Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Leipziger Operettenpreis und LVZ-Publikumspreis zum achten Mal in der MuKo vergeben

Kino im Kopf Leipziger Operettenpreis und LVZ-Publikumspreis zum achten Mal in der MuKo vergeben

Jungdirigent Dominic Limburg gewann beim „14. Operetten-Workshop junger Dirigenten 2016“ den achten Leipziger Operettenpreis des Deutschen Musikrats. Der Wiener Ingmar Beck wurde hingegen Publikumsliebling. Das Abschlusskonzert des MuKo-Operettenworkshops unter der Leitung von Ehrendirigent Roland Seiffarth wurde von MDR-Figaro live übertragen.

Jung und talentiert: Jungdirigent Dominic Limburg bringt das MuKo-Orchester und Soprandiva Lilli Wünscher in Strauss’ „Einer wird kommen“ perfekt zusammen.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig.  Es war beinahe erahnbar, dass Jungdirigent Dominic Limburg am vergangenen Sonnabend beim „14. Operetten-Workshop junger Dirigenten 2016“ die Jury in der Musikalischen Komödie zu Leipzig überzeugen würde. Wie sanftmütig er den Taktstock beim Entrée der Ouvertüre „Csàrdàsfürstin“ schwing, wie tief er vor dem Orchester beim „Kaiserwalzer“ kniete, kurz vor dem Einsatz der Geigen, um dann wieder im Stehen die Beine im Takt zu schlenkern. Die beseelte Walzerseligkeit mit hochgezogenen Augenbrauen stand dem aufgeweckten Student aus Zürich buchstäblich ins Gesicht geschrieben, wie die Zuschauer durch die kurze schwarz-weiße Momentaufnahme auf der Leinwand live erhaschen konnten.

Mit fließenden Bewegungen führte Limburg fast schon götterhaft und charismatisch zugleich den Taktstock beim Kaiserwalzer von Johann Strauss. Die starken Gegensätze von Piano und Forte für sich gekonnt nutzend, überzeugte Limburg in jeder Tonlage mit vielschichtigen Klangfarben und höchster Ensemble-Qualität, behielt omnipräsent jeden Orchestermusiker im Blick und erzeugte damit bei seinen Zuhörern und den Jurymitgliedern ein opulentes Kino im Kopf.

Seine Mitstreiter Ingmar Beck, Nuno Coelho und Jirí Rozen hatten sich seit vergangenem Dienstag ebenfalls intensiv auf das Abschlusskonzert des Operettenworkshops in der Musikalischen Komödie vorbereitet. Auch bei Limburg hatte Workshopleiter und Ehrendirigent Roland Seiffarth schließlich den Teufel im Detail gefunden. Seiffarths Ratschläge hatten sich die Vier allesamt zu Herzen genommen.

Jungdirigenten präsentieren Stücke von der Probe

Bis vergangenen Donnerstag war noch nicht klar gewesen, wer welche Stücke präsentieren würde. Und auch bis zum Schluss behielt sich die Jury kurzfristige Änderungen vor. Jedoch ließen sie beispielsweise Rozen bei „Gold und Silber“, einem Walzer von Franz Lehár, und Coelho bei „Rosen aus dem Süden von Johann Strauss gewähren.

a9825324-b78b-11e5-bf8d-349ca51a23fd

Es war ein Abend voller Emotionen und gewaltiger Klänge. Beim Abschlusskonzert des Operettenworkshops in der Musikalischen Komödie gaben die vier Jungdirigenten, Stipendiaten des Dirigentenforums des Deutschen Musikrats, alles.

Zur Bildergalerie

Es war offensichtlich, dass die jungen Vollblutdirigenten der Herausforderung mit ihren Herzen gewachsen waren, aus dem Vollen schöpften, die Melodien bis aufs Letzte zu veredeln versuchten und das eingespielte Orchesterteam der Musikalischen Komödie zu führen vermochten. Nur in feinen Nuancen unterschieden sie sich letztendlich von Limburg. Das Publikum honorierte aber diese enorme Spielfreude und entschied sich während der Pause im Rahmen des Publikumspreises der Leipziger Volkszeitung für Ingmar Beck.

Aber auch bei Beck waren es eben die kleinen Nuancen, die ihn, den Publikumsliebling vom Juryliebling unterschieden. Der temperamentvolle Wiener konzentrierte sich vornehmlich partiell auf die Streicher oder Holzbläser, so dass er darüber hinaus andere Einsätze nicht gebührend honorierte.

Zudem wusste er nicht mit der Ausstrahlung der Solisten umzugehen. Während die Tenöre Radoslaw Rydlewski und Andreas Rainer zu Beginn von „Na, also schreib und tu nicht schmieren“ auffällig den Blickkontakt zum Jungdirigenten suchten, ruhten dessen Augen starr auf dem Orchester und ließen die Sänger wie bestellt und nicht abgeholt auf der Bühne wirken. Als Rydlewski und Rainer Beck in ihrer urkomischen und eitlen Art insgeheim die Show stahlen, das Publikum zum Schmunzeln brachten, als sie von ihrem Wunsch nach einem Stelldichein sangen, wurde Beck mit Nichtbeachtung gestraft.

Schwieriges Akzentsetzen neben den Solisten

Neben einer stimmbegabten und hübschen Soprandiva wie Lilli Wünscher Akzente zu setzen, fiel aber auch den anderen Teilnehmern schwer. Rozen kam so zum Beispiel aus Lilli Wünschers Schatten bei Kálmán nicht heraus, als diese zum bittersüßen Teufelsweib mutierte. Limburg bemühte sich darum wissend, so unterstützend wie möglich zu agieren und brillierte mit stiller Präsenz. Klug bedachte er die Sänger Wünscher und Milko Milev bei Lehárs „Einer wird kommen“ immer wieder mit seinem Seitenblick, um die Einsätze des Orchesters und der Sängerin feinfühlig zu koordinieren.

Beweist dirigentische Vielseitigkeit

Beweist dirigentische Vielseitigkeit: Dominic Limburg, Student aus Zürich.

Quelle: André Kempner

Limburg bewies die eigene dirigentische Vielseitigkeit vielmehr bei Lehárs Ouvertüre aus „Die Csàrdàsfürstin“, dem „Kaiserwalzer“ und dem „Radetzky-Marsch“, der Zugabe, beides von Johann Strauß, wobei er in geschmeidiger Präzision nur mit dem Orchester Spannungen aufzubauen vermochte. Limburg versprüht dabei das gewisse Etwas, wenn er dem Orchester warme Klänge entlockt, die zum höchsten Hörgenuss beitragen und das Kino im Kopf anregen, das aufs Tiefste, aufs Innerste, die Seele berührt.

Jungdirigenten Beck und Limburg werden geehrt

Am Ende des Abends werden die Preisträger verkündigt. LVZ-Geschäftsführer Björn Steigert überreicht dem 28-jährigen Beck mit den Worten „der Leser und das Publikum irren sich nie“ eine teure, neu überarbeitete wissenschaftliche Partitur „Der lustigen Witwe“ von Franz Lehár, die LVZ-Kulturchef Peter Korfmacher ausgewählt hat.

Temperamentvoll

Temperamentvoll: Publikumsliebling Beck präsentiert Klassiker wie „Wiener Blut“.

Quelle: André Kempner

Beck hatte das Publikum neben Limburg mit soliden Klassikern wie „Wiener Blut“ und „Leichte Kavallerie“ betört, das sie in der ein oder anderen Erinnerung schwelgen ließ. Von daher war es wie MuKo-Direktor Stefan Klingele, der den Juryvorsitz führte, eine „schwierige Entscheidung“ in einem „Kopf-an-Kopf-Rennen“.

Auch Seiffarth bekennt vor Moderatorin Bettina Volksdorf von MDR Figaro, der das Abschlusskonzert live überträgt: „Die vier Buben sind sehr gut.“ Der Abend, findet Klingele daher, sei Werbung für das Genre und das Haus Dreilinden. Dann gratuliert er dem strahlenden Limburg mit dem achten Deutschen Operettenpreis für junge Dirigenten, der mit einer Assistenz bei einer MuKo-Poduktion im Spätherbst 2016 verknüpft und „fest eingeplant“ ist.

Zum Schluss gibt es Blumen für alle Beteiligten

Nach einem kleinen Scharmützel zur Polka „Ohne Sorgen“, wo die vier Jungen gemeinsam und hintereinander mit viel Dynamik und Witz dirigieren, bekommen die vier Jungdirigenten und Jurymitglieder, bestehend aus Seiffarth, dem ersten Kapellmeister Tobias Engeli, BR-Klassik-Moderator Stefan Evertz und Kammersängerin Regina Werner-Dietrich, Blumen überreicht.

Limburg gibt das Bouquet sofort der bezaubernden Geigerin Agnes Farkas, auch erste Konzertmeisterin der MuKo, die die Blumen sichtlich geschmeichelt entgegennimmt und Limburg dankend anlächelt. Das stachelt die anderen Jungdirigenten sofort an, eifrig ins Orchestergetümmel zu tauchen, um ihre Sträuße ebenfalls loszuwerden. Zufrieden grinst Beck anschließend zu Limburg herüber, was dieser mit einem leichten Hüsteln am Bühnenrand quittiert.

Limburg hat eben viel Klasse, Charme und Kühnheit – auch fernab des Dirigentenpultes. Man darf also sehr gespannt sein,was dieser 25-Jährige, der sich sicherlich einmal in der Reihe der Granden einreihen wird, als nächstes anpackt. Hören wird man von ihm auf jeden Fall.

Von Melanie Steitz

Dreilindenstraße 30, 04177 Leipzig 51.336179 12.339182
Dreilindenstraße 30, 04177 Leipzig
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus News
  • Dreamhack Leipzig

    Auf der Dremhack 2017 treten die besten Computerspieler gegeneinander an. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr

Blättern Sie hier durch die aktuelle Veranstaltungsbeilage "Applaus" und finden Sie Konzerte, Shows, Ausstellungen, Sport-Events und mehr in Leipzig und Umgebung. mehr

Erfahren Sie mehr auf www.leipziger-museen.de

Leipzig gilt als der Geburtsort der modernen Psychologie. Wie früher und heute im Geist geforscht wurde ist vom 14. September bis zum 16. Dezember 2016 in der Ausstellung "Psychologie in Leipzig - Geburt einer Wissenschaft" zu sehen. Besucher können sowohl Beobachter als auch Versuchsperson sein. Unsere Schau des Monats November! mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Onlineabo

    "LVZ-Online Extra" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kö... mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • So war das damals...
    So war das damals...

    Dies ist ein Geschichtenbuch der besonderen Art: Leserinnen und Leser der Leipziger Volkszeitung erzählen Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend,... mehr