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Leipziger Filmstudent Bockisch: Für ein Herzensprojekt muss man Risiken eingehen

Junge Filmemacher Leipziger Filmstudent Bockisch: Für ein Herzensprojekt muss man Risiken eingehen

„Aurovilles Kinder“ ist ein Dokumentarfilm, der in Eigenregie von zwei Leipziger Filmemachern realisiert wird. Nora Große Harmann und Christoph Bockisch arbeiteten das erste Mal zusammen an einem selbstständigen Projekt – und wuchsen dabei über sich hinaus.

Nora Große Harmann und Christoph Bockisch arbeiten am Schnitt des Dokumentarfilms „Aurovilles Kinder“
 

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig.  Jung, enthusiastisch, motiviert – das sind die beiden Filmemacher Nora Große Harmann und Christoph Bockisch. Sie drehten einen Dokumentarfilm über Auroville, einer Stadt mit einer alternativen Lebensweise in Indien. Die Dreharbeiten bezahlten sie aus eigener Tasche, für die Produktion bitten sie per Crowdfunding um Spenden. Die Arbeitszeit der beiden Filmemacher fällt allerdings nicht in die Spendensumme. „Wir gehen auch nicht davon aus, mit dem Film über Auroville das große Geld zu verdienen“, sagt die freie Journalistin Nora Große Harmann. Für sie ist es der erste, selbstständig produzierte Film und für beide war es das erste gemeinsame Projekt.

Was willst Du wirklich anfangen mit Deinem Leben? Dieser Frage gehen die Leipziger Filmemacher Christoph Bockisch und Nora Große Harmann in dem Dokumentarfilm "Aurovilles Kinder" nach. Sechs Wochen haben sie in der alternativen Stadt in Indien gedreht. Foto: Nora Große Harmann/Christoph Bockisch

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„In unserem Bereich muss man eben was für die Tasche und was fürs Herz machen“, meint Kameramann Christoph Bockisch. Da er noch Student ist, konnte das Team einen großen Teil der Kameraausrüstung über seine Filmhochschule ausleihen. Wirtschaftlich wäre das Herzensprojekt „Aurovilles Kinder“ ansonsten nur schwer zu realisieren gewesen. „Wenn man aber für etwas brennt, muss man auch Risiken eingehen“, sagt der 27-jährige. Für ihren Dokumentarfilm über Auroville hatten sie nur acht Monate Vorbereitungszeit.

Crowdfunding statt Filmförderung

Da sie für ihr Filmprojekt keine Förderung beantragen konnten aufgrund der kurzen Vorbereitungszeit, sammeln sie im Nachhinein Spenden, um die Postproduktion mit Schnitt und Tonmischung finanzieren zu können. „Wir haben mit minimalen Preisen gerechnet und den Betrag bei unserer Crowdfunding-Kampagne eingestellt“, erklärt Nora Große Harmann. 9.000 Euro wollten sie bekommen, mehr als 10.000 Euro haben sie erhalten. Die Kampagne läuft noch bis einschließlich Montag. Obwohl das Ziel erreicht wurde, freuen sich die jungen Filmemacher aus Leipzig über jede weitere Spende.

„Damit können wir den Film noch mit einigen Extras ausstatten“, erklärt Nora Große Harmann. Untertitel in mehreren Sprachen beispielsweise, um ein noch größeres Publikum zu erreichen. Außerdem sei es mit einer größeren Spendensumme als geplant möglich, einen professionellen Grafikdesigner zu engagieren, der für ein einheitliches Design der DVDs, Filmplakate und Flyer sorgt. „Mit so einer großen Resonanz hatten wir nicht gerechnet“, sagt die 28-Jährige. Den Dokumentarfilm, der etwa eine Länge von 45 Minuten haben soll, wollen sie auf verschiedenen nationalen und internationalen Filmfestivals vorstellen. Eine genaue Liste von Festivals haben sie noch nicht, aber für die Leipziger DOK-Filmwochen wollen sie ihn auf jeden Fall einreichen. Nach den Festivals wollen sie den Streifen bei verschiedenen Sendeanstalten anbieten und falls das nicht klappt, denken sie über eine Online/Video-on-Demand-Verwertung nach.

Die Stadt Auroville

Die Idee, einen Film über Auroville zu drehen, entstand, als Nora Große Harmanns beste Freundin, die in der Stadt aufgewachsen war, der Journalistin erzählte, dass sie zurückgehen werde. Die Stadt Auroville liegt im Südostens Indiens an der Koromandelküste, rund 2500 Menschen leben dort. Das Besondere: Es gibt in Auroville keine Politik, keine Religion, keine Polizei. Alles werde basisdemokratisch geregelt, mit dem Anspruch, bei den Abstimmungen absolute Mehrheiten zu erhalten, sagt Nora Große Harmann. Jeder arbeitet für ein Grundeinkommen. „Das Leben ist härter als in Europa“, meint die freie Journalistin. Die Kinder der Gründer gingen teilweise weg aus Auroville, studierten woanders in der Welt, bauten sich ein Leben mit ein wenig Luxus auf – und gingen dann doch wieder zurück in die Stadt, in der sie aufgewachsen sind.

Auf einem Plakat ist die Philosophie des Ortes dargestellt

Auf einem Plakat ist die Philosophie des Ortes dargestellt: Keine Religion, keine Politik

Quelle: Nora Große Harmann/Christoph Bockisch

In den 1960er Jahren wurde Auroville von Mirra Alfassa, der spirituellen Gefährtin des indischen Dichters und Yogis Sri Aurobindo, gegründet. Die Vision war eine universelle Stadt, in der alle Menschen in Frieden miteinander leben können. Menschen aus 45 Nationen wohnen in der Stadt. „Auf den ersten Blick scheint es zwar friedlich, aber es gibt in der Stadt auch Probleme“, erzählt Nora Große Harmann. Ihre aurovillianische Freundin habe gesagt, man tausche einfach die Problempackung Europas mit der in Auroville – es sei nur die Frage, mit welcher man besser leben könne.

Der Wunsch der Kinder, zurückzugehen in die Stadt in Indien, obwohl sie sich in Europa ein gutes Leben aufgebaut hatten, war der Grundstein der Idee für den Dokumentarfilm über Auroville, erklärt die 28-jährige. Sechs Wochen Drehzeit hatten sie in der Stadt, in den ersten zwei Wochen tranken sie meist nur Kaffee und lernten Leute kennen, damit sie ihre Protagonisten für die Dokumentation finden konnten. Bis zwei Wochen vor Abflug wussten sie nicht, ob sie tatsächlich die Dreherlaubnis und alle entsprechenden Visa für das Land und die Stadt erhalten würden.

Diesen Sprung ins kalte Wasser würde das Duo trotzdem jungen Filmemachen empfehlen. „Wir haben sehr viel dabei gelernt“, sagt die freie Journalistin. Der Kameramann, der ein paar Monate später erneut für einen Film seine Sachen packte, hatte gemerkt, dass er sehr viel gelassener an die Sache heranging. „Ich wusste, was ich brauche und was für Probleme vielleicht auf uns zukommen würden“, erklärt er. Wichtig sei nur, meint Nora Große Harmann, dass der Anspruch an den ersten Film realistisch sei. Damit verdiene man nicht das große Geld, vor allem nicht, wenn er selbst produziert wird.

Von Andrea Schrader

Leipzig 51.339695 12.373075
Leipzig
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