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Lebensträume als Luftgitarrenspiel: Premiere des Schauspiel-Clubs ü31

„Wie das Leben so spielt“ Lebensträume als Luftgitarrenspiel: Premiere des Schauspiel-Clubs ü31

An einer Stelle seiner „Duineser Elegien“ spricht Rilke davon, dass „die findigen Tiere“ es längst merken, dass wir, die Menschen, „nicht sehr verlässlich zu Hause sind / in der gedeuteten Welt“. Ein Satz, der einem einfallen mag, sieht man jetzt die neue Inszenierung des Schauspiel-Club ü31 „Wie das Leben so spielt …“ Am Mittwoch war Premiere.

Auf der Ich-Suche: Club ü31 auf der Hinterbühne des Schauspiel Leipzig.
 

Quelle: Rolf Arnold/Schauspiel

Leipzig.  In Rilkes „Duineser Elegien“ gibt es diese hübsche Stelle, die davon spricht, dass „die findigen Tiere“ es längst schon merken würden, dass wir, die Menschen, „nicht sehr verlässlich zu Hause sind / in der gedeuteten Welt“. Ein Satz, der einem einfallen mag, sieht man jetzt die neue Inszenierung des Schauspiel-Club ü31 „Wie das Leben so spielt …“ (Leitung: Tilo Krügel und Hartmut Neuber). Am Mittwoch gab es die Premiere auf der Hinterbühne.

Und die betritt dann eben erst einmal ein knuffiges Goldbärchen. Ganz gewiss ein „findiges Tier“ – merkt man schon daran, wie still amüsiert und neugierig es immer wieder jene Laiendarstellertruppe beobachtet, die in „Wie das Leben so spielt …“ ja genau das macht: „Leben“ spielen. Verschiedenste biographische Bruchstücke zur, so der Untertitel des Ganzen, „Bastelbiographie“ montieren.

Das eigene Leben und das der Anderen. Was bleibt, hat man, wie weit auch immer, die Grenze des 30. Lebensjahrs überschritten, von den Erwartungen und Träumen, die man gehabt hat? Wie setzen sich Biographiemuster zusammen aus Desillusionierung und Erfüllung? Wie verlaufen die Spielfeldlinien zwischen dem schmalen Pfad des individuellen Suchens und dem Mittraben auf den ausgetretenen Wegen gesellschaftlicher Normierungen?

Was ist das eigentlich überhaupt, dieses „Ich“?

Die Spielanordnung nun, nach der hier diesen Fragen nachgegangen wird, ist dramaturgisch ungefähr so schattenhaft wie jene Bühnenbildprojektion, die irgendwas zwischen Brettspielmuster und Atom-Modell oder auch was ganz anderes darstellen mag. Aber das ist eh Wurscht, denn was die Inszenierung vor allem reizvoll macht, sind die Momente, in denen die Darstellerinnen und Darsteller (43 an der Zahl) Zeugnis ablegen. Indem sie erzählen von dem, was (ihr) Leben ist. Die Szenen, in denen sie als Individuen heraustreten aus Chor und Choreografie. Darüber sprechend, wie verdammt kompliziert das eigene Innenleben manchmal sein kann. Und dass das Klarwerden darüber, was das überhaupt eigentlich ist, dieses „Ich“, wahrlich nicht die einfachste der Übungen ist.

„Wie das Leben so spielt …“ zeigt Lebensträume als Luftgitarrenspiel – und tatsächlich schweben einmal einigen Spielern ihre Luftballon-Luftgitarren davon (ein schönes Bild). „Seit 50 Jahren gibt es jeden Sonntag Pflaumenkuchen“ moniert herrlich genervt eine ältere Dame, eine andere spricht von der Anstrengung dieses lebenslangen Rollen-Switchens zwischen Frau und Muttersein. Dazu gibt es schönste Songfetzen von Bob Dylan, Townes van Zandt, David Bowie oder den Rolling Stones …

All das verfügt sich, mal holpriger, mal fließender, mal dramaturgisch grobmotorisch, mal szenisch stringent, zu einem Lebens-Spielreigen. Zu einem Theater der Verortung, einer im unmittelbarsten Sinne Lebens- und Weltdeutung. Wie verlässlich indes darin die Menschen hier zu Hause sind – das nun, weiß wohl wirklich nur der Bär.

„Wie das Leben so spielt ... eine Bastelbiographie“, weitere Vorstellungen Montag und Dienstag, je 19.30 Uhr, Hinterbühne des Schauspiels (Bosestraße 1), Karten für 9/5 Euro: 0341 1268168

Von Steffen Georgi

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