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Leipziger Rapperin Lumaraa mischt die deutschsprachige Hiphop-Szene auf

Neues Album und Tour Leipziger Rapperin Lumaraa mischt die deutschsprachige Hiphop-Szene auf

Lumaraa sammelt ihre Fans vor allem via Facebook und Youtube – und doch veröffentlicht die 25-jährige Rapperin, die eigentlich Sabine Gerling heißt und seit einem Jahr in Leipzig lebt, nun eine altmodische CD. Mit ihrem Album „Gib mir mehr“, das beim Hiphop-Label Bassukah erscheint, geht Lumaraa auf große Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Sabine Gerling, 25, alias Lumaraa.

Quelle: Miguel de Paula

Leipzig. Nein, sagt Lumaraa, „eigentlich ist eine CD heute gar nicht mehr wichtig“. Aber ihr Lächeln spricht eine andere Sprache. Gerade erst hat die junge Frau ihre fertige Platte erhalten. Sie blättert im Booklet, nimmt die silberne Scheibe aus der Hülle, steckt sie wieder hinein. Schnell noch ein Selfie! „Mein zweites Album in der Hand zu halten, ist so ein schönes Gefühl“, wird sie am Abend auf Facebook unter das Bild schreiben.

Ab dem offiziellen Erscheinungstermin am 5. Februar können auch ihre Fans die CD anfassen. Und vor allem hören – was sehr zu empfehlen ist. Lumaraa verbindet bemerkenswerte Rap-Skills mal charmant rotzig mal berührend gefühlvoll mit Wortwitz und großem Abwechslungsreichtum auf der Instrumentalspur. Trotz einer Stilvielfalt von rockig-groovigen Vorwärtsliedern des Berliner Songwriter-Duos Rectune bis hin zu gesampelten Nummern des Kölner DJs Daniel Sluga und poppigen Balladen des Bremer Liederschraubers Fritz Michallik: Lumaraa hat mit Produzent Robert Diekmann eine Stunde Musik aus einem Guss geformt.

Schon die Debütplatte „Mädchensache“ erreichte 2013 immerhin Platz 17 der Newcomer-Charts. Ihre große Anhängerschaft sammelt Lumaraa jedoch über andere Kanäle: Mehr als 67 000 Menschen finden bislang auf Facebook Gefallen an der Rapperin; und bei Youtube wurden ihre Clips bereits mehr als 40 Millionen Mal angeklickt. Eine CD hingegen – „das kennt die heutige Jugend gar nicht mehr“, glaubt Lumaraa. Zum alten Eisen zählt sie mit ihren 25 Jahren zwar auch nicht gerade. „Aber ich hab’ noch Platten gekauft. Heute hören sich die Leute lieber einzelne Lieder auf Spotify oder eben Youtube an.“

Für ihren Künstlernamen hat sich Lumaraa von der Katze Luna aus der Anime-Fernsehserie „Sailor Moon“ inspirieren lassen. Und von ihrem Lieblingsnamen aus der Kindheit: Tamara. Eigentlich heißt sie Sabine Gerling, seit knapp einem Jahr lebt sie in Leipzig. Geboren im bayerischen Landshut, wohnte sie zwischendurch fünf Jahre lang in Berlin. Beim Hiphop-Festival „Splash!“ in Ferropolis lernte sie 2014 ihren Leipziger Rapperkollegen „Der Asiate“ alias Andy Zirnstein kennen – und lieben. „Du bist mein Navi“, rappt Lumaraa über ihn mittlerweile. Die Route, die er für sie berechnet hat, führte in eine gemeinsame Dreiraumwohnung in Gohlis-Nord.

Gerapptes Make-up-Tutorial

„Alles auf Null, wird schon schief gehen“, lautet eine Zeile, die sie kurz nach dem Umzug gedichtet hat. „Bin ne Weile Drachenfliegen, so hoch, wie es nur geht, schwerelos, ich leb“, singt sie gleich darauf im Refrain. Überhaupt erzählt Lumaraa in ihren Liedern eins zu eins aus ihrem Leben, sagt sie. „Ich würde nie etwas schreiben, das nicht auf einer wahren Begebenheit beruht.“ So klagt sie ihr Liebesleid und überkommt die Seelen­misere in Mutmach-Liedern wie „Gib mir mehr“ und „Es hat alles einen Sinn“ – Texte, die ganz offen vom Ende der Beziehung zu ihrem damaligen Manager erzählen. Selbst der „Stalker“, dem Lumaraa im gleichnamigen Titel vorschlägt, seine Textnachrichten „sonst wohin“ zu schieben, macht auch in Sabine Gerlings echtem Leben, „voll einen auf NSA“.

„Jede Zeile, die du hörst, kommt direkt aus meinem Herz / Jeder Gedanke, jede Sorge, jeder noch so kleine Schmerz“ – der Titel „Jedes Wort“ fasse ihr Seelen­leben auf ihrer ersten Solotour im April 2015 zusammen, erklärt Lumaraa. „Und wenn ich den Eindruck habe, dass ich ein bisschen viel Gefühlsduseleien im Programm habe, texte ich schnell einen Representer, um ein bisschen auf die Kacke zu hauen.“ Das klingt dann beispielsweise auf einem fetten Beat so: „Jeder weiß, mein Rap geht auf wie Hefekloß. Ich kann alles schreiben, ich rap auch über dein Käsebrot.“

Ursprünglich waren es Gedichte, „die ich als kleines Mädchen geschrieben habe“, aus denen sie im beschaulichen Landshut mit 16 erste Raps zimmerte. Mittlerweile führt sie ihre Musik bis nach New York. Auf Coney Island und in Manhattan drehte ein Profi-Filmteam im Herbst zwei aufwendige Videos mit ihr. Für ihre Fans haben freilich die persönlichen Clips, die sie allein im Wohnzimmer filmt und selbst schneidet, eine mindestens ebenso große Bedeutung: ein gerapptes Make-up-Tutorial etwa oder wenn sie 15 Fragen beantwortet, die ihr die Anhänger via Facebook gestellt haben.

Was sie ohne Musik tun würde, möchte da einer wissen, und Lumaraa entgegnet, dass das „ungefähr so wäre, wie wenn man euch euren besten Freund, eure beste Freundin nimmt“. Sie musste schon erleben, wie ein beruflicher Traum platzt: Aufgrund einer Hauterkrankung kann sie weder als Köchin noch als Restaurantfachfrau arbeiten. „Jetzt ist es mein Ziel, von der Musik zu leben“, sagt sie – und hat das für den Moment sogar erreicht. „Allerdings auf Hartz-IV-Niveau. Ich kann davon leben, jedoch nicht gut.“

Traum von Platz eins

Auf finanziell vielversprechende Angebote, bei denen aber die Kunst das Nachsehen hat, geht sie dennoch nicht ein. In Berlin wollte ein Produzent mit ihr und zwei weiteren jungen Frauen die Charts mit einer Art Neuauflage der 90er-Jahre-Girl-Group Tic Tac Toe erobern. „Aber da bleibe ich lieber pleite und arbeite nebenher an der Supermarktkasse“, sagt Lumaraa. Jetzt, da ihr Album raus ist und sie Ende des Monats zu einer großen Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz aufbricht, kann es mit dem Erfolg trotzdem ganz schnell gehen. „Einmal auf Platz eins zu charten, um allen zu zeigen, dass ich’s geschafft habe“, beschreibt sie ihren großen Traum.

Und wenn das nicht klappt? „Dann kann ich meinen späteren Kindern und Enkeln wenigstens sagen, dass ich es versucht habe.“ Ihr Freund, „Der Asiate“, pflichtet ihr bei: „Selbst wenn es nach außen so aussieht, als hättest du im Leben alles richtig gemacht – Job, Familie, Haus. Wenn du’s als Künstlerin nicht wenigstens probierst, wirst du es eines Tages bereuen.“

Vielleicht werden ihre späteren Kinder und Enkel keine Ahnung haben, was das sein soll – eine CD. Aber wenn Lumaraa ihre Platte eines Tages aus einer alten Kiste kramt, könnte es auch für den Nachwuchs ein schönes Gefühl sein: ein Album der Oma in der Hand zu halten.

Lumaraa: „Gib mir mehr“ – erscheint bei Bassukah/Delta; Konzert am 2. März, 20 Uhr, im Täubchenthal (Wachsmuthstraße 1), Vorverkauf ab 15,40 Euro. Wer sich selbst mit einer Eintrittskarte fotografiert und das Selfie an mail@lumaraa.com schickt, nimmt an einer Verlosung teil. Die Gewinner dürfen während des Konzerts auf die Bühne.

Von Mathias Wöbking

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