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Leipziger Buchmesse mit Flüchtlings-Schwerpunkt

Leipzig liest Leipziger Buchmesse mit Flüchtlings-Schwerpunkt

Die Leipziger Buchmesse feiert und diskutiert: Vom 17. bis 20. März stehen 25 Jahre „Leipzig liest“ im Zentrum, aber auch der Schwerpunkt „Europa21. Denk-Raum für die Gesellschaft von morgen“ sowie Literatur von Geflüchteten. Knapp 50 der rund 3000 mitwirkenden Autoren, Schauspieler oder Politiker sind auch in der LVZ-Autorenarena zu erleben.

Buchmesse-Direktor Oliver Zille, „Europa21“-Kuratorin Insa Wilke und der Illustrator Jan Birck (v.l.) stellen in der Villa Klinkhard das Programm der Leipziger Buchmesse vor, moderiert von Katrin Schumacher.

Quelle: André Kempner

Leipzig. „Wenn man Meinungen erfahren will, muss man sie aushalten“, sagt Oliver Zille. Der Direktor der Leipziger Buchmesse sagt dies mit Blick auf „Europa21. Denk-Raum für die Gesellschaft von morgen“, eine Reihe mit zunächst sieben Veranstaltungen. Hinzu kommen über 50 Lesungen mit Autoren, deren Bücher sich mit Zuwanderung und Migration beschäftigen. Damit wolle man „klare Kante“ zeigen, denn die Diskussionen zu diesen Themen würden an den Rändern geführt, den linken wie den rechten, „wir wollen die Debatte in die Mitte der Gesellschaft holen“, so Zille am Donnerstag bei der Vorstellung des Buchmesseprogramms.

Kuratorin von „Europa21“, das in diesem Jahr den Länderschwerpunkt ersetzt, ist Insa Wilke. Sie sitzt bei der Pressekonferenz neben Oliver Zille auf dem Podium. Ihre Frage ist: „In welche Richtung wollen wir uns bewegen, was unser Zusammenleben angeht?“ Die Buchmesse habe den „Mut, Haltung zu zeigen, Position zu beziehen und Plattformen zu bieten“. Die aktuellen, konkreten Fragen zum Umgang mit Geflüchteten überlagerten jene Fragestellungen und Prozesse, die zurück bis in die 90er Jahre reichten, so Wilke, bis 1989. Es gehe nun um den europäischen Blick, und „wir wollen wissen: Wie denken die Leute jenseits der Regierungen.“ Man könne, sagt sie, „im Moment nicht still daneben sitzen und zuschauen“.

3200 Veranstaltungen an 410 Leseorten

Einer, der darüber sprechen wird, ist Abbas Khider. Der in Deutschland lebende deutsch-irakische Schriftsteller kommt mit seinem neuen Roman „Ohrfeige“, geschrieben aus der Perspektive eines Flüchtlings. Er ist damit auf zahlreichen Veranstaltungen zu erleben – am Buchmesse-Samstag um 13 Uhr in der LVZ-Autorenarena (siehe Spezial). All das gehört zum Programm „Leipzig liest“, das in diesem Jahr Jubiläum feiert. Seit 25 Jahren ist das Lesefest mehr als ein Begleiter der Messe – es prägt mit Charme und großen Namen den Charakter als Messe der Begegnungen. Das gedruckte Programm liegt am 1. März vor, eine App für „alles, was man wissen muss und erfahren will“ (Zille) gibt es ab sofort.

Mehr als 3000 Mitwirkende sind in 3200 Veranstaltungen an 410 Leseorten dabei, Autoren, Musiker, Politiker ... Entstanden ist „Leipzig liest“ 1991, um eine friedliche und respektvolle Debattenkultur zu pflegen – womit sich der Kreis zu diesem Jahrgang schließt. Erwartet werden unter anderem Schriftsteller wie Thea Dorn, Karen Duve, Birgit Vanderbeke, Peter Stamm, Bora Cosic, Frank Goosen, Sebastian Fitzek, Reinhard Jirgl oder Frank Witzel, Träger des Deutschen Buchpreises 2015.

Preise und Neuland

Apropos Preis: Nach der feierlichen Eröffnung am Mittwochabend im Gewandhaus, bei der Heinrich August Winkler den Buchpreis zur Europäischen Verständigung verliehen bekommt, werden am Donnerstagnachmittag die Preise der Leipziger Buchmesse in den Kategorien Belletristik, Essay/Sachbuch und Übersetzung bekanntgegeben. Der Belletristik-Preisträger ist am Abend dann in der Kongreßhalle am Zoo zu Gast – wo er auf Clemens Meyer, Christoph Hein und Poetry Slammer trifft. „Renommierte Autoren und auch ein bisschen Action“, fasst Oliver Zille das zusammen. Überdies schaue die Messe nicht zurück, sondern nur nach vorn, weshalb es diesmal „Neuland 2.0“ gibt – ein „Startup-Village für junge Unternehmen.

Zum dritten Mal öffnet die Manga-Comic-Con ihre Türen. Und auch für die Kinder gibt es wie immer neuen Lesestoff. Im Leipziger Klett Kinderbuch Verlag ist „Bestimmt wird alles gut“ auf Deutsch und Arabisch erschienen, ein Text von Kirsten Boie mit Illustrationen von Jan Birck. Es ist die wahre Geschichte der Flucht von Rahaf und Hassan aus Syrien. Er als Künstler habe das Thema Flucht schon etwas eher wahrgenommen als die Politik, sagte Birck am Donnerstag. „Kinder brauchen eine Lösung oder eine Hoffnung am Ende des Buches. Und kein Desaster.“ Erwachsene oft auch, ließe sich hinzufügen.

Leipziger Buchmesse: 17. bis 20. März 2016 ; Programm: leipziger-buchmesse.de/ll; Spezial zur LVZ-Autorenarena (Halle 5, Stand C100): lvz-online.de/autorenarena

 

Von Janina Fleischer

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