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Lehrstunde in Selbstliebe: Jennifer Rostock im ausverkauften Haus Auensee gefeiert

Konzert Lehrstunde in Selbstliebe: Jennifer Rostock im ausverkauften Haus Auensee gefeiert

Ein Ton, der Einsatz des Schlagzeugs – und sie ist da: Jennifer Weist. Mit ihrer Rock-Band Jennifer Rostock hat sie am Freitag im ausverkauften Leipziger Haus Auensee ein Konzert geliefert, das durch die Decke ging.

Jennifer Weist, 30, im Haus Auensee.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig.  Ein Ton, der Einsatz des Schlagzeugs – und sie ist da. Jennifer Weist, Frontsängerin der Rock-Band Jennifer Rostock, kann die Bühne gar nicht unauffällig betreten, sie schlägt mit ihrer Präsenz ein wie ein musikalischer Meteorit.

Das neue Album „Genau in diesem Ton“ haben die fünf Musiker am Freitagabend im vollen Haus Auensee vorgestellt. Hochgeschnittene Shorts, ein kurzes Oberteil mit Pailletten-Splittern besetzt und silbern glitzernde Fransen um die Taille – ihre Tattoos komplettieren das typische Outfit und unterstreichen ihre Persönlichkeit. Diese Frau ist ganz mit sich im Reinen und kommuniziert das mit bestechender Selbstverständlichkeit: „Ich stehe jeden Morgen vor dem Spiegel und denke mir: geil!“

Jennifer Rostock im Haus Auensee

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Diese Selbstliebe versucht sie vor allem ihren weiblichen Fans näher zu bringen, die sie dafür laut kreischend bejubeln. In punkto Performance steigt sie mit der ersten Nummer gleich hoch: „Baukräne“, vom neuen Album. Eine schnelle, laute Rocknummer, die mit ihrem Text punkten könnte, wenn die kaskadenartig herausbrechenden Phrasen besser verständlich wären und nicht gegen Schlagzeug und Bass ankämpfen müssten. Trotzdem merkt man der Band die lange gemeinsame Geschichte an: Zehn Jahre werden es, und auf der Bühne bewegen sich die Mitglieder symbiotisch zwischen den Liedern und in der Musik, wollen der Frontröhre die Publikumsaufmerksamkeit nicht streitig machen und bilden den passenden Rahmen, in dem sie musikalisch aufgehen kann.

Eine Frau der Extreme

Sie ist eine Frau der Extreme – mal tritt sie mit der Stärke eines Mannsweibs auf, singt (oder schreit?) sich bei „I Love You But I’ve Chosen Dispo“ die Seele aus dem Leib, um sich dann wieder in laszive Bewegungen aufreizender Weiblichkeit fallen zu lassen. Beim Applaus und Zuspruch ihrer Fans holt sie sich ihren Kick, berauscht sich regelrecht daran.

Auch bei den älteren Songs geht der Sound durch die Decke, und das aufgekratzte Publikum geht voll darauf ein. Eine passende Zäsur bildet eine Unplugged-Sequenz, die die Band auf einem kleinen Podium in der Menge einschiebt. Die Nähe zu den Fans und die kurze Pause lassen Jennifer Weist wieder zu Atem kommen, und so bilden die folgenden zwei Nummern den musikalischen Höhepunkt: „Irgendwo anders“ und „Jenga“. Die Thematik beider Lieder ist ähnlich – Entfremdung und Auseinanderleben. Und endlich kommt ihre starke Stimme zu Geltung, steht im Mittelpunkt. Sie kann die Melodien ruhiger aussingen, ohne zu viel Kraft zu verschleudern, und gibt so den Texten ihre Bedeutung. Die sind nämlich so auch viel besser verständlich und keineswegs seichte, jammernde Liebeskummerzeilen, sondern sprachlich komplex aufgebaut, durch ihre Vorliebe für leicht veränderte Metaphern oder Zeugmata. Die Tiefe im Text unterstreicht sie mit ihrer warmen, manchmal rauen Stimme.

Politik und Tanz

Nach dieser Verschnaufpause und einem Pfeffi, um die trockene Kehle anzufeuchten, dreht die Band nochmal richtig auf. Gegen Ende ist die Stimmung nicht mehr zu halten, nachdem das Publikum bei der Vorband Jupiter Jones nur langsam warm geworden war. Schade, dass so eine starke deutsche Band nur zum Anheizen auftritt, denn ein eigenes Konzert mit ruhigen Liedern würde den Jungs um Sven Lauers vielschichtige Stimme deutlich besser gerecht.

Zwischen den Zugaben macht sich Jennifer Rostock noch einmal für Toleranz und Offenheit und gegen Nazis stark, verweist auf die Wichtigkeit der Wahlen und schwenkt symbolhaft die Regenbogenflagge. Jeder andere Künstler würde wohl seine Ernsthaftigkeit mit der Kombination politischer Meinungskundgebung und ironisch-erotischer Tanzeinlagen verlieren, aber dafür ist Jennifer Weist zu sehr Rampensau, als dass sie sich auf einen Aspekt reduzieren ließe. Und das zeigt sie am Ende nochmal eindrucksvoll mit „Hengstin“, bevor sie energiegeladen von der Bühne tänzelt.

Jennifer Rostock kehren im Sommer in die Region zurück: Konzert am 12. August, 19 Uhr, Freilichtbühne Peißnitz (Halle), Karten für 39,55 Euro unter anderem in den LVZ-Geschäftsstellen, unter 08002181050 und www.lvz-ticket.de.

Von Katharina Stork

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