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Leipziger Bandikone Die Art bringt liebevoll gestaltete Single mit geringer Auflage heraus

„Seven Inch Club“ Leipziger Bandikone Die Art bringt liebevoll gestaltete Single mit geringer Auflage heraus

Sogar das Packpapier darum ist mit der Hand bedruckt. Die Leipziger Bandikone Die Art hat jetzt Teil zwei einer Vinyl-Single-Reihe herausgebracht. Die Platte erscheint in einer Auflage von 200 Stück – und ihre Lieder sollen garantiert niemals irgendwo anders veröffentlicht werden.

Leipziger Musik-Urgestein: Die Art 2014 in der Moritzbastei.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Die Welt der Popularmusik ist im Umbruch. Ihre wichtigste Energiequelle war lange Zeit der enorme Markt für Tonträger. Der brach weg in Zeiten, wo Musik als Datensatz fast jedem fast überall und nahezu grenzenlos zur Verfügung steht. Seither kommen Schallplatten auf Vinyl in limitierten Auflagen in Mode. Verknappung und Verteilung in schwer durchschaubaren Inner-Circles verleihen den Dingen wieder Würde und Wert.

DDR-Sozialisierte kennen diese Mechanismen zur Genüge. Die Art, Alternativ-Legende aus Leipzig, brachte dieser Tage die zweite Ausgabe ihres „Seven Inch Clubs“ unter das streng begrenzte Volk. Zwei Songs auf einer Vinylsingle, das Cover liebevoll gestaltet, jedes ist ein nummerierter Druck. Sogar das Packpapier darum ist mit der Hand bedruckt. Jede Single enthält eine Grafik, die man entfalten und aufhängen kann. Ein Artefakt. Man hält das transparente Vinyl so andächtig in den Händen wie seinerzeit die erste Joy-Division-Platte – schon gebraucht und trotzdem 130 Ost-Tacken – es kostet Überwindung, das Heiligtum der kratzigen Nadel des Plattenspielers auszuliefern.

Eine CD soll es davon niemals geben

Beide Songs hat Gitarrist Thomas Gumprecht geschrieben, eine gute Antwort auf die Gerüchte, denen zufolge es ein Problem mit ihm und der Band gäbe. Protzte der Vorgänger noch mit einem regelrechten Post-Punk-Kracher namens „Automat“ am Anfang, kommt „Sadness At The Water” eher filigran-besinnlich daher. Doch schon nach kurzer Zeit überrascht eine reine Engelsstimme und erweist sich als idealer Widerpart zu Makarios’ sonorem Düsterorgan, beide finden sich zum hinreißenden Duett. Haben sie das je schon mal gemacht? Ihr Oeuvre ist inzwischen wohl nur noch von Makarios selbst zu überschauen – und das auch nur, weil er alles aufschreibt. Der Engel jedenfalls hört auf den Namen Nici, mehr verrät das Cover nicht.

Song Nummer zwei ist ebenfalls kein Rocker: „Kein Wunder“ geht stark basslastig in die elegische Richtung. Eines jener Lieder, die sphärische Weiten im Blick haben, schließlich melancholisch im unendlichen Irgendwo verklingen und den Hörer noch lange sinnierend sitzen lassen. Absurde Vorstellung, dass diese wunderbaren Songs nur ganzen 200 Hörern vorbehalten sein sollen. Doch es gibt zwei unmissverständliche Auskünfte des Labels: Erstens wird die Auflage definitiv nicht überschritten, und die Abgabe erfolgt nur an Clubmitglieder, also Abonnenten. Zweitens wird es keinesfalls irgendwann eine CD geben, auf der die Songs des „Seven Inch Clubs“ zusammengefasst werden.

Derzeit gibt es, ganz ohne Werbung dafür, etwa 150 Mitglieder. Wer schnell ist, erwirbt bei www.brachialpop.de die Mitgliedschaft. Bald wird die Obergrenze erreicht sein und die Türen gehen für immer zu. Der Rest ist Schweigen. Und Schwarzmarkt.

Die Art, „Seven Inch Club 002“ erscheint beim Jenaer Indie-Label „Major Label“; Konzert am 15. November, 20 Uhr, Moritzbastei (Universitätsstraße 9)

Von Lars Schmidt

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