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„,Leipzig liest’ ist ein Fest der Demokratie“

Eröffnungs-Pressekonferenz der Buchmesse „,Leipzig liest’ ist ein Fest der Demokratie“

Gute Zahlen und weniger gute Nachrichten gab es gestern Mittag bei der Eröffnungs-Pressekonferenz der Leipziger Buchmesse. (23.–26.März). In der geht es um etwas Wirtschaft, reichlich Politik und viel Literatur.

Noch kann man Logo der Leipziger Buchmesse erkennen, ab Donnerstag sind die Treppen in der Glashalle voller Menschen..

Quelle: dpa

Leipzig. Gute Zahlen und weniger gute Nachrichten gab es am Mittwochmittag bei der Eröffnungs-Pressekonferenz der Leipziger Buchmesse. (23.–26.März). In der geht es um etwas Wirtschaft, reichlich Politik und viel Literatur. Wachsende Ausstellerzahlen vermeldet Messe-Geschäftsführer Martin Buhl-Wagner, 2493 sind es in diesem Jahr, 2250 waren es 2016. Auf etwas mehr Fläche, nämlich 104 700 Quadratmetern stellen sie ihre Neuheiten vor. Unter den erwarteten rund 260 000 Besuchern auf der Messe und bei „Leipzig liest“ sind etwa 60 000 Fachbesucher. Denn, so Buhl-Wagner, zum Leistungsversprechen der Messe gehört „eine starke Besucherpräsenz“.

Stolz sind er und Buchmessedirektor Oliver Zille auch deshalb, weil es nicht selbstverständlich ist, mit Literaturvermittlung bleibenden Erfolg zu haben. Dass das in Leipzig gelingt, verbinden beide damit, dass die Buchmesse nicht allein Fachmesse und Branchenbarometer, sondern eine Innovationsschau ist. Sie machen es beispielsweise fest an neuen Plattformen wie dem Startup-Village „Neuland 2.0“, dem Pilotprojekt www.literatur-intermezzo.de oder Social-Media-Aktionen wie #autorenshelfie. Wobei, so sichtig Zahlen für ein Unternehmen sind, das „Erlebnis Literatur“ im Zentrum steht. Dem dient eine „erweiterte Besucherführung“, zu der Sicherheitskontrollen ebenso gehören wie mehr Bewegungsfreiheit innerhalb des „Festivalgeländes“ durch mehr Ein-, Aus- und Übergänge. Wer schon eine Karte aus dem Vorverkauf hat, erhält direkten Zutritt zu den Hallen und muss nicht durch das Nadelöhr Haupteingang.

Für den Börsenverein des Deutschen Buchhandels sitzt Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis auf dem Podium. Auch er hat Zahlen, wenngleich es noch vorläufige sind: 2016 gab es 0,8 Prozent Umsatzwachstum im Buchhandel. „Wir betrachten das als Erfolg.“ Der Anteil der E-Books daran ist von 4,5 auf 4,6 Prozent gestiegen. Allerdings gebe es einen Wermutstropfen: der Umsatz in den Buchhandlungen vor Ort ist um 1,3 Prozent zurückgegangen. Es kommen einfach weniger Menschen in die Läden. Viele Einzelhändler berichteten von einem „Frequenzrückgang“ in den Innenstädten. Woraus Skipis die Forderung an die Kommunalpolitiker ableitet: für attraktive Innenstädte zu sorgen mit Geschäften, die erreichbar und bezahlbar sind.

Ansonsten aber laufe es gut in der Branche, weil „Digitalisierung als Chance verstanden“, viel investiert und viel verändert wurde. Nahezu jede Buchhandlung habe inzwischen ein online-Angebot, „Wir können sagen: Wir können Buch“. Und zwar gedruckt wie digital.

Was wir nicht können, ist Urheberrecht, womit er zu den schlechten Nachrichten kommt. Der Börsenverein unterstützt den Appell der Autoren und Verlage für Publikationsfreiheit, denn die aktuellen Reformpläne der Bundesregierung stellen den Wert von Bildungs- und Wissenschaftsmedien in Frage. Wenn beispielsweise 25 Prozent eines Lehrbuchs kostenlos kopiert und vervielfältigt werden dürften, ohne die Rechte von Autoren und Verlagen zu bewahren, „kann das für den Wissenschaftsstandort Deutschland zum Problem werden“.

Engagement fordert Skipis auch für die Meinungsfreiheit, eine „Essenz unseres Seins in der Buchbranche“ und „nicht verhandelbar“. Er nennt sie „ein Indiz dafür“, in welchem Zustand sich ein demokratischer Staat befindet. und spricht von einem „Skandal, was sich die Türkei erlaubt“, beispielsweise die Autorin Asli Erdogan an einem Besuch der Buchmesse zu hindern. Sie soll morgen, 13.30 Uhr, via Skype auf dem „Blauen Sofa“ dabei sein. „Die Türkei ist auf dem Weg in einen totalitären Unrechtsstaat mit einem Diktator Erdogan“, sagt Skipis und fordert die Freilassung des deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel sowie „Schluss mit der Verfolgung von Autoren wie Asli Erdogan!“. Nun gehe es darum, Haltung einzunehmen, Stärke zu zeigen, Solidarität zu üben.

Politik wird diese Buchmesse streifen und prägen, sowohl, wenn sich Autoren oder auch bildende Künstler aus Litauen vorstellen, als auch, wenn es um „Europa 21“ geht, einen weiteren Schwerpunkt der den Fokus auf uns selbst richtet. Gestern Abend hat Mathias Énard im Gewandhaus den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung entgegengenommen. Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke ist „froh, ein belletristisches Werk“ auszuzeichnen und würdigt den Roman „Kompass“ als „das Buch der Stunde“, weil der französische Schriftsteller „auf sinnliche Art und Weise vor Augen führt, wie eng unsere Kulturen“, Orient und Okzident, verbunden sind. Das die Buchmesse begleitende Lesefest „Leipzig liest“ nennt sie „ein Fest der Demokratie“.

Das Gute zu bewahren und Neues zu entwickeln ist für Oliver Zille das Credo bei der Weiterentwicklung seiner Buchmesse. „Wir tun das eine ohne das andere zu lassen.“ Seine drei Höhepunkten dieser Buchmesse sind „Neuland 2.0“ (morgen und Samstag in halle 5), die Kunst-Premiere mit der von Verleger Gerhard Steidl kuratierten Ausstellung „Paper Dreams” (Halle 3) und das Konzert „M. K. Curlionis (1875–1911) Musikstücke für Klavier“ mit Vytautas Landsbergis am Klavier – morgen Abend in der Hochschule für Musik und Theater.

www.lvz.de/buchmesse

Von Janina Fleischer

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