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Leipzigs Wotan bleibt in der Garderobe - Unterbrechung bei der „Walküre"

Wagners Ring Leipzigs Wotan bleibt in der Garderobe - Unterbrechung bei der „Walküre"

Die Wagner-Welt blickt derzeit auf Leipzig: Erstmals seit 40 Jahren wird der Ring wieder komplett inszeniert. Und dann das. Bei der Aufführung der "Walküre" blieb Wotan-Sänger Markus Marquardt nach dem berühmten "Ritt der Walküren" einfach in der Garderobe.

Nach dem Ritt der Walküren (im Bild) war es am Freitagabend ruhig auf der Bühne der Leipziger Oper. Die Technik hatte gestreikt und Wotan daher seinen Einsatz verpasst.

Quelle: Leipzig-Report

Leipzig. Die Wagner-Welt blickt derzeit auf Leipzig: Seit Donnerstag und noch bis Sonntag rundet sich an der Oper in der Geburtsstadt Richard Wagners der erste komplette „Ring des Nibelungen“ seit rund 40 Jahren. Und zur Halbzeit, nach dem „Rheingold“ vom Donnerstag und der gestrigen „Walküre“, zeichnet sich ab, dass hier Großes entsteht: Musikalisch ist unter der Leitung des Intendanten Ulf Schirmer sowohl auf der Bühne als auch im Graben beim Gewandhausorchester alles so gut, dass man in Bayreuth nicht mehr erwarten darf. Rosamund Gilmores Inszenierung greift aufs Ganze gesehen ebenfalls eindrucksvoll ineinander.

Folgerichtig ist das internationale Publikum, das in vielen Sprachen, großer Abendgarderobe und in ebensolchem Anspruch den Augustusplatz zum Grünen Hügel macht, vor Begeisterung größtenteils nachgerade aus dem Häuschen. In jeder Pause gellen die Bravi, nach Ende der Vorstellungen wollen sie kein Ende nehmen.

Doch große Ereignisse werfen große Pannen voraus: Den letzten Walküre-Akt musste Schirmer am Freitagaben kurz nach dem Walkürenritt wieder abbrechen: kein Wotan nirgends, der hätte antworten können auf seiner Kriegerinnen Frage „Was taten, Vater, die Töchter, dass sie dich reizten zu rasender Wut?“. Der Obergott, in der „Walküre“ singt ihn der großartige Markus Marquardt, saß noch in seiner Garderobe, wo er wegen eines Defektes in der Einruf-Anlage allzu lange allein über die Untaten seiner Lieblingstochter Brünnhilde nachsann.

Er wurde also persönlich geholt, nach einer Schreckminute ging es auf der Bühne weiter. Und obwohl an den Beteiligten das Ereignis nicht spurlos vorüberging, blieb die Vorstellung auf Festspiel-Niveau. Mit einer Ausnahme: Das Publikum, dass auf dem Grünen Hügel Gift und Galle gespuckt hätte, nahm die Angelegenheit sportlich bis humorig. Und so bekam Marquardt nach Ende der Vorstellung den Jubel, den er verdiente. In dieser Beziehung ist Leipzig schon einmal das bessere Bayreuth. Was die Kunst anbelangt, wissen wir nach der „Götterdämmerung“ am späten Sonntagabend mehr.

kfm

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