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Leipziger Performance-Gruppe „Friendly Fire“ verwandelt Lofft in einen Bienenstock

Theater-Premiere Leipziger Performance-Gruppe „Friendly Fire“ verwandelt Lofft in einen Bienenstock

Entspannt und gesellig: Die Leipziger Theatergruppe Friendly Fire hat am Donnerstagabend mit einer Bienen-Performance Premiere im Lofft gefeiert. „Secret Secrets of the Beehive“ verknüpft Geschehnisse im Bienenstock mit einer Brasilien-Reise Ernst Jüngers von 1936 zu grotesken Szenarien.

Aufruhr im Bienstock: Szene aus „Secret Secrets of the Beehive“.

Quelle: Susann Jehnichen

Leipzig. Summ, summ, summ. „Secret Secrets of the Beehive“ heißt die neue Produktion der Leipziger Performancegruppe Friendly Fire. Als „theatrale Kulturentomologen“ unternehmen deren Mitglieder den Versuch, Bühnenraum und Zuschauerkopf zur Honigwabe schwirrender Allegorien und Assoziationen zu machen. Am Donnerstag war Premiere im Lofft.

Und wo fängt man jetzt am besten an? In Brasilien? Bei Ernst Jünger und seiner Reise, die er im Jahre 1936 dorthin unternahm und deren Eindrücke im Buch „Atlantische Fahrt“, das zur maßgeblichen Inspirationsquelle dieser Inszenierung wurde, Niederschlag fanden? Oder bei der Ikonographie der Biene? Dem Staats-Tier mit seinen schwärmenden, aufopfernden Arbeitern?

Oder doch eher bei den rasenden Projektionsüberblendungen auf der Bühne, bei der zum Beispiel das Bildchen eines Panzers, dessen Formen sich auch schon mal mit den Formen der Apiformes (Bienen) überlagern? Dabei wie eins werdend, im Stroboskop-Blitz-Krieg an den thematischen Zickzackfrontlinien.

Ein Gedankenflächen-Bombardement ist es, was hier bereitet wird. Und das kriegerische Vokabular darf jetzt mal sein, eingedenk des Impulsgebers Ernst Jünger. Der ja immer noch die alte, gute, böse Reibefläche fürs aufgeklärt Progressive hergibt. Gut so!

Drei Performerinnen, die man hier, ohne Gefahr zu laufen des Chauvinismus bezichtigt zu werden, als Bienen bezeichnen kann, summen und wuseln auf der Bühne herum. In reizenden Kostümen, wie Mädchen, die zum Fasching als Biene Maja gehen. Oder als surreale Maskenwesen in Ordenskutten (Kostüme: Rebecca Löffler), die in den verschränkten Händen welches Geheimnis auch immer den Zuschauern ans Ohr halten.

„Secret Secrets Of The Beehive“ zelebriert gekonnt Rituale des Grotesken in Szenarien, die sich wie Traumwaben ineinander fügen. Und liefert dazu eine Text-Flut, die das Überfordern als Prinzip in sich trägt. Was indes Abdriften ins Triviale, auch Kabarettistische, nicht ausschließt. So erfährt man etwa, dass Ernst Jünger Deutschland ist und Menschen Bienen sind. Ausgeschwärmt wurde unter anderem 1914 und 1939, und was damals aus Europa in die Welt getragen wurde, komme jetzt nach Europa, zumal Deutschland zurück.

Gedanklich nicht ganz der frischste Honig, lässt man sich den aber im formalen Kontext der Inszenierung trotzdem gern noch mal aufs Brot schmieren. Was maßgeblich am ebenfalls irgendwie honigsüßen Charme der drei Bühnenbienen liegt, deren eine hochschwanger ist und aus Brasilien stammt. Und behauptet, der Ernst Jünger habe seinerzeit was mit ihrer Oma gehabt. Weshalb jetzt auch, beim Rückschwärmen dieser tropischen Königsbiene in europäische Gefilde, ein wenig Spuren- und Ahnenforschung betrieben wird. Eine kleine dramaturgische Volte, die den großen Theoriebau dann doch recht selbstironisch-sympathisch runter bricht.

Dass der Kopf nicht ins Theater gehöre, dass man Erfahrungen nur blind machen könne, ist ein schönes Diktum Heiner Müllers, das auch Friendly Fire zitieren. Und auffordern, mit „geschlossenen Augen in die Dream-Machine“ zu schauen, die hier vor allem eine Slot Machine der Bezugssysteme in bunt-putziger Bildchenform ist.

Was insgesamt diese Inszenierung fraglos sehenswert macht. Wenn auch letztlich doch nicht auf die rigorose Art, die etwaige kriegerische Killerbienenhaftigkeit gerade auch im An- und Zugriff auf die alte, gute, böse Reibefläche vielleicht erhoffen ließ. „Beehive“ ist eher entspannt erholsam, auch gesellig im gelegentlichen Kollektivspiel mit den Zuschauern. Andrerseits aber war ja selbst für Jünger, wie einer seiner Aphorismen verrät, bei „einem Vorgang wie dem der Somme-Schlacht“ der Angriff „so etwas wie eine Erholung, ein geselliger Akt“.

Weitere Vorstellungen: Samstag, 20 Uhr, Sonntag, 18 Uhr, Lofft (Lindenauer Markt 21), Eintritt 12/8 Euro

Von Steffen Georgi

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