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„Lebendige Charaktere waren mir immer wichtig“

Steffen Mohr 75 „Lebendige Charaktere waren mir immer wichtig“

In Leipzig kommt man kaum an ihm vorbei: Steffen Mohr liest in Kirchen, Bibliotheken, Clubs. Er ist Mitbegründer der „Freien Literaturgesellschaft Leipzig e.V.“, beim sächsischen Literaturfrühling präsent und schreibt im „Sachsen Sonntag“. Am 24. Juli feiert Mohr seinen 75. Geburtstag, allerdings nicht in Leipzig.

Feiert seinen 75.: der Leipziger Krimiautor Steffen Mohr.

Quelle: Archiv

Leipzig. In Leipzig kommt man kaum an ihm vorbei: Steffen Mohr liest in Kirchen, Bibliotheken, Clubs. Er ist Mitbegründer der „Freien Literaturgesellschaft Leipzig e.V.“, beim sächsischen Literaturfrühling präsent und schreibt im „Sachsen Sonntag“. Seit einigen Jahren lässt er seinen Pater Thomas „im Auftrag des Herrn“ ermitteln. Der Krimiautor hat ein paar Semester Theologie, dann Theaterwissenschaften und Literatur studiert. Am 24. Juli feiert Mohr seinen 75. Geburtstag, allerdings nicht in Leipzig. Warum nicht – das sagt er im Interview.

Wäre Ihr Leben ein Kriminalroman – wie hieße er?

Frei nach Edgar Allan Poe: „Das verräterische Herz“. Gewidmet allen verflossenen Frauen, sowie meiner Kardiologin.

Und als Komödie?

„Ende gut, alles gut“.

Sie sind Theaterwissenschaftler und haben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig studiert – was war damals Ihr Plan?

Theaterregisseur wollte ich werden, wie Benno Besson. Ab dem zweiten Schuljahr probierte ich mich ja damit aus und stellte „Draußen vor der Tür“, „Leonce und Lena“ und eigene Schwänke auf die Bühne. Mein eigenes Schreiben bewertete ich trotz massiven Papierverbrauchs lange nicht als druckreif. Ans Literaturinstitut ging ich, um mehr Schreib-Zeit und ein gutes Stipendium zu gewinnen. Studieren, das war mir immer klar, kann man das Literaturmachen nicht, etwa so wie die Medizin. Bessons Lob und die Wut auf Peter Hacks, der mir Unfähigkeit bescheinigte, motivierten mich, nach etwa zehn Jahren Schriftsteller zu sein.

Ihr erster Krimi ist 1966 erschienen. Wie haben sich das Genre und der Markt verändert – zunächst einmal inhaltlich?

In der DDR zählten der reale Krimi und die heldenhafte Volkspolizei. Das unterlief der Verlag Das Neue Berlin mit dem ersten Krimi ohne Vopo, also meinen „Blumen von der Himmelswiese“. Lebendige Charaktere waren mir, wie anderen Krimikollegen auch, immer wichtiger, als schießwütige Handlungen. Heutzutage glauben leider zahlreiche Schreiber und Schreiberinnen, die Steigerung der Brutalität und stinkende Eingeweide machten einen Krimi spannend.

Und stilistisch? Inzwischen gilt dieses schwer zu meisternde Genre ja als Einstiegstor ins Literarische Schreiben.

Die Frage verrät bereits, dass die Ärmsten nichts mitzuteilen haben, aber Aufsehen erregen wollen.

Gäbe es den perfekten Mord – würden Sie’s tun?

Einmal versuchte ich aus Eifersucht eine geplante Tötung. Mitten in der Ausführung der Tat hielt mich eine innere Stimme davor zurück. Gott? Gewissen?

Sie sind vor 75 Jahren in Leipzig geboren – waren Sie mal weg?

Einige Jahre lebte ich im der Literatur unholden Dresden, anderthalb Jahre im für mich menschenleeren Berlin, wo ich einen Fernsehposten, aber keine Freunde fand.

Was an dieser Stadt würden Sie nie vermissen wollen? – und worauf könnten Sie sehr gut verzichten?

Ja, ich bin und bleibe Leipziger! Hier liegt der Kosmos der Literatur auf der Straße. Auch in der Red Bull Arena, weniger im Betonklotz St. Trinitatis.

Sie schreiben Bücher und regelmäßig eine Kolumne und sind in Leipzig oft live zu erleben, was ist Ihnen wichtiger: der Schreibtisch oder die Bühne?

Ich esse, trinke und schreibe seit eh am Küchentisch. Die Bühne nutze ich für Ausflüge, um meine Leser persönlich kennenzulernen – und mit der Gitarre zu erfreuen.

Gibt es ein Thema, über das Sie nie schreiben würden?

Porno und Politikintrigen. Beides finde ich gleichermaßen langweilig.

Woran arbeiten Sie gerade?

Seit über einem Jahrzehnt an einem Roman über den qualvollen Tod meiner 16-jährigen Tochter an einem Hirntumor . Sonst jede Woche ein Rätselkrimi. Das werden inzwischen knapp 1000 Kurzgeschichten sein.

Wo feiern Sie Ihren Geburtstag?

Aus Kostengründen auf Sri Lanka. Denn lädst du 10 Freunde ein, werden daraus bald 50.

Und welches Buch nehmen Sie mit in den Urlaub?

Einige Kriminalmagazine von Hitchcock, sowie die leicht erzählte Philosophie des Argentiniers Jorge Bucay „Komm, ich erzähle dir eine Geschichte“. Außerdem das vierjährige Wahl-Enkelkind Ciara, deren Spracherfindungen mich ständig überraschen.

Interview: Janina Fleischer

Zuletzt erschienen: Steffen Mohr: Pater Thomas ermittelt im Auftrag des Herrn – Neue himmlische Kriminalfälle. St. Benno-Verlag; 80 Seiten, 7,95 Euro

Steffen Mohr

Steffen Mohr: Pater Thomas ermittelt im Auftrag des Herrn – Neue himmlische Kriminalfälle. St. Benno-Verlag; 80 Seiten, 7,95 Euro

Quelle: Verlag

Von Janina Fleischer

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