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Laden auf Zeit feiert Rückkehr mit Premiere der „Geschichte vom einsamen Selb“

Theater Pack Laden auf Zeit feiert Rückkehr mit Premiere der „Geschichte vom einsamen Selb“

Der Laden auf Zeit ist zurück. Nach monatelanger Zwangspause hat das Theater Pack am Samstagabend mit der Premiere der „Geschichte vom einsamen Selb“ zugleich die Rückkehr der Off-Bühne gefeiert. Regie führt Frank Schletter, auf der Bühne brilliert Julie Seifert. Die Vorlage hat Jens-Paul Wollenberg geschrieben.

Brillant: Julie Seifert in „Die Geschichte vom einsamen Selb“.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Der Osten wird unterschätzt. Auch in dieser Stadt. Doch hier geht einiges. Das Theater Pack um den unglaublich kreativ-agilen Theatermacher Frank Schletter eröffnet zum zweiten Mal in der Kohlgartenstraße 51 eine eigene Off-Bühne. Der Eckladen ist allenfalls bedingt theatertauglich, doch gerade in solch einem Umfeld können unkonventionelle Ideen Raum gewinnen. Die Premiere der Spielstätte wurde am Samstagabend standesgemäß auch mit einer Stückpremiere gefeiert. „Die Geschichte vom einsamen Selb“ ist die Adaption eines Textes aus der Feder von Jens-Paul Wollenberg, bestens bekannt in dieser Stadt als apokalyptischer Chansonnier, Autor und Faktotum.

Die Kapazität des Theaters ist begrenzt, im Auditorium bleibt bei knapp 50 Gästen kein Platz mehr frei. Intime Atmosphäre für eine faszinierend ungewöhnliche Inszenierung, deren suggestive Kraft schon im Text wurzelt. Der spannt, vielmehr spinnt feinverästelt eine Brücke vom klaustrophobischen Surrealismus eines Franz Kafka über den wuchtigen Existenzialismus des reifen Albert Camus bis zu den raffiniert querdenkenden, lustvollen Wortklaubereien von Wolfgang Krause Zwieback. Ein Selbst auf der Suche nach eben diesem, die Einsamkeit einer verlorenen, ganz auf sich geworfenen Existenz in einer Mansardenwohnung. Jeder Versuch, daraus auszubrechen, endet immer wieder an den unsichtbaren Grenzen eines in sich geschlossenen Kosmos.

Bühne frei für das verschachtelte Unterbewusste

Regisseur Schletter macht aus dem 2003 veröffentlichten, eigentlich deutlich längeren, jedenfalls nicht leicht verdaulichen expressionistischen Text ein Ein-Personen-Stück. Doch das ist keine szenische Lesung, schon gar kein schauspielerisch dankbarer Monolog. Vielmehr brilliert die Mimin Julie Seifert souverän, wenn auch etwas martialisch geschminkt, bei der höchst undankbaren Aufgabe, ein verschachteltes Unterbewusstes zwischen klassischer Schizophrenie und multipler Persönlichkeitsspaltung reales Schauspiel werden zu lassen. Sind wir nicht alle in uns gefangen, ist nicht unser gesellschaftlich agierendes Ich nur die Spitze eines Eisbergs, unter dessen glattpolierter Oberflächlichkeit wir es schmerzhaft mit uns selber aushalten müssen?

Das Bühnenbild ist ebenso phantasievoll-sparsam wie aufführungspraktisch effektiv. Genau, wie es der Text braucht und der Raum hergibt. Schönes Schlussbild: Das Selbst, schwer verstört ohnehin und uneins mit dem eigenen Spiegelbild, greift zum finalen Strick – um den einladend geknüpften Knoten schließlich zu einer Schaukel aufzulösen und sich in ein ungewisses Weiter zu schwingen. Black. Heftiger Applaus, der neben Darstellerin und Regisseur ausdrücklich auch dem sichtlich bewegten Autor gilt. Hoffentlich ein gutes Omen für diese mutige Theaterunternehmung.

Weitere Aufführungen der „Geschichte vom einsamen Selb“: Freitag und Samstag, jeweils 19 Uhr, Laden auf Zeit (Kohlgartenstraße 51), Karten für 10/7 Euro: 0157 71369895 oder kontakt@theaterpack.com

Von Lars Schmidt

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