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Leipziger Instrumentenbauer verkauft von Plagwitz in die Welt

„Passion in Brass“ Leipziger Instrumentenbauer verkauft von Plagwitz in die Welt

Seit zehn Jahren betreibt der Instrumentenbauer Matthias Vogt in Leipzig seinen Laden „Passion in Brass“. Seine Kunden kommen extra aus Südmerika oder lassen sich via Skype beraten, denn Vogt legt wert auf persönlichen Kontakt.

Instrumentenbauer Matthias Vogt.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Der Laden an der Zschocherschen Straße in Plagwitz fällt auf. So sehr, dass Passanten an der Schaufensterfront stehenbleiben und über die Betriebsamkeit im Inneren staunen. Darin zu sehen sind drei kräftige junge Männer, die an klobigen Werkbänken schrauben, schleifen, polieren. Es sind die Mitarbeiter von Matthias Vogt, Blechblasinstrumentenbauer aus Leipzig. Sein Laden „Passion in Brass” ist alles in einem: Werkstatt, Verkaufsraum, Besprechungszimmer. „Als ich 2007 hierher kam, suchte ich nach Räumlichkeiten mit einer Werkstatt im Hinterhof.“ Dass daraus nichts wurde, ist zumindest kein Nachteil: „Heutzutage ist es ziemlich außergewöhnlich, vom Bürgersteig direkt in eine Werkstatt schauen zu können.“

Als es Vogt vor zehn Jahren eher zufällig nach Plagwitz verschlug, war noch nicht abzusehen, dass sich der Leipziger Westen einmal zum Szeneviertel mausern würde. Heute soll es dem 38-Jährigen recht sein. Vogt trägt einen gezwirbelten Schnurrbart, dazu Hipster-Frisur. Der Showroom mit seiner dunkelbraunen Holzvertäfelung ist orange gestrichen, auf dem Stehtisch liegt ein Tablet im XXL-Format – alles so edel wie funktional gehalten. Vogt schmunzelt: „Ein Kunde meinte einmal, wir seien der Apple Store unter den Instrumentenläden.“

Vogt ist mittendrin

Nur ein guter Instrumentenbauer zu sein, ist heute keine Erfolgsgarantie mehr. Dass seine Website im letzten Jahr zur bundesweit besten Handwerkerseite in der Kategorie „Metallverarbeitung“ gekürt wurde, freut den gebürtigen Schkeuditzer, ist für ihn aber nicht die Hauptsache. Matthias Vogt ist kein Systemoptimierer, der Prozesse aus weiter Entfernung steuert. Er ist mitten drin – an der Werkbank, beim Kunden, stellt auf Messen aus, gibt Seminare für Bläserklassen.

Angefangen hat alles noch zu Schulzeiten: Als 14-Jähriger absolviert er ein Praktikum beim Leipziger Blechblasinstrumentenbauer Friedbert Syhre. Von da an ist sein Interesse für Trompeten und Tuben geweckt. Eine Lehre als Instrumentenbauer schließt sich nach dem Abitur an. Er wird Bundessieger beim „Wettbewerb der Handwerksjugend“, erhält ein Stipendium für das Meisterstudium an der Instrumentenbauschule Ludwigsburg, arbeitet sieben Jahre bei der traditionsreichen Firma Hirsbrunner in der Schweiz. Dort tauscht er zwischenzeitlich Sächsisch gegen Schwizerdütsch. Sein Meisterstück ist eine Tuba aus Goldmessing mit fünf Ventilen. Dem tiefen Blech gilt auch heute noch seine Leidenschaft.

Erfahren, wie die Konkurrenz tickt

Während seiner Wanderjahre kommt er viel herum, besucht Werkstätten in Ungarn, Italien, Frankreich. Sogar einer Einladung nach China folgt er, um sich dort die riesigen Produktionshallen aus der Nähe anzusehen. Von katastrophalen Arbeitsschutzbedigungen weiß er zu berichten, spricht von Säurepfützen, die sich durch den Boden ätzen. „Es ging mir nicht darum, dort ins Geschäft einzusteigen – ich wollte erfahren, wie die Konkurrenz so tickt.“

Wobei die Hersteller aus Fernost keine direkte Konkurrenz für ihn bedeuten. „Instrumente made in China haben durchaus ihre Daseinsberechtigung. Ich empfehle aber, lieber in die Restauration von guten gebrauchten Instrumenten zu investieren. Da lässt sich schon mit wenig Geld viel bewirken.“

Kleine, spezialisierte Werkstatt

Standardreparaturen und Wartungsarbeiten machen das Kerngeschäft von Vogts Betrieb aus. Wenn zu Ferienbeginn ganze Bläserklassen ihre Instrumente bei ihm abliefern und pünktlich zum Schulanfang wiederhaben wollen, ist die Werkstatt voll und viel Koordinationsgeschick gefordert. Doch Vogt macht bei seiner Kundschaft keine Unterschiede. Dem Neueinsteiger das Bläser-Einmaleins zu erklären, gehört genauso zu seinem Job wie dem Orchester-Profi seine Sonderanfertigungswünsche zu erfüllen. „Der Markt teilt sich zunehmend auf – in die großen, weltweit tätigen Hersteller und die kleinen, spezialisierten Werkstätten. Zu denen gehören wir. Wer zu uns kommt, hat meist genaue Vorstellungen, was er will. Vom Online-Verkauf ohne persönlichen Kundenkontakt haben wir uns deswegen verabschiedet.“

Mittlerweile ist Vogt ein gefragter Fachmann der Leipziger Musikszene. Bei seiner Rückkehr in die Messestadt vor zehn Jahren standen die Dinge noch anders. Seine Lehrlingszeit lag lange zurück. „Ich hab alles auf eine Karte gesetzt, mit letztem Geld eine Werkbank gekauft“, schildert Vogt seinen Sprung in die Selbstständigkeit. Nach und nach baut er sich einen Kundenkreis auf. „Erst schickten die Musiklehrer ihre Schüler vor, um den Neuen zu testen, dann kamen sie selbst.“

Kunden aus Südamerika

Heute zählen zu seinem Kundenstamm sogar Musiker aus Südamerika, die die weite Reise aus Übersee zurücklegen, um ihr Instrument in seine Hände zu geben. Einige tausend Euro sind ihnen Umbauten bisweilen wert, bei denen jedes Detail schon Wochen zuvor über Skype besprochen wird.

2015 hat Vogt seinen Laden vergrößert, beschäftigt inzwischen drei Mitarbeiter, die ihre Lehrzeit als jeweils Jahrgangsbeste abschlossen und mit ihrem Chef gemeinsam ein fabelhaftes Team bilden. Abseits der Werkstatt engagieren sie sich im Leipziger Uni-Orchester.

Was die Zukunft bringt? Noch einmal im Ausland zu arbeiten, würde ihn reizen. Aus Saudi-Arabien wurde er schon einmal angefragt. Doch so lange er in Leipzig ist, freut er sich immer über neugierige Passanten, die am Schaufenster stehen bleiben und zu ihm hineinschauen. Es müssen nicht nur Musiker sein.

Werner Kopfmüller

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