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Leipzigs Thomaner singen als deutsche Kulturbotschafter in Israel

Schwierige Mission Leipzigs Thomaner singen als deutsche Kulturbotschafter in Israel

Es ist eine ebenso aufregende wie schwierige Konzertreise. Leipzigs Thomaner fliegen mit dem Gewandhausorchester nach Israel. Zum Abschluss der Feierlichkeiten zu 50 Jahren diplomatische Beziehungen zwischen Deutschland und Israel singen sie in Tel Aviv, Jerusalem und Leipzigs Partnerstadt Herzliya. Auch ein Auftritt in der Gedenkstätte Yad Vashem steht auf dem Programm.

Interims-Thomaskantor Gotthold Schwarz (r.) hat wie schon bei der ersten Israelreise 1992 die musikalische Leitung inne.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. 4.45 Uhr: Aufwecken im Alumnat. So steht es für Donnerstag im minuziösen Reiseplan für Thomanerchor, Gewandhausorchester und Solisten. Um 10.55 Uhr soll die Maschine in Berlin-Schönefeld abheben. Zum Abschluss der Feierlichkeiten zu „50 Jahre Diplomatische Beziehungen Deutschland – Israel“ soll in Tel Aviv (am 4. und 5. Dezember), in Jerusalem (6.) und in Leipzigs Partnerstadt Herzliya (8.) Johann Sebastian Bachs Weihnachtoratorium aufgeführt werden. Wenn die rund 60 Thomaner im Flugzeug nach Tel Aviv sitzen, beginnt für sie ein Abenteuer in einem Land, in dem eigentlich immer Ausnahmezustand herrscht. Für Stefan Altner, Geschäftsführer des Thomanerchors, ist es der letzte Akt eines Mammutprojekts, an dessen Vorbereitung er seit über drei Jahren arbeitet.

„Ich mache jetzt seit 30 Jahren Konzertorganisation, erst in München und seit 23 Jahren in Leipzig. Und diese Reise ist die aufwendigste, die ich je gemacht habe“, sagt Altner, der bei den Aufführungen Cembalo spielen wird. Es begann mit der Unterzeichnung der Städtepartnerschaft Leipzig-Herzliya im September 2011. Vor der offiziellen Feier hatten sich Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung und Andreas Michaelis, deutscher Botschafter in Israel, ausgetauscht. Im Juni 2012 fragte Michaelis, ob die Thomaner nicht 2015 nicht nach Israel kommen wollten, als Kulturbotschafter Deutschlands. Sie wollten.

Seitdem, so Altner, wurden allein 3000 bis 4000 E-Mails geschrieben. Denn anders als sonst wurde die Konzertreise nicht von den Veranstaltern vor Ort finanziert. Geldgeber sind diesmal Auswärtiges Amt, Sächsische Staatskanzlei, Goethe-Institut und die Stadt Leipzig. Und das bedeutete: Briefe schreiben, Anträge stellen. „Vier Ordner sind inzwischen voll.“ So singen und spielen Thomaner und Gewandhausorchester nun vor Israels Staatspräsident Reuven Rivlin, Bundespräsident Joachim Gauck, Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich, Leipzigs OBM Burkhard Jung und zahlreiche Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur.

Rund 300 Leute zählt die deutsche Entourage insgesamt. Altner: „Für uns steht die Strahlkraft des Chores, des Orchesters, der Solisten und des Dirigenten im Mittelpunkt. Die Dinge drumherum sind aber im Verlauf immer wichtiger geworden.“ Und parallel musste zudem noch die Asienreise vorbereitet werden. Vom 2. bis 17. März geht es mit der Matthäus-Passion nach Hongkong, China, Japan und Korea.

Die aktuelle Reise ist der zweite Besuch der Thomaner im Heiligen Land. Und für Interims-Thomaskantor Gotthold Schwarz schließt sich in gewisser Weise ein Kreis: Wie im Juni 1992 hat er auch diesmal die musikalische Leitung inne. Das Weihnachtsoratorium am Ort seiner Handlung, das ist nicht unbedingt ein Selbstläufer. „Im jüdischen Glauben wird ja nicht akzeptiert, dass Christus der Erlöser ist“, erklärt Altner. Darin bestehe die Ambivalenz. „Israel ist einerseits der Ort, an dem das Weihnachtsoratorium angesiedelt ist, andererseits kann es für orthodoxe Juden ein Affront sein, es dort aufzuführen. Die Musik Bachs verbindet aber“, ist sich der Thomaner-Geschäftsführer sicher.

Auch für die jungen Sänger fällt dieses Reise aus dem Rahmen. „Man muss immer daran, dass es ja Kinder sind, die da überall schwerbewaffnete Soldaten sehen, die mit der Geschichte und der deutschen Verantwortung konfrontiert werden“, so Altner. Deshalb habe man vor dieser Reise besonders intensiv informiert und diskutiert. Zum Ende, am 9. Dezember, singen die Thomaner in der Gedenkstätte Yad Vashem Mendelssohns: „Richte mich Gott“ und J. H. Scheins: „Ich hebe meine Augen auf“.

Von Jürgen Kleindienst

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