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Leipzig feiert Max-Reger-Festjahr mit spannenden Höhepunkten

Regers Vermächtnis Leipzig feiert Max-Reger-Festjahr mit spannenden Höhepunkten

Anlässlich seines 100. Todestages initiiert das Leipziger Kulturdezernat gemeinsam mit anderen städtischen Institutionen das Max-Reger-Gedenkjahr 2016. Damit wird der Komponist in die Kette der Jubiläen seit 2009, zum Beispiel Mendelssohn, Schumann und Wagner, eingereiht. Eröffnet wird das Programm am 22. Januar.

Max Reger, ein bedeutender Komponist, der knapp 13 Jahre bis zu seinem Tod am 11. Mai 1916 in Leipzig wirkte.

Quelle: dpa

Leipzig. Heutzutage führt er ein eher randständiges Dasein. Obwohl der Komponist Max Reger zu Beginn des 20. Jahrhunderts als eine Art Superstar gefeiert wurde, fällt der Nachhall seiner Orgel-, Chor-, und Kammermusik weit verhaltener als bei Bach oder Beethoven aus. Am 11. Mai 2016 jährt sich sein Todestag zum 100. Male.

Da Reger immerhin knapp 13 Jahre in Leipzig als Leipziger Universitätsmusikdirektor und Professor am Konservatorium wirkte und zeitweise wohnte, hier „Herzblutwerke“ komponierte und große Erfolge feierte, avancierte er zur „Ausnahmeerscheinung“ der Messestadt. Daher ruft das Kulturdezernat mit dem Gewandhaus, der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ (HMT) und anderen Einrichtungen, ein Festjahr für Reger aus. Schirmherr ist der ehemalige Gewandhauskapellmeister Herbert Blomstedt, der am 19. und 20. Mai die Großen Concerte und damit das Finale der Festtage dirigieren wird.

Reger ist Leipzig und Leipzig ist Reger

Mit Reger führt Leipzig die Jubiläumskette fort, mit denen die Stadt Persönlichkeiten bedenkt, die aus dem kulturellen Leben Leipzigs nicht mehr wegzudenken sind, fort. „Es gilt, Regers Kompositionen wieder zu dem Ansehen zu verhelfen, das ihnen angemessen ist“, sagt Kulturbürgermeister Michael Faber. Leipzig sei Reger und Reger sei Leipzig. „In jedem Fall ist er eine starke Künstlerpersönlichkeit, die das Leipziger Konservatorium wie kein anderer Komponist zu Beginn des 20. Jahrhunderts prägte“, pflichtet ihm HMT-Direktor Martin Kürschner bei.

Offizieller Auftakt des Reger-Jahres werden die beiden Eröffnungskonzerte am 22. und 23. Januar in der Hochschule sein. Dieser Ort wurde nicht zufällig gewählt, denn zwischen 1907 und 1916 unterrichtete Reger dort über 200 Studenten. Eigentlich sollte am 23. Januar auch das Max-Reger-Porträt des österreichischen Künstlers Lino Vesco der Öffentlichkeit präsentiert werden: Ein dunkles Ölgemälde, das einen rundlichen Mann mit roten Pausbäckchen zeigt, der in einem dunkelbraunen Ledersessel sitzt und in der linken Hand lässig eine Zigarre hält.

Reger Bildnis wird noch auf Unsicherheitsfaktoren getestet

Faber hatte das auf 1903 datierte Porträt „Bildnis Max Reger“ im Dezember 2014 privat als „Lustreisender“ auf einer Auktion in Wien ersteigert und später dem Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig übergeben. Nun ist aber nicht mit 100-prozentiger Sicherheit geklärt, ob es sich dabei wirklich um Reger handelt oder ein unbekanntes Bürgerporträt.

Volker Rodekamp, Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums, prüft gerade sorgsam alle Unsicherheitsfaktoren – auch in Kooperation mit Münchner und Frankfurter Museen. Zum Beispiel: „Einzelne Gesichtsproportionen und die Hände gleichen nicht den gewöhnlichen Fotografien von Reger“, so Rodekamp. Auch sei Reger zum Beispiel relativ leger, ohne Fliege oder Krawatte, gekleidet, was nicht dessen pedantischem Naturell entspreche.

Lange Reger-Orgel-Nacht und 30-Reger-Orte entdecken

Auch ohne dieses Sahnehäubchen erwarten Besucher vom 8. bis 20. Mai spannende Tage mit 45 Programmpunkten. An Regers Sterbeort in der damaligen Roßstraße/Ecke Roßplatz wird eine Gedenktafel enthüllt. Außerdem wird in Anlehnung an lange Nächte der Wissenschaft und Museen eine eintrittsfreie „Lange Reger-Orgel-Nacht“ in allen Stadtkirchen ausgerichtet. Mit Interessierten der Schwarzen Szene wird gerechnet, die zu dieser Zeit das Wave-Gotik-Treffen besuchen. „Wir möchten mit einer mitreißenden, nicht konfliktfreien Musik möglichst viele Menschen erreichen, den großen Komponisten neu zu entdecken“, erhofft sich David Timm, künstlerischer Leiter des Reger-Festjahres.

Auch bei Rundgängen können Interessierte 30-Reger-Orte in der Innenstadt aufspüren. So befand sich seine erste Wohnung in Leipzig 1907 in der Schützenstraße 4a, ehemals Felixstraße 4. Und 1907 und 1908 dirigierte er die Sommerfestkonzerte der Pauliner in der Kongresshalle am Zoo.

Tiefsinnige Werke auch für Streicher auf CD festgehalten

Das Programm, das Orte in und außerhalb Leipzigs einschließt, ist ebenso vielfältig und tiefsinnig wie das Werk des Meisters selbst. Der pausenlose Erschaffer polyphoner Klangwelten zwischen Spätromantik und Moderne hinterließ der Nachwelt fast 150 gezählt und mehr als 160 ungezählte Werke – davon 43 Orchesterkompositionen.

Einer anderen Seitennische widmet sich die Konzertreihe „Kennen Sie Max Reger?“ am 9. Mai. Dann wird Sololiteratur für Streicher einem CD-Release-Konzert vorgestellt. Die Titel können auf drei neuen CDs vom Klassiklabel querstand im Handel erworben werden. Insofern lebt Regers Vermächtnis auch auf diesen Tonträgern weiter.

Von Melanie Steitz

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