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Leipziger Symphonieorchester bangt um seine Zukunft

Leipziger Sinfonieorchester bedroht Leipziger Symphonieorchester bangt um seine Zukunft

Kulturraum-Gutachten legt Auflösung von einem der beiden Klangkörper im Landkreis Leipzig nahe. Die Entscheidung soll bis zum Sommer fallen.

Hans-Ulrich Zschoch, Geschäftsführer des LSO

Quelle: Kempner

Böhlen. Die Zukunft des Leipziger Symphonieorchesters (LSO) ist offen. Mal wieder. „Eigentlich kennen wir die Diskussionen schon seit 1997“, sagt Geschäftsführer Hans-Ulrich Zschoch. Und doch sei es diesmal anders. „Zum ersten Mal steht die Auflösung im Raum. Das hat es in dieser Form noch nicht gegeben. Das ist heftig und kam für die Musiker überraschend.“

Das Problem: Im Landkreis Leipzig gibt es zwei professionelle Orchester – das Leipziger Symphonieorchester mit Domizil im Kulturhaus Böhlen und die Bläserphilharmonie Bad Lausick. Finanziert werden die Klangkörper von den Landkreisen Leipzig und Nordsachsen sowie dem Kulturraum Leipziger Raum. Da die Mittel wie überall im Kulturbereich seit Jahren knapp sind und immer weiter gekürzt werden, verzichten die Musiker bereits seit 2000 auf einen Teil ihres Gehaltes. „Beide Orchester werden deutlich unter Tarif bezahlt. Gehaltssteigerungen hat es seit 15 Jahren nicht mehr gegeben. Das führt natürlich zwangsläufig zu Unzufriedenheit“, erklärt Zschoch das Dilemma.

Neue Perspektiven sollte ein Gutachten aufzeigen, das im Frühjahr 2015 vom Kulturraum in Auftrag gegeben wurde. Das Ergebnis liegt seit Oktober vor und ist niederschmetternd. Demnach gibt es nur zwei Möglichkeiten: Die Anpassung sprich Erhöhung des Kulturraum-Budgets oder die Auflösung eines der beiden Orchester. „An eine Budgeterhöhung ist gar nicht zu denken, jetzt geht es ums Ganze“, weiß Zschoch.

Für eine auskömmliche Bezahlung der 38 Musiker und fünf Verwaltungsangestellten des Leipziger Symphonieorchesters müsste der Kulturraum 1,6 Millionen Euro im Jahr zahlen, sagt er. Aktuell sind es 800 000 Euro. Und bei der Bläserphilharmonie in Bad Lausick sehe die Situation nicht anders aus. „Dass der Kulturraum auf einmal jährlich 1,6 Millionen Euro zusätzlich aufbringen kann, ist absolut unrealistisch“, sagt Zschoch.

Seit Herbst wird das Gutachten in den Kulturausschüssen der Landkreise Leipzig und Nordsachsen, in den Kulturraumausschüssen und Kulturbeiräten diskutiert. Parallel mobilisieren die Orchester ihre Freundeskreise. Die sammeln eifrig Unterschriften für den Erhalt. „Wir bangen mal wieder um die Zukunft des LSO. Bitte tragen Sie sich in die Unterschriftenlisten ein“, warb Markkleebergs Oberbürgermeister Karsten Schütze (SPD), selbst im Vorstand des in Böhlen und Markkleeberg ansässigen Freundeskreises „Freunde und Förderer des LSO“, beim Neujahrsempfang im Großen Lindensaal. Das Orchester, das 1963 als Staatliches Orchester des Bezirks Leipzig gegründet wurde, machte, was es am besten kann – mit einem umjubelten Konzert Werbung in eigener Sache.

Aber nicht überall stoßen die Musiker aus dem Südraum auf Wohlwollen. „Die politische Stimmung in Nordsachsen ist für uns nicht so lustig“, gesteht Zschoch. Kein Wunder: Die Orchester haben ihren Sitz und mehrheitlich auch ihr Publikum im Landkreis Leipzig, zahlen tun aber auch die Nordsachsen. „Es ist richtig, es besteht ein Ungleichgewicht. Wir spielen derzeit noch mehr im Süden, aber wir sind auf einem guten Weg, das zu ändern“, versichert Zschoch.

Bis zum Sommer soll die Entscheidung in den Kreistagen in Borna und Torgau fallen. Zschoch gibt sich optimistisch: „Alle Beteiligten arbeiten an einer für alle Seiten zufriedenstellenden Lösung“, sagt er diplomatisch. „Die Auflösung des Orchesters wäre für fast alle Kollegen eine Katastrophe“, fügt er hinzu. Die meisten Musiker seien jenseits der magischen 30, die Chancen auf eine neue Festanstellung sehr gering. Wie die Situation auf dem Arbeitsmarkt für Musiker aussieht, schildert er an einem Beispiel: „Auf eine für ein Jahr befristete Flötenstelle in Elternzeitvertretung haben sich bei uns weit über 100 Musiker beworben.“ Auch für Generalmusikdirektor Wolfgang Rögner, erst seit August 2015 Chefdirigent des Leipziger Symphonieorchesters, keine einfache Situation. „Er hatte sich seinen Start anders vorgestellt“, so Zschoch.

Und dann ist da noch das Publikum. Treue Musikfreunde wie Juliane Lehmann, die seit Jahren die Anrechtskonzerte im Kulturhaus Böhlen, im Stadtkulturhaus Borna, im Großen Lindensaal in Markkleeberg und anderswo besuchen und nicht müde werden, für ihr LSO die Trommel zu rühren. „Unsere Besucher schätzen das Angebot vor Ort. Nicht jede kleine Stadt im Umland ist verkehrstechnisch so gut angebunden, dass ein Besuch im Gewandhaus problemlos möglich ist. Außerdem sind unsere Preise moderat. Konzertkarten kosten bei uns zwischen 12 und 15 Euro, im Gewandhaus 50 Euro und mehr“, rechnet Zschoch vor. Und das LSO spielt fast immer in vollen Häusern. 85 bis 90 Prozent betrage die Auslastung im Schnitt.

Der LSO-Manager gibt nicht auf. Auch wenn zunehmend Veranstalter anrufen würden und fragen, ob es weitergeht. Zschoch ist zuversichtlich: „Die Planungen für die Spielzeit 2016/17 laufen.“

Von Ulrike Witt

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