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Leipziger Buchmesse: Belletristikpreis für Guntram Vesper

Unabhängige Verlage Leipziger Buchmesse: Belletristikpreis für Guntram Vesper

Es ist ein Fest für die unabhängigen Verlage: Die Preise der Leipziger Buchmesse gehen an Guntram Vesper (Belletristik, Schöffling & Co.), Jürgen Goldstein (Sachbuch, Matthes & Seitz) und Brigitte Döbert (Übersetzung, Schöffling & Co)

Die drei Preisträger des Preises der Leipziger Buchmesse: Jürgen Goldstein (Sachbuch), Brigitte Döbert (Übersetzung) und Guntram Vesper (Belletristik).
 

Quelle: dpa

Leipzig.  Punkt 10 Uhr haben sich am Donnerstag die Türen zur Leipziger Buchmesse geöffnet, wenige Minuten später sind die ersten Plätze im Forum Literatur belegt, wo eine Stunde später die fünf Finalisten für den Preis der Leipziger Buchmesse vorgestellt werden sollen. Halb 11 ist bereits kein Stehplatz mehr zu bekommen. Das Interesse an den Nominierten ist enorm – vor allem in der Kategorie Belletristik, die, wie Jurysprecherin Kristina Maid-Zinke später bei der Preisverleihung in der Glashalle der Messe sagt, „als die wichtigste betrachtet wird“. Er geht an Guntram Vesper für seinen Roman „Frohburg“.

Diese Entscheidung ist eine Überraschung, die dennoch schon in aller Munde war. Das Buch: 1000 Seiten dick, ein Leben stark. Unlesbar sagen die einen, unglaublich finden es die anderen. Und manche beides. Die Jury meint, der Roman gehöre zu den Büchern, bei denen man leicht auf die großen Begriffe komme: Opus magnum, Mammutwerk. Und zwar zu Recht. Schließlich breitet Vesper „eine opulente Geschichtslandschaft vor uns aus“, findet weit in die Geschichte Deutschlands zurück, dahin, wohin sonst nur Geschichtsbücher reichen.

Es beginnt in poetischer Verknappung, dann aber werden die Sätze lang, sie folgen wie Juror Dirk Knipphals lobt, „einer Ästhetik des Verknüpfens“, sie tragen durch Zeiten und Schauplätze. In Frohburg ist Guntram Vesper 1941 geboren, dort hat er gelebt, bis die Familie 1957 in die Bundesrepublik floh. In „Frohburg“ erzählt er von deutschem Leben im 20. Jahrhundert. „Man glaubt ihm gern, dass seine Erzählungen wahr sind.“ Als die Entscheidung für Vesper verkündet wird, schlägt er die Hände vors Gesicht, aber nur kurz. Und sagt dann: „Herzlichen Dank. Mehr kann ich nicht sagen.“

Sein Verleger Klaus Schöffling ist sofort aufgesprungen. Er kommt aus dem Aufspringen sozusagen gar nicht mehr raus an diesem Nachmittag, der zum Fest der unabhängigen Verlage wird. In der Kategorie Übersetzung gewinnt Brigitte Döbert mit ihrer Übertragung des Buchs „Die Tutoren“ von Bora Ćosić aus dem Serbischen – ebenfalls bei Schöffling & Co. erschienen. Sie habe sich, so die Jury, von diesem Achttausender der Literatur herausgefordert gefühlt, viel Zeit und Herzblut in dieses Projekt gesteckt, ein großes Werk aus einer kleinen Sprache herübergeholt und sich dabei nicht nur von der Pflicht zur Genauigkeit leiten lassen, sondern auch von der Kühnheit, die es braucht, wenn man in der neuen Sprache ein Heimat schaffen will.

Bei Matthes & Seitz ist Jürgen Goldsteins „Georg Forster. Zwischen Freiheit und Naturgewalt“ erschienen. Forster – „ein wunderbarer Prosaautor, den es wiederzuentdecken lohnt“, sagt Goldstein, als er den Preis in der Kategorie Sachbuch/Essayistik entgegennimmt. Wenn er dazu einen kleinen Beitrag geleistet habe, sei er froh. „Ich hätte ihm gerne einmal die Hand geschüttelt.“ Forster (1754–1794) war ein Entdeckungsreisender und Meister anschaulichen Erzählens. Und anschaulich sei , befindet die Jury, auch Goldsteins Prosa, „anschaulich und unaufgeregt“. Entschlossen trete er hinter seinen Gegenstand zurück, der dadurch umso besser zur Geltung komme.

Das war einer der Höhepunkte der Buchmesse. Noch bis Sonntag präsentieren 2250 Aussteller aus 42 Ländern von 10 bis 18 Uhr auf dem Messegelände ihre Neuerscheinungen, am Abend geht es in der Stadt weiter mit dem Fest „Leipzig liest“.

Guntram Vesper ist am Freitag, 14.30 Uhr, in der LVZ-Autorenarena auf der Buchmesse zu Gast, Halle 5/ Stand C100

Brigitte Döbert, Bora Ćosić und Klaus Schöffling sind am Abend, 20 Uhr, beim Verlagsabend in Bührnheims Literatursalon, Mozartstraße 8

Alle Nominierten

Belletristik:
Marion Poschmann: „Geliehene Landschaften. Lehrgedichte und Elegien“ (Suhrkamp Verlag )
Roland Schimmelpfennig: „An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts“ (S. Fischer Verlag)
Nis-Momme Stockmann: „Der Fuchs“ (Rowohlt Verlag)
Heinz Strunk: „Der goldene Handschuh“ (Rowohlt Verlag)
Guntram Vesper: „Frohburg“ (Schöffling & Co.)

Sachbuch/Essayistik:
Jürgen Goldstein: „Georg Forster. Zwischen Freiheit und Naturgewalt“ (Matthes & Seitz Berlin)
Christoph Ribbat: „Im Restaurant. Eine Geschichte aus dem Bauch der Moderne“ (Suhrkamp Verlag)
Ulrich Raulff: „Das letzte Jahrhundert der Pferde. Geschichte einer Trennung“ (Verlag C. H. Beck)
Werner Busch: „Adolph Menzel. Auf der Suche nach der Wirklichkeit“ (Verlag C. H. Beck)
Hans Joachim Schellnhuber: „Selbstverbrennung. Die fatale Dreiecksbeziehung zwischen Klima, Mensch und Kohlenstoff“ (C.Bertelsmann)

Übersetzung:
Kirsten Brandt: übersetzte aus dem Katalanischen: „Joan Sales: Flüchtiger Glanz“ (Carl Hanser Verlag)
Brigitte Döbert: übersetzte aus dem Serbischen: „Bora Ćosić: Die Tutoren“ (Schöffling & Co.)
Claudia Hamm: übersetzte aus dem Französischem: „Emmanuel Carrère: Das Reich Gottes“ (Verlag Matthes & Seitz Berlin )
Frank Heibert: übersetzte aus dem amerikanischen Englisch: „Richard Ford: Frank“ (Hanser Berlin)
Ursula Keller: übersetzte aus dem Russischen: „Michail Ossorgin: Eine Straße in Moskau“ (Die Andere Bibliothek)
 

Von Janina Fleischer

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