen - mit Gier nach dem nächsten Lacher, auf der Suche nach hinterhältigen gesellschaftlichen Infragestellungen oder auch mit Freude an gekonnten ästhetischen Mitteln. Manchmal findet sich dies alles in einem Bild. Alle Achtung!

Karicartoon. 8. Biennale der satirischen Zeichnung - Alle8ung: bis 11. August; Di-So 10-18 Uhr; Stadtgeschichtliches Museum, Böttchergäßchen 3 in Leipzig

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 19.06.2013

Jens Kassner

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