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Leipziger Oper startet neues Projekt - Babys im Konzertsaal

Leipziger Oper startet neues Projekt - Babys im Konzertsaal

Klassische Musik für Babys, Kleinkinder und ihre Angehörigen in einem ungezwungenen Rahmen, wo gekrabbelt und "mitgesungen" werden darf - das bietet die Oper Leipzig in ihrer neuen Reihe Babykonzerte, die am Sonntag anläuft.

Leipzig. Etwa eine Stunde lang spielen Musiker des Gewandhausorchesters unter Leitung des Intendanten Ulf Schirmer Werke, die auf die empfindlichen Ohren und Gemüter von Null- bis Zweijährigen abgestimmt sind.

Für 60 Personen liegen im Konzertfoyer des Opernhauses am Augustusplatz Decken, Kissen und Sitzsäcke für einen entspannten Kunstgenuss bereit. In anderen deutschen Musiktheatern gibt es solche Projekte schon. Und in Leipzig selbst war die städtische Musikschule mit ihren Bambinokonzerten Vorreiterin.

Beim ersten Babykonzert der Oper am 21. September ab 10 Uhr, das bereits ausverkauft ist, stehen Stücke von Mozart und Beethoven auf dem Programm. Bei jungen Eltern klingelt es da sofort in den Ohren, steht doch gerade die Musik dieser beiden Meister in dem Ruf, die Intelligenz von Kindern - schon bei der Beschallung im Mutterleib - zu erhöhen.

"Der sogenannte ,Mozart-Effekt' beschreibt das Phänomen, dass Studenten nach dem Hören einer Sonate des Komponisten bessere IQ-Test-Leistungen in Bezug auf räumliches Vorstellungsvermögen erbrachten", sagt Sebastian Jentschke, Psychologe an der Freien Universität Berlin. "Diese Leistungssteigerung hält aber nur etwa 20 bis 30 Minuten an."

Über längerfristige Auswirkungen auf die allgemeine Intelligenz ließen sich jedoch keine Aussagen treffen, da fehle es an Studien. Hingegen sei wissenschaftlich erwiesen, dass Menschen mit musikalischem Training eine größere Sprachkompetenz hätten - und zwar im Hinblick auf Sprechmelodie (Prosodie) und Satzlehre (Syntax) als auch im Hinblick darauf, Emotionen aus gesprochenen Sätzen herauszufiltern, so Jentschke.

"Um die Entwicklung von Gehirnen geht es uns nicht, sondern um den Genuss von Musik", sagt Bettina Auge von der Oper Leipzig über die Zielrichtung der Veranstaltungen. "Sie gehört von Anfang an zum Leben dazu."

Professor Michael Fuchs, Leiter der Sektion Phoniatrie und Pädaudiologie an der Uniklinik Leipzig, findet es gut, wenn Kinder schon in frühestem Alter musisch-musikalisch angeregt werden. Aus medizinischer Sicht sei es begrüßenswert, wenn sie auf natürliche und ungezwungene Art an solche Hörerlebnisse herangeführt würden.

Auch Fuchs betont die positiven Effekte von Musik auf die Sprachentwicklung. "Dabei kann ein einmaliger Konzertbesuch allenfalls ein Anstoß sein", gibt der Mediziner zu bedenken. Regelmäßige Beschäftigung mit Melodien, Rhythmen, Lautstärken sei erforderlich, um eigenes Sprechvermögen, aber auch die Analyse der Sprache anderer zu verbessern. Am meisten würden Heranwachsende profitieren, die selbst ein Instrument erlernen oder singen.

Als Vater eines fünfjährigen Sohnes findet Fuchs die Idee der Babykonzerte auch noch aus anderer Perspektive toll: Für junge Familien sei es oft schwierig, am Kulturleben teilzunehmen, wenn die Großeltern nicht in der Nähe wohnen oder kein Babysitter vorhanden ist. Da sei das Angebot der Oper eine tolle Möglichkeit, schöne Klänge - sogar gemeinsam mit den Kindern - zu genießen.

Auch Rotraud Bockenkamm, Musiktherapeutin aus Leipzig, ist von der neuen Konzertreihe begeistert. "Dabei muss es gar nicht Klassik sein. Kinder hören gern die Musik, die den Eltern gefällt, wenn sie nicht zu laut und unmelodisch ist." Wichtiger an diesem Angebot sei aus ihrer Sicht das Gemeinschaftserlebnis. Durch Musik würden sich noch andere Kommunikationsmöglichkeiten ergeben als nur die sprachliche. Dies sei besonders wichtig bei der therapeutischen Arbeit. Denn wenn Sprache nicht mehr weiterführe oder wenn es um die ganz Kleinen gehe, die noch nicht sprechen könnten, dann sei es gut, Kinder emotional über Klänge zu erreichen.

In der Kindertagesstätte Kantatenweg 41 b, die mit einer musisch-ästhetischen Konzeption arbeitet, gehört Klassik zum täglichen Leben. "Beim Frühstück herrscht zunächst ziemliche Aufregung, wenn alle Kinder ihre Brotbüchsen auspacken und begutachten, was drin ist. Läuft dann aber eine CD mit Bach- oder Händel-Stücken, können wir beobachten, wie die Kleinen in Ruhe ihre Schnitten essen", sagt die Leiterin der Einrichtung, Ingrid Kuhnert.

Kämen die Kids schon früh und kontinuierlich mit dieser Musik in Berührung, entstehe im Laufe der Zeit auch ein Wissensdrang. Deshalb böten Pädagogen der Musikschule "Johann Sebastian Bach" auch eine musikalische Früherziehung in den Gruppen an. "Sie stellen Instrumente vor, erzählen aus dem Leben von Komponisten und studieren kleine Lieder und Tänze ein, die die Erzieherinnen in den Gruppenalltag mit einbauen." Die Feinfühligkeit bei den Ein- bis Sechsjährigen zu wecken, sei das Ziel, erzählt Ingrid Kuhnert.

Die nächsten Termine für die Babykonzerte der Oper: 28. September (wie das Konzert am 21. September bereits ausverkauft), 10. November, 22. Januar und 17. März. Karten zum Preis von fünf Euro/drei Euro sind an der Kasse des Opernhauses, unter Telefon 0341-1261261, per E-Mail (service@oper-leipzig.de) und im Internet unter www.oper-leipzig.de erhältlich.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.09.2014

Katrin Kleinod

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