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Leipziger Anwalt: Trickste Unicef bei Bilderverkauf?

Leipziger Anwalt: Trickste Unicef bei Bilderverkauf?

Unicef Deutschland kann derzeit über Geldmangel nicht klagen. 43 Millionen Euro habe man mit der Versteigerung von Bildern aus der Kunstsammlung Rau in diesem Jahr bereits eingenommen, meldete das Kinderhilfswerk am 12. September.

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Verkauft: "Die Algerierin" von Corot. Das Bild gehörte zur Kernsammlung Rau.

Quelle: Kunsthalle Karlsruhe

Insgesamt seien von Mai bis Juli bei sechs Auktionen 92 Werke verkauft worden. Ein Teil des Erlöses soll nach dem Willen des 2002 verstorbenen Kunstsammlers und Arztes Gustav Rau Hilfsprojekten in Afrika zugute kommen. Bei mindestens einem der verkauften Bilder tauchen nun Fragen auf. Hätte es überhaupt abgegeben werden dürfen?

Unicef, nach eigenem Bekunden stets um größtmögliche Transparenz bemüht, gibt sich in der Pressemitteilung wolkig: "Zwei Gemälde wurden außerhalb der Auktionen verkauft - jeweils zu Preisen über dem Weltrekord."

Erst auf Nachfrage ist zu erfahren, dass es sich dabei um "Die Algerierin" von Jean-Baptiste Camille Corot (1796-1875) und "Ansicht der Hermitage, Pontoise" von Camille Pissarro (1830-1903) handelt. Für beide seien zusammen rund 16 Millionen Euro gezahlt worden, sagte Helga Kuhn, Sprecherin von Unicef Deutschland der LVZ. Der erzielte Preis liege deutlich über in diesem Jahr von Fachleuten vorgenommenen Schätzungen, übertreffe den bisherigen Auktionsrekord für Pissarro und für Corot. "Die Käufer möchten anonym bleiben", so Kuhn.

Unicef sei gebeten worden, zu den Einzelpreisen Stillschweigen zu wahren, das respektiere man. Kuhn weiter: "Ein solches Angebot kann Unicef nicht ablehnen. Unicef muss laut Satzungsauftrag die Werke zum bestmöglichen Preis verkaufen. Dies entspricht dem Willen von Dr. Rau, der Unicef seine Sammlung vermachte, um damit möglichst große, langfristige Unterstützung für Kinder zu ermöglichen."

Genau hier sind jedoch Zweifel angebracht. Rau hatte Unicef per Schenkung vom 4. September 2001 eine auf einen Wert von rund 500 Millionen Euro geschätzte Kollektion mit über 700 Kunstwerken vermacht - darunter Gemälde von Cézanne, Monet und El Greco. Eine "Kernsammlung" mit bestimmten Werken soll laut Vertrag "für die Dauer von mindestens 25 Jahren ab Unterzeichnung dieser Urkunde erhalten bleiben". So formuliert es Unicef auch auf der eigenen Homepage: "Eine Kernsammlung von 152 Gemälden und Skulpturen wird bis 2026 im Arp Museum Bahnhof Rolandseck in Remagen gezeigt." Wie Unicef der LVZ jetzt bestätigte, gehört das Corot-Bild "Die Algeriern" jedoch zu dieser Kernsammlung, dürfte damit eigentlich nicht verkauft werden.

"Wenn dem so ist, dann widerspricht das eindeutig dem Willen des Stifters", sagte gestern der Leipziger Kunstrechts-Anwalt Christoph von Berg der LVZ. Dann müsse Unicef die Konsequenzen tragen. Der Kunstbeirat und die deutsche Stiftungsaufsicht hätten dem Verkauf aber ausdrücklich zugestimmt, betont dagegen das Kinderhilfswerk. Helga Kuhn verweist auf eine "Öffnungsklausel": Darin sei vorgesehen, dass von der Fristsetzung bis 2026 für einen Verkauf abgewichen werden dürfe, wenn "konkrete Umstände" diese als "nachteilig" erwiesen. Im Übrigen habe Rau früher bei ähnlichen Gelegenheiten auch so gehandelt, sagt Kuhn. "Fragt sich, was beim nächsten Bild als ,konkreter Umstand' gilt", meint dazu Anwalt von Berg süffisant.

Wörtlich heißt es in der Vertragsklausel: "Sollten konkrete Umstände eintreten, nach denen sich die Einhaltung dieser Fristen als nachteilig, insbesondere steuerschädlich erweist, verpflichten sich die Parteien im Wege der Nachbehandlung eine Regelung zu finden, die den veränderten Umständen Rechnung trägt." Die Klausel gelte für zwei Parteien (Rau und Unicef, Anm. d. R.), sagt von Berg. "Eine von den beiden lebt nicht mehr." Die Mutmaßung, wie Rau möglicherweise gehandelt hätte, sei in diesem Zusammenhang unerheblich, betont der Anwalt. Und steuerliche Fragen, meint er, dürften bei einer gemeinnützigen Stiftung ohnehin keine Rolle spielen.

So bleiben offene Fragen. Wie so oft in der Geschichte des Humanisten Gustav Rau (1922-2002), der 1970 den elterlichen Betrieb verkaufte, Medizin studierte, um in Afrika zu helfen und nebenbei seine bedeutende Kunstsammlung aufbaute. Schon zu Lebzeiten hatte ein erbitterter Streit zwischen Unicef und Raus eigenen Stiftungen in der Schweiz und in Liechtenstein getobt. Ein Konflikt, der Millionen an Anwaltshonoraren verschlang, während das von Rau gegründete Krankenhaus im Kongo jahrelang auf dringend benötigte Gelder wartete. Inzwischen ist laut Unicef immerhin über eine Million Euro geflossen, bis 2020 sollen weitere 3,1 Millionen überwiesen werden.

Am 5. Dezember steht mit Jean-Honoré Fragonards Porträt des Herzogs von Harcourt im Londoner Auktionshaus Bonhams eines der wertvollsten Rau-Exponate zum Verkauf. Schätzwert: 7 bis 15 Millionen Euro. Jürgen Kleindienst

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.09.2013

Jürgen Kleindienst

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