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„Lachst du noch oder strahlst du schon?“ – Lina im Leipziger Täubchenthal

Konzert „Lachst du noch oder strahlst du schon?“ – Lina im Leipziger Täubchenthal

„Crazy Shit! So lautstark mitgesungen wie 5000 Millionen Leute. Danke“, wird Lina tags drauf auf ihrer Facebook-Seite jubeln. Am Mittwoch hat die 18-jährige Hannoveranerin, bekannt als die Bibi aus den „Bibi und Tina“-Filmen, im Leipziger Täubchenthal ihr Debütalbum „Official“ live vorgestellt.

Nur der Himmel ist die Grenze: Lina Larissa Strahl, 18, und Band hüpfen im mit 300 Zuschauern gefüllten Täubchenthal.

Quelle: André Kempner

Leipzig. „Strahler“ steht auf Linas T-Shirt, was sich leicht mit ihrem Nachnamen erklären lässt: Lina Larissa Strahl. Aber „Strahler“ würde auch passen, hieße sie Müller oder Maier oder Blocksberg, denn die 18-Jährige strahlt ja in der Tat übers ganze Gesicht. Mag auch das vom Prinzip her einfallsreiche Konzert-Intro auf der vierten Station ihrer ersten Deutschlandtour Mittwochabend im Leipziger Täubchen­thal eine gewisse unfreiwillige Komik entfaltet haben – als ihre Band bereits im Rampenlicht steht, von Lina aber nur die Stimme zu vernehmen ist, vertieft in ein vermeintliches Handy-Gespräch. „Was? Ich kann nichts verstehen. Hier sind 1000 Leute!“, dringt aus den Lautsprechern. Und angeblich so viel Lärm im Saal.

Als Lina dann den Weg auf die Bühne gefunden hat, sieht sie zwar „heute nicht ganz so viele“ Menschen vor sich, wie sie später sagen wird, die zudem eher andächtig erwartungsfroh der Dinge harren als lauthals auszuflippen. Aber das kann ja noch werden und ist jedenfalls für Lina sympathischerweise längst kein Grund, das Strahlen zu lassen. „Schaffen wir es, mit 300 Leuten so zu feiern wie in Hamburg?“, feuert sie ihre Fans an. Tags zuvor zählte man dort 700 Zuschauer. Aber klar doch. Und wie! „Crazy Shit! So lautstark mitgesungen wie 5000 Millionen Leute. Danke“, wird Lina tags drauf auf ihrer Facebook-Seite jubeln.

Lina Larissa Strahl, 1997 in Seelze bei Hannover geboren, hat vor drei Jahren den Komponisten-Wettbewerb „Dein Song“ des Kinderkanals (Kika) gewonnen. Zum Star in den Kinderzimmern machten sie aber erst Detlev Bucks bislang drei „Bibi und Tina“-Filme seit 2014, in denen sie die Junghexe Bibi verkörpert. Das Abi hat sie nebenbei noch geschafft und – glaubt man ihrem Produzenten Peter Hoffmann, Kika-Juror und unter anderem Macher von Tokio Hotel – hat sie in all der Zeit nie aufgehört, Lieder zu schreiben. Gesungene Sprachnachrichten und kurze Selfie-Videos habe sie ihm laufend per What’s-App geschickt.

Mütter, die ihre Töchter antanzen

Zeilen wie „Hände hoch, Augen auf, Licht an, Hirn aus, Platz da, Anlauf, los!“, die ihre kolossal mitreißende Wirkung gleich zu Beginn auch bei den Leipzigern absolut nicht verfehlen. „Lachst du noch oder strahlst du schon?“ Was für eine Frage. Wobei nicht lediglich die engere Zielgruppe – Mädchen zwischen sechs und sechzehn – textsicher ausrastet, sondern darüber hinaus nennenswert viele Mitglieder des bei solchen Angelegenheiten üblichen Begleitpublikums.

Mütter, die ihre Töchter singend und wild gestikulierend antanzen, dass es dem Nachwuchs fast peinlich scheint. Väter, deren Köpfe im Takt wippen, während ihre Lippen bei der Collage-Rocknummer „Wie ich bin“ die Worte „so jung, so laut, so leicht“ formen. Für ihre Prinzessinnen speichern sie das gesamte (!) Konzert aufs Telefon. Sogar als Lina die Menge bittet, „steckt wenigstens für zwei Lieder eure Handys weg, ich weiß, wie schwer das ist“, filmt Papa heimlich weiter. Und dokumentiert, wie zu Linas Kika-Gewinnerlied „Freaking Out“ der begeisterte Fan-Kinderchor dezibelmäßig die Sound-Anlage dominiert.

Es hat etwas im besten Sinne Rührendes, wenn Mädchen, die vielleicht neun oder auch schon elf sind, lauthals Zeilen singen wie: „So wie du für mich brennst, brenn’ ich nicht für dich, doch dieses Mädchen mag das Feuer“. Oder: „Ich hätte niemals gedacht, dass eine einzige Nacht ohne dich sich so komisch anfühlt“. Sogar zwei Gaststars von Linas Debütalbum „Official“ sind da. Aaron Lovac von der (ebenfalls von Hoffmann produzierten) Brüder-Popband 3A singt, tanzt und rappt. Tilman Pörzgen wiederum, der im jüngsten „Bibi und Tina“-Abenteuer den französischen Austauschschüler François darstellt, fordert alle auf, sich hinzusetzen – nur, um im Refrain des gleichnamigen Duetts gen Hallendecke zu „Fliegen“.

Linas zweites gemeinsames Lied mit Pörzgen enthält den wunderschönsten Pop-Poesie-Album-Spruch des Abends: „Irgendwann macht irgendwo die Welt für uns Platz. Und dann ist da unser Platz.“ Das Leben ist offen. Noch ist keine Entscheidung gefallen, die andere Richtungen verbaut. Der Himmel strahlt blau und ist die einzige Grenze. Kein Wunder also, dass die Mehrheit im Raum „Unser Platz“ am Ende erneut mitsingen will und darf – als das Repertoire nach gut 70 Konzertminuten erschöpft ist, jedoch überhaupt niemand aufhören mag.

Von Mathias Wöbking

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