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Leipziger Comedy-Duo will nicht mehr nur den Kasper machen

The Fuck Hornisschen Orchestra Leipziger Comedy-Duo will nicht mehr nur den Kasper machen

Mit dem Album „Palmen“ wollte das Fuck Hornisschen Orchestra längst auf Tour sein – wurde aber ausgebremst. Von einem Katzenbiss in Julius Fischers Gitarristenhand. Vor dem Nachholtermin im Januar spielen sie nun ihre Weihnachtsschmonzetten. Im Interview sprechen sie über Quatsch jenseits der 30. Und die bissige Katze.

Julius Fischer (links) und Christian Meyer sind zusammen The Fuck Hornisschen Orchestra.
 

Quelle: Dimo Rieß

Leipzig.  „Palmen“ heißt das neue Album der Leipziger Comedy-Band The Fuck Hornisschen Orchestra. Damit wollte das Duo längst auf Tour sein – wurde aber ausgebremst. Von einem Katzenbiss in Julius Fischers Gitarristenhand. Der Leipziger Auftritt im Täubchenthal musste auf den 10. Januar verschoben werden. Vorher aber präsentieren sich Fischer und Christian Meyer, die auch die MDR-Sendung „Comedy mit Karsten“ moderieren, bei ihren traditionellen Weihnachtsschmonzetten dem Leipziger Publikum. Im Interview sprechen sie über Quatsch jenseits der 30. Und natürlich über die Katze, die beim Tierarzt in Panik zugebissen hat.

Ihr habt deine Katze immer wieder mit dem Satz „Don’t blame the cat“ in Schutz genommen. Wird daraus der nächste Song?

Fischer: „Don’t blame the cat“ wird die erste Single-Auskopplung unseres nächsten Albums „handgemacht“. Mir schwebt eine Techno-Ballade im Stile von „How much is the fish“ von Scooter vor.

Wie waren die ersten „Palmen“-Shows nach dem Biss?

Fischer: Zugegeben: etwas holprig. Das Herz wollte, allein das Fleisch war nicht willig. Ich kloppe noch manchmal an den Saiten vorbei, aber bis Januar bin ich vollständig wiederhergestellt.

Zu alt für den eigenen Blödsinn?

Auf „Palmen“ singt ihr gleich am Anfang, dass ihr jetzt über 30 seid. Fühlt ihr euch langsam zu alt für den eigenen Blödsinn?

Fischer: Wir tragen keine Trachten mehr auf der Bühne, weil wir das nicht mehr passend finden. Und Christian sagt, er sei zu alt, um nur den Kasper zu machen.

Meyer: Das ist auch so.

Fischer: Aber wenn ich mir die Videos von den Auftritten im Sommer anschaue, dann hampelst du kaum weniger rum als früher.

Meyer: Oh doch! Und die Bewegungen sind kontrollierter geworden. Dass ich dir nicht mal aus Versehen eine reingehauen habe, ist ein Wunder.

Liegt es wirklich am Alter oder passt die Kasperei nicht mehr, wenn man eine Fernseh-Show hat?

Meyer: Wenn man Fernsehen macht, muss man einigermaßen professionell arbeiten. Das mussten wir vorher nicht.

Ihr macht jetzt auch ernste Songs, ein Anti-Legida-Lied ist dabei.

Fischer: Ein Willkommens-Song für Flüchtlinge. Auch der ist zum Teil ironisch oder flapsig, aber dennoch ernst gemeint. Wir haben bisher bei den Auftritten gemerkt, dass die Leute da nicht lachen können. Es ist ein kleiner Stoß vor den Kopf.

Meyer: Das Vorgänger-Album „Hoffnung 3000“ konnte man auf Comedy-Bühnen spielen. Jetzt bewegen wir uns Richtung Songwriter-Szene.

Eine Woche in einer Villa in Bamberg

Ist es bei all euren Tätigkeiten schwieriger geworden, ein Album zu produzieren?

Meyer: Nö.

Fischer: Auf jeden Fall.

Meyer: Wir hatten ein paar Ideen und uns dann eine Woche in der Villa Concordia in Bamberg zusammengesetzt und das Album rausgeknüppelt.

Fischer: Und vier Tage haben wir uns genommen, um es einzuspielen.

Der Sound auf „Palmen“ ist nicht mehr von Spielzeuginstrumenten geprägt. Nehmt ihr die Musik jetzt ernst?

Fischer: Das haben wir vorher auch schon, da konnten wir es nur noch nicht so gut. Als wir gemerkt haben, dass „Palmen“ musikalisch fast nur von der Gitarre lebt, haben wir mehr Wert auf eine vernünftige Aufnahme gelegt. Grundsätzlich gilt: Klar nehmen wir die Musik ernst, die wir veralbern. Man muss die Dinge erst durchdringen, bevor man sie hassen kann.

Meyer: War das mit mir auch so?

Fischer: Nein, dich habe ich von Anfang an gehasst.

Christian, hasst du Julius dafür, dass er in der Band Arbeitsgruppe Zukunft mit Marc-Uwe Kling und Michael Krebs noch größere Erfolge hat?

Meyer: (steht auf) Ich wollte gerade gehen.

Julius, mit der AG Zukunft spielst du vor über 1000 Leuten. Versauen einen solche Erfahrungen für kleine Auftritte?

Fischer: Das versaut einen auf jeden Fall. Man muss sich daran gewöhnen, wieder vor 30 Leuten zu spielen. Vielleicht habe ich das Christian am Anfang spüren lassen. Aber die Projekte haben unterschiedliche Ausrichtungen. So professionell muss man sein, den Switch hinzukriegen. Und bei den ersten Termine vor dem offiziellen Tourstart hat es wieder Mega-Spaß gemacht.

Hast du mit der AG Zukunft etwas gelernt, was du übertragen kannst?

Fischer: Ich spiele einfach ein bisschen tighter Gitarre.

Meyer: (kommt zurück an den Tisch) Julius wollte eigentlich gar nicht in die Band. Ich habe gesagt, mach das doch bitte, dass du besser auf der Gitarre wirst.

Konzerte vor 1000, 30 und vor vier Leuten

Julius hat von Konzerten vor 30 Leuten gesprochen. Aber ihr seid doch kein Geheimtipp mehr und tretet im Täubchenthal vor hunderten Fans auf.

Meyer: Das ist hier so, aber im Westen spielen wir manchmal vor 20 oder 30 Leuten. Dann frage ich mich schon, warum das so ist, obwohl wir beim NDR Comedy Contest dabei waren und eine MDR-Show haben. Mit der Show trösten wir uns, wenn es nicht so läuft.

Fischer: Es gibt ein riesiges Angebot in der Branche, gegen das man sein Publikum gewinnen muss. Ich glaube, wir haben kein ausgeprägt schlechtes Schicksal.

Meyer: Wenn die Stimmung gut ist, ist es auch vor kleinem Publikum geil.

Fischer: Das Extremste haben wir in einem Weinkeller in Radolfzell erlebt. Es waren vier Leute über 40 Jahren da. Wir haben unplugged gespielt und hatten einen tollen Abend.

Ist es ein Standortvorteil, aus dem hippen Leipzig zu kommen?

Meyer: Wir schreiben das nicht mal mehr in der Ankündigung, dass wir aus Leipzig kommen ...

Fischer: ... es spielt also offensichtlich keine Rolle. Und die Dinge haben sich ja leider verändert: Wir kommen aus der Legida-Stadt.

Meyer: Ihr kennt Legida. Ihr kennt Bach. Hier kommen The Fuck Hornisschen Orchestra.

André Herrmann, Mit-Autor Eurer MDR-Show, ist wegen des Hypes nach Brüssel geflohen. Wie seht ihr die Entwicklung in Leipzig?

Meyer: Die Stadt wird mit ihrem Kreativ-Potenzial verkauft, das dadurch gleichzeitig zerstört wird.

Fischer: Man merkt, dass sich Leipzig stark verändert. Aber wir sind auch vor zehn Jahren als Studenten nach Leipzig gekommen. Es läuft der Standard-Gentrifizierungs-Vorgang ab.

Meyer: Wir haben gar kein Gentrifizierungs-Lied gemacht, Julius.

Fischer: Ist auch zu spät, das ist durch.

Das Nachholkonzert „Palmen“ wurde auf den 10. Januar, Einlass 19 Uhr, im Täubchen­thal verlegt. Die traditionelle Weihnachtsschmonzette findet am 8. Dezember im Ilses Erika (ausverkauft), am 9. Dezember im Neuen Schauspiel (ausverkauft) und am 19. Dezember, 20 Uhr, in der Moritzbastei statt.

Von Dimo Rieß

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