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"Leipzig rockt" - Gewandhausorchester bei Europa-Tournee gefeiert

"Leipzig rockt" - Gewandhausorchester bei Europa-Tournee gefeiert

London, Paris, Wien - in diesen Musik-Metropolen präsentieren das Gewandhausorchester, sein Chefdirigent Riccardo Chailly, die Pianisten Radi Volodos und Pierre-Laurent Aimard sowie der Geiger Leonidas Kavakos und der Cellist Enrico Dido noch bis zum 7. November ihren fulminanten Brahms-Zyklus, der im Leipziger Gewandhaus bereits für Furore sorgte.

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Probe in London: Das Gewandhausorchester mit den Solisten Leonidas Kavakos an der Geige (l.), Enrico Dindo am Cello (M.) und Dirigent Riccardo Chailly.

Quelle: Dirk Steiner

"Ich freue mich immer riesig, wenn das Gewandhausorchester bei uns zu Gast ist", sagt Annikaisa Vainio-Miles und lächelt dabei breit. Das tut sie eigentlich immer. Denn Annikaisa Vainio-Miles ist verantwortlich für die musikalische Presse-Arbeit im Barbican-Center, dieser düsteren Beton-Wüstenei im Norden der Londoner-City, wo neben dem London Symphony Orchestra und hochkarätigen Gastspielen wie dem des Gewandhausorchesters auch Jazz und Pop und Rock, Theater und Musical und Bildende Kunst ihre Heimat gefunden haben. Aber beim Gewandhausorchester scheint mehr dahinterzustecken. "Doch. Wirklich. Ganz besonders", bekräftigt sie auch Nachfrage, sichtlich genervt bis beleidigt.

In der Tat ist die Beziehung des Gewandhausorchesters zum Barbican eine besondere. Spätestens seit Riccardo Chailly mit seinen Leipzigern hier vor zwei Jahren in fünf Konzerten alle Beethoven-Symphonien nebst Uraufführungen präsentierte und mit dieser glanzvollen Residenz bei Publikum und Presse Begeisterungsstürme auslöste. Damit rückte das älteste bürgerliche Orchester der Welt in die handverlesene Top-Liga jener Klangkörper auf, denen das Barbican kompakte Reihen mit inhaltlichen Schwerpunkten widmet. Die New Yorker Philharmoniker sind darunter und das Concertgebouworkest aus Amsterdam, dessen Chef Chailly war, bevor er 2005 nach Leipzig kam.

Gewandhausdirektor Andreas Schulz spricht darum beim Presse-und-Sponsoren-Empfang mit leuchtenden Augen von London als der "zweiten Heimat des Gewandhausorchesters. Hier fühlen wir uns wie zu Hause." Und darum ist der London-Teil der Residenz-Tournee anders als die Aufenthalte in Paris und Wien.

In die französische Metropole geht es nur für die zwei Mal zwei Konzerte mit dem Zug unter dem Ärmel-Kanal durch, nach Wien mit dem Flieger für vier Konzerte am Stück. In London aber hängt ungleich mehr dran: Bereits im ersten Block in der vergangenen Woche spielte zusätzlich zu den beiden Konzerten mit den ersten beiden Sinfonien, dem Doppel- und dem zweiten Klavierkonzert das Gewandhaus-Quartett in der brandneuen herrlichen Milton Court Concert Hall der Guildhall School ein Brahms-Konzert, und die Studenten der weltweit renommierten Musikhochschule hatten Gelegenheit, im Gewandhaus-Kontrabass-Meisterkurs in die Geheimnisse des so einzigartigen Leipziger Streicherklangs einzutauchen.

Ab heute folgen weitere Kammermusik-Konzerte und Meisterkurse in den Fächern Trompete, Fagott, Oboe und Schlagwerk. Dazu musizieren Gewandhäusler mit Jugendlichen aus dem Londoner Osten, gewährt Chailly Dirigierstudenten Einblicke in sein Handwerk.

Im Zentrum aber stehen die Konzerte. Gut 2000 Plätze fasst der mittlerweile leicht ranzige große Saal des Barbican Centers. Macht bei vier Konzerten mehr als 8000 Tickets, die unter die Leute gebracht werden müssen. Und das ist auch in einer Multi-Millionen-Metropole offenkundig kein leichtes Unterfangen. Im ersten Konzert sind nur rund 1600 Besucher. Aber die tragen ihre Begeisterung offenkundig in die Welt, die Hymnen in der einschlägigen Presse tun ihr Übriges. Und so ist bereits das zweite Konzert so gut wie ausverkauft, die beiden nächsten heute und morgen werden es vollständig sein.

Geoff Brown, Musikkritiker der "London Times", tat im Angesicht des Residenz-Eröffnungskonzertes etwas, was er höchst selten tut. Er vergab fünf von fünf Sternen. Nun kann man von dieser in London üblichen scheinobjektiven Benotung künstlerischer Ereignisse halten, was man mag. Five Stars jedenfalls ziehen Publikum, und sie sind in den musikinteressierten Kreisen Londons Stadtgespräch. Brown schreibt im Zusammenhang mit der Ersten von einer "monumentalen und gleichzeitig feurigen Aufführung" voll "ungeheurer Spannung und Vorwärtsdrang". Für ihn ist dies ein "kollektiver Triumph", sein Fazit: "Leipzig rockt." Auch Ivan Hewett, Browns Kollege vom "Daily Telegraph", ist begeistert. Für ihn sind Brahms und das Gewandhausorchester eine "himmlische Partnerschaft" eingegangen.

Entsprechend gelöst und enthusiasmiert gibt sich Riccardo Chailly auf der Bühne. Das Lächeln, mit dem er den donnernden Applaus an sein fabelhaftes Orchester weiterreicht, ist noch ein wenig breiter als sonst, und auch die Musiker baden sich mit Wonne und Genuss in diesem grandiosen Erfolg in der zweiten Heimat.

Natürlich sind in den Nächten nach den Konzerten in der herrlichen Sky Lounge des Double Tree Hotels, wo das Orchester abgestiegen ist, hoch über dem Tower, mit Blick auf die gleichnamige Brücke und Norman Fosters Essiggurken-Hochhaus "The Gerkin", die Gerüchte um Chaillys Verpflichtung als Chefdirigent der Mailänder Scala Thema. Zwei Meinungen beherrschen die Debatte. Erstens wäre eine mögliche Doppelverpflichtung für Leipzig kein Problem. Und zweitens sollte der Maestro diesbezüglich dringend etwas verlauten lassen gegenüber seinen Musikerinnen und Musikern.

Womit sie unbedingt recht haben. Denn dass Chailly sich so beredt bedeckt hält, mag nicht recht passen dazu, dass nicht nur die Partnerschaft zwischen Brahms und dem Gewandhausorchester, sondern auch die zwischen Chailly und dem größten Profi-Orchester der Welt "Made in Heaven" scheint. Nachzuhören am Wochenende in der Salle Pleyel in Paris, dann wieder im Londoner Barbican Center, dann erneut in Paris und ab 4. November schließlich im Goldenen Saal des Musik-Vereins in der Brahms-Stadt Wien. Danach kann sich Annikaisa Vainio-Miles wieder zwei Jahre lang freuen. Auf die nächste bereits vereinbarte Residenz des Leipziger Gewandhausorchesters im Londoner Barbican Center.

Die Sinfonien und einige Nebenwerke von Johannes Brahms mit dem Gewandhausorchester unter Riccardo Chailly sind auf drei CDs bei Decca erscheinen. Ebenso die Einspielung des Violinkonzerts mit Leonidas Kavakos an der Stradivari.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.10.2013

Peter Korfmacher

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