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Leipziger Theatermacher Matthias Schluttig mit neuem Stück übers Fremdgehen

Premiere Leipziger Theatermacher Matthias Schluttig mit neuem Stück übers Fremdgehen

Der Leipziger Theatermacher Matthias Schluttig und sein offenes Ensemble „DramaVision“ feiern am Freitag im Haus Steinstraße eine Premiere. Das Stück „Wildwexel“ handelt von einem uralten Phänomen: Warum die Menschen fremdgehen.

Ménage à trois? Thomas Streipert, Moritz Fehrle und Hanna Vogel (von links) bei einer Probe zum Stück „Wildwexel“.

Quelle: DramaVision

Leipzig. Seit 3000 Jahren dasselbe: Die Ehe lahmt, der Mann geht mit einer Jüngeren fremd, es kommt raus, gibt Krach, die Affäre übersteht das meist nicht, er bleibt, wenn auch angeschlagen, bei Frau und Kindern. Schon Zeus geht seiner Hera mit der jungen Mondgöttin Semele fremd, durch Heras listigen Racheplan verbrennt die Nebenbuhlerin im Feuer des Donnergottes. Doch aus dem Seitensprung geht Dionysos hervor, der Gott des Theaters und des Rausches.

„Was für eine Halbwertszeit hat Liebe, wenn man in einer monogamen Beziehung lebt?“, fragt Matthias Schluttig mit seinem neuen Stück „Wildwexel“, das die antike Dreiecksbeziehung von Zeus, Hera und Semele in Beziehung setzt zur Ehe von Bernhard und Anke, die im Hier und Jetzt von der jungen Laura bedroht wird.

Trotz der antiken Anleihen scheint das Thema in Zeiten beständiger Versuchungen und bis zur Fragilität flexibler Beziehungsmodelle aktueller denn je, wie Schluttig feststellt: „Was muss man 2016 tun, um zusammenzubleiben? Wie lebt es sich, wenn der erste Frühling vorbei ist, was taugen die klassischen Beziehungsmodelle?“ Es ist offenbar ein fast mechanischer Grundsatz: Verbindungen verbrauchen sich, nutzen sich ab. Was folgt, sind Phasen gegenseitiger schwerer Arbeit, wobei ein Seitensprung mitunter sogar helfen kann, wenn er am Ende neue Kraft für die eigentliche Beziehung liefert und Bedürfnisse temporär kompensiert: „Wenn die Ehe selbst vital genug wäre, den Gott des Rausches hervorzubringen, müsste man nicht fremdgehen. Monogamie ist kein Optimum, es geht nicht ohne Krisen. Die Frage ist immer: Wie geht man damit um?“

Ambitionierter Amateurtheater-Ermöglicher

In der Hauptsache kennt man Matthias Schluttig mit seinem offenen Ensemble „DramaVision“ als inhaltlich ambitionierten Amateurtheater-Ermöglicher. Seine Stückentwicklungen „Tod eines Steuerfanders“ und „Free Syrian Angst“ fanden über Leipzig hinaus Beachtung, mit unermüdlicher Kraft setzt er sich zusammen mit anderen für das „Ost-Passage Theater“ ein, ein Nachbarschaftstheater mit politischem Anspruch und soziokulturellem Einschlag an der Eisenbahnstraße, auf dessen Eröffnung er im Laufe des Jahres hofft.

Mit „Wildwexel“ hat sich Schluttig aber bewusst für eine konzentriertere, persönlichere Arbeit entschieden: „Ich wollte etwas für mich klarkriegen, aus mir raus holen, damit ich es anfassen kann.“ Entsprechend professionell ist sein Anspruch an die Inszenierung: Der diplomierte Dramaturg hat sein Protagonistenpaar mit professionellen Schauspielern besetzt und inszeniert selbst.

Anhand der exemplarischen Dreiecksbeziehung sollen Fragen aufgeworfen werden wie: Prägen unsere Eltern unser späteres Sexualleben? Ist der Mann heute das schwache Geschlecht? Welche Funktion hat einE GeliebteR? Und: Warum brauchen wir Dionysos?

Bei allem Inhaltswille möchte Schluttig jedoch keineswegs belehren, ein therapeutischer Ratgeber soll das Stück nicht sein: „Das ist das Schöne an Theater: Man muss nicht immer erklären, warum es so ist, man kann aber zeigen: So fühlt es sich an.“ „Wildwexel“ arbeitet mit einer verkürzten, filmischen Ästhetik mit vielen Schnitten und kurzen Szenen, diesmal, so verspricht Schluttig, kommen auch poppige und trashige Elemente zum Tragen. Realistisch soll es aber in der emotionalen Tiefe bleiben: „Theater wird gut, wenn ich berührt werde, etwas von mir selbst wieder entdecke, mitfühlen und mitdenken kann.“ Schluttig erzählt deswegen konsequent chronologisch, eine gute Story ist ihm vor allen ästhetischen Erwägungen wichtig: „Ich glaube nicht an den bedeutungslosen Affekt. Nur Bedeutung schafft Emotion.“

„Wildwexel“, Uraufführung am Freitag, 20 Uhr, Haus Steinstraße (Steinstraße 18), weitere Aufführungen: Sonntag sowie 8./9., 16./17. und 24. April, je 20 Uhr, Eintritt 8/5 Euro, www.dramavision.de

Von Karsten Kriesel

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