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Leichen im Keller: „Shakespeares Tote“ beim Figurentheater-Sommerfest

Lindenfels-Westflügel Leichen im Keller: „Shakespeares Tote“ beim Figurentheater-Sommerfest

Freitag und Samstag gab es im Westflügel ein kleines Festival, bei dem zwischen Budenzauber und Theater, Rummelplatz und Kunst, mit professionellen Scharlatanen und Kellerzombies nicht nur der Sommer, sondern auch der Westflügel selbst ein wenig gefeiert wurde. Samt Leichen im Keller. Aber nicht irgendwelchen – vielmehr „Shakespeares Toten“.

Ein offensichtlich englischer Geist im Westflügel-Keller.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Anlässlich des 400. Todestages des unsterblichen Großmeisters hat nämlich der Westflügel eine kleine, repräsentative Schar aus dem ja doch recht großen Leichenberg, den Shakespeare in seinen Stücken angehäuft hat, reanimiert. Und das eben im hauseigenen Kellergewölbe.

In kleinen Gruppen zuckelt man per Fahrstuhl hinab in diesen Hades, in dem sogleich muffige Feuchte und wabernder Kunstnebel eine glückliche Allianz eingehen und man im Schummerlicht von einem wenig vertrauenerweckenden Hohepriester empfangen wird. Pater Laurence aus „Romeo und Julia“ soll’s sein – tatsächlich aber ist es wohl doch eher Falstaff, der als diabolischer Schmierenkomödiant von Leib und Blut des göttlichen William kosten lässt und dann die mutigen Gläubigen so gestärkt auf die Reise ins Kellerloch schickt: Durch die enge Tür, rein in die „Mausefalle“ – und dann immer den kleinen roten Lichtern nach.

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Beim Sommerfest des Figurentheaters im Lindenfels Westflügel sind am Wochenende „Shakespeares Tote“ zu Leben erwacht.

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So tastet man dahin. Durch ein fahl beleuchtetes Labyrinth aus Klängen und Erscheinungen und rätselhaften Artefakten. Stumme, bleiche Gestalten treten aus dunklen Winkeln und verschwinden wieder in selbigen. Man streift „Julias Krypta“, in der ein leeres, von Kerzen umringtes Bett steht, über dem Romeos Geist schwebt (mit der Stimme Klaus Kinskis, was die Sache nicht anheimelnder macht). Danach, im dunklen Gang, streift einem etwas die Schulter (ein Wesen aus „Titanias Wald“?), und bald sitzt man selbst „Im Bett mit Macduff“, während einem durch die Gitterstäbe eines Käfigs am Boden ein keifendes Wesen nach den Füßen grabscht. Macbeth, das Menschenmonstrum, oder doch eher die Naturgeistkreatur Caliban?

Denn neben dem gutgelaunten Grusel, dieser kichernden Nervenanspannung bei hochgefahrener Sinneskonzentration in Kellerdunkel und fahlem Geisterleuchten, ist der andere große Reiz an „Shakespeares Toten“, selbige zu erkennen, sie zu verorten in ihren jeweiligen Stücken. Das gelungene Gruselspiel ist auch ein gelungenes Vexierspiel. Die Stationen-Namen für die Unterweltexkursion geben mal mehr, mal weniger vage Hinweise zur Dechiffrierung. „Mausefalle“ ist da noch leicht, das Stück im „Hamlet“-Stück heißt so und verweist im Westflügel recht clever auf den doppelten Boden dieser Kellergeisterbahn. Und wo auch noch „Julias Krypta“ im Licht relativer Eindeutigkeit leuchtet, ist das bei „Shylocks Labor“ schon etwas diffuser. Bei der Station „Die Eule & die Lady“ ergibt es Sinn, die Königsmordnacht aus „Macbeth“ im Kopf zu haben, aber ob es wenig später wirklich die leichenbleiche Ophelia ist, die einen heranwinkt, ihr die Füße zu waschen, vermag man nicht wirklich zu sagen.

Denn Orientierung und Denken lösen sich zunehmend auf in dieser spinnwebhaft assoziierenden Unterwelt. Und kurz bevor man aus dieser wieder heraustritt, senkt sich dann auch noch eine Riesenspinne auf einen herab – was dann freilich doch eher Jack Arnold als Shakespeare ist. Macht indes überhaupt nichts: „Herrlich! Ich hab mich krass erschreckt!“, jubelt ein wieder über Tage erscheinender Zuschauer. Womit „Shakespeares Tote“ ihre Aufgabe bestens erfüllt haben. Wieder mal.

Von Steffen Georgi

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