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"Leipziger sind sowieso ganz anders": Gothic-Novel-Rocker ASP im Interview

"Leipziger sind sowieso ganz anders": Gothic-Novel-Rocker ASP im Interview

Bei den Gothic-Novel-Rockern ASP handelt es sich um die eine Düstergruppe, die nicht (mehr) beim Wave-Gotik-Treffen auftreten will. Mit Leipzig verbindet die Band aber nach wie vor einiges, wie ihr Chef Alexander Frank Spreng vor den zwei Konzerten zum 15. ASP-Geburtstag im Haus Auensee sagt.

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ASP-Sänger Alexander Frank Spreng beim Leipzig-Konzert 2012.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Am Samstag gibt das Gespann aus Frankfurt am Main ein klassisches Rock-Konzert, am Sonntag werden leisere Töne angestimmt.

Als Sie vor ein paar Jahren zu einem Akustik-Konzert in Leipzig waren, haben Sie das Publikum verdutzt, indem Sie es siezten. Wird das jetzt wieder so sein?

Nein, das Siezen der Zuhörer habe ich mir abgewöhnt. Ich habe gemerkt, dass die emotionale Verbindung zwischen uns und den ASP-Anhängern dafür während eines Konzerts einfach zu tief ist. Damals hatten viele Fans ihre Verwandtschaft mitgebracht. Weil ich gut erzogen bin, wollte ich die Leute nicht einfach so rundheraus duzen.

Viele Gruppen verbinden auf Konzerten elektronische mit akustischen Passagen. Warum verteilen Sie beides auf zwei Abende?

Uns reicht ein Abend nicht, denn wir waren in den 15 Jahren nicht eben untätig. Da sind so viele Songs, über die sich die Leute freuen würden, also splitten wir das Ganze: das Best-of-Rock-Konzert für alle, am zweiten Abend etwas mehr für langjährige Wegbegleiter: Raritäten, für die in einem normalen Rockkonzert vielleicht auch nicht die Zeit ist.

Z um Beispiel?

Ich habe festgestellt, dass die Leute eher unwirsch darauf reagieren, wenn wir vorher Sachen verraten. Aber ich versuche, einen Mittelweg zu finden: Wir haben bis auf zwei Songs keinerlei Überschneidung zwischen den zwei Programmen. Da ist also Platz für Songs, die man noch nie live bei uns gehört hat.

In Leipzig sind die Menschen wegen des Wave-Gotik-Treffens über die Nische hinaus relativ kundig, was die so genannte Schwarze Szene anbetrifft. Merken Sie das bei Konzerten in der Stadt?

Die Leipziger sind sowieso ganz anders als alle anderen. Und das soll jetzt gar keine Schleimerei sein, sondern es ist tatsächlich so, das ist eine sehr weltoffene Stadt. Vielleicht wegen der vielen tollen Messen hier, auch wenn die Menschen gleichzeitig sehr Leipzig-betont sind. Wobei wir allgemein ein sehr breites Publikum erreichen, über die Schwarze Szene hinaus. Leute, die etwa über den literarischen Aspekt unserer Musik eine Tür gefunden haben.

Vom WGT halten Sie sich fern, seit die Obsorge-Karte 2009 mit der so genannten Schwarzen Sonne geschmückt war, einem Symbol mit SS-Vergangenheit, das heute vor allem für die rechtsesoterische Szene Bedeutung besitzt.

Das unter anderem, es gab noch viele Vorkommnisse. Wir sind ja damals in einen offenen Dialog getreten, in dem unsere Kritik nie richtig entkräftet wurde. Wir haben uns einen Haufen esoterischen Quatsch angehört, verschleiernde Andeutungen, warum diese Symbole doch nicht so schlimm seien, aber keine Erklärung bekommen, warum sich das Treffen damit schmückt. So bleibt für mich nur ein Kommentar: Nein, wir gehören in diese Ecke nicht rein.

Glauben Sie, dass sich in dem damaligen Disput noch etwas tut?

Nein, dafür war der Protest insgesamt zu klein. Wir sind zwar nicht die einzige Band, die sich offen an solchen Symbolen stört, aber ehrlich gesagt sind viele Gruppen darauf angewiesen, beim Wave-Gotik-Treffen zu spielen und wollen sich's nicht verscherzen. Ich halte das für schwierig: Wenn man sich einmal so weit verbogen hat, ist eine Tür aufgestoßen, die man schwer wieder zukriegt.

Wie kommt es, dass Teile der Schwarzen Szene so empfänglich für fragwürdige Symbole sind?

An sich ist es ja relativ harmlos. Schon die Punk-Szene war unglaublich symbol-orientiert, und provozieren gehört zu jeder Musikszene, die etwas bewegen möchte. Wenn ein Konsument ein T-Shirt trägt, ist das sein gutes Recht. Wir leben in einem freien Land. Aber wer als Veranstalter viel Verantwortung trägt, sollte neutral agieren, finde ich.

Die Anthologie "Per Aspera Ad Aspera" ist gerade früher als geplant erschienen und wieder sehr aufwendig gestaltet. Wie erfolgreich ist Ihre Strategie, dass das Auge sozusagen mithört?

Wirtschaftlich ergibt's vielleicht für größere Bands mehr Sinn als für uns. Ob es sich rentiert, darüber will ich lieber nicht nachdenken. Die CD-Käufe sind unglaublich im Keller. Wenn sich die aufwendigen Drucksachen nicht mehr finanzieren lassen, werde ich auch glücklich damit sein, weiter meine Lieder schreiben zu dürfen und die Fantasie auf diese Weise anzuregen. Aber der Hörer soll halt ein schönes Extra bekommen.

Was sich ja angesichts der Schauergeschichten, der Gothic Novels, die Sie erzählen, auch anbietet ...

In der Tat. Ich beginne gerade mit dem Schreiben für ein nächstes ASP-Album, das auf der Kurzgeschichte eines Freundes beruht. Kai Meyer, erfolgreicher Autor fantastischer Romane, hat die Handlung verfasst, und ich schreibe ein Album drumherum. Und: Die Geschichte spielt in Leipzig. Ich freue mich, dass mit dem Projekt der eine oder andere Leipzig-Besuch einhergeht: um zu recherchieren. Streng genommen bräuchte man das im Internet-Zeitalter nicht, aber es ist eine schöne Ausrede, um vorbeizukommen.

ASP, Samstag, 20 Uhr, Sonntag, 19 Uhr, Haus Auensee, Vorverkauf jeweils 30,95 Euro.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.10.2014

Mathias Wöbking

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